Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel BASF-Milliardenprojekt: Zwischen QR-Codes und Reisfeldern

Skyline mit modernen Hochhäusern in Zhanjiang.
Skyline mit modernen Hochhäusern in Zhanjiang.

Die Metropole zum neuen Werk der BASF in Südchina, die Millionenstadt Zhanjiang, wartet mit Besonderem auf. Krasse Gegensätze in Sachen Lebensverhältnisse treten zutage.

Hinter Mitarbeitern des Ludwigshafener Chemiekonzerns BASF, die sich für die Firma mit Asien beschäftigen, liegt eine aufregende Woche. Das lange intern und extern umstrittene, zumindest aber heiß diskutierte Werk Zhanjiang in Südchina ist offiziell eröffnet worden. Rund um den Termin am Donnerstag gab es jede Menge zu organisieren. In Zhanjiang lud die BASF chinesische Kunden, Banken und Partner zu Konferenzen und einem Galadinner ein.

Versammlung für BASF-Mitarbeiter

Es gab nach der Eröffnungszeremonie Feiern für die Mitarbeiter des vielfach noch neu glänzenden und frisch riechenden Werks. Und zum Abschluss der Woche fand ein aus dem neuen Standort übertragenes Townhallmeeting statt, eine weitgehend digitale Versammlung für die BASF-Mitarbeiter in ganz Asien.

Palmenstrand mit der Skyline Zhanjiangs im Hintergrund.
Palmenstrand mit der Skyline Zhanjiangs im Hintergrund.

Zhanjiang schien in den vergangenen Tagen der Nabel der BASF-Welt zu sein. Es war der Reiz des Neuen und der Stolz auf etwas heutzutage nicht Selbstverständliches: Der Standort konnte sehr zügig in Betrieb gehen, der moderne, flexible Steamcracker rasch zur Produktion hochgefahren werden. 8,7 Milliarden Euro statt der veranschlagten 10 Milliarden Euro beträgt die Investition.

BASF-Chef: Unterm Strich höchste Investitionen in der Pfalz

BASF-Chef Markus Kamieth wird nicht müde zu betonen, dass der Konzern in das mit 10 Quadratkilometern zweieinhalbmal so große Heimatwerk in Ludwigshafen trotz dort laufender Sparprogramme unterm Strich immer noch am meisten investiert, nämlich rund 2 Milliarden Euro jährlich. Als brandneuer Standort ist Zhanjiang, wo in China für Kunden vornehmlich in China produziert werden soll und Wege kurz gehalten werden sollen, dennoch etwas Besonderes. Der, so die BASF, deutlich geringere CO 2 -Ausstoß als bei vielen existierenden Standorten resultiere aus der Verwendung von Photovoltaikanlagen auf den Gebäuden des Werks, einer Windkraftbeteiligung und dem Einkauf des in China günstigeren grünen Stroms. Das Werk, das die BASF allein, also ohne den in China oft üblichen chinesischen Partner, betreiben darf, ist extrem durchdigitalisiert.

Französischer Kolonialstil: die Altstadt von Zhanjiang.
Französischer Kolonialstil: die Altstadt von Zhanjiang.

Damit ist es, so die BASF, effizient, und es entspricht den Gewohnheiten der meisten Chinesen, denen man in der Siebenmillionenstadt Zhanjiang begegnet. Ebenso wie auf der über 10.000 Kilometer langen Reise von Deutschland aus dorthin. Hier läuft fast alles digital per QR-Code. Ohne QR-Codes und Smartphones geht nahezu nichts. Bezahlt wird fast in jedem Geschäft und Restaurant nur per App Wechat oder Alipay.

Bargeld sieht man fast gar nicht mehr, Kreditkarten selten. Man ist sehr digital in Chinas Städten.

Tiefseeanleger am Hafen am BASF-Standort Zhanjiang.
Tiefseeanleger am Hafen am BASF-Standort Zhanjiang.

Tiefseehafen ein BASF-Vorteil

Besonders am BASF-Standort am Südchinesischen Meer ist auch der Tiefseehafen, über den Rohstoffe angeliefert und Chemieprodukte verschifft werden. Gut angebunden ist Zhanjiang zudem über zwei Schienenstrecken für Hochgeschwindigkeitspassagierzüge, bis zu 350 km/h schnell. Damit ist etwa Hongkong gut erreichbar. Weitere Hochgeschwindigkeitstrassen entstehen in der am rasantesten wachsenden Region Chinas. Auf den Straßen sieht man deutlich mehr E-Autos als in Deutschland, die Smogprobleme sind offenbar dadurch geringer geworden. Rasante E-Vespa-Rollerfahrer machen Fußgängern trotz allgegenwärtiger Kameraüberwachung das Leben schwerer.

Im Stadtmuseum von Zhanjiang: der Name BASF – in chinesischen Schriftzeichen geschrieben.
Im Stadtmuseum von Zhanjiang: der Name BASF – in chinesischen Schriftzeichen geschrieben.

Weiter außerhalb werden es weniger Motorroller. Vorbei an Reisfeldern, an denen Bauern mit uralter Ausrüstung tätig sind, welch ein Kontrast, führt die neue Autobahn zum Flughafen, mautpflichtig. Auch hier läuft alles rein elektronisch. Es ist mächtig in Infrastruktur investiert worden in der Region. Chinas allmächtige Regierung erhofft sich, dass durch die Großansiedlung weitere Firmen kommen, etwa BASF-Kunden.

Abendlicher Berufs- und Einkaufsverkehr in der Millionenstadt Zhanjiang.
Abendlicher Berufs- und Einkaufsverkehr in der Millionenstadt Zhanjiang.

Unternehmen aus westlichen Ländern präsent

In der eine gute halbe Autostunde vom BASF-Werk entfernten Innenstadt sind etwa McDonald's, Burger King und Seven Eleven präsent. Der französische Sportriese Decathlon hat vor seinen Toren im Einkaufszentrum einen Basketballplatz spendiert, wo Jugendliche gerne ungezwungen üben. Drinnen präsentiert Apple das Macbook neo, nebenan ist die chinesische Apple-Konkurrenz Honor, Huawei und Xiaomi vertreten.

Gut 2000 Beschäftigte zählt das BASF-Werk, die meisten sind Chinesen. Rund 200 Deutsche waren oder sind abgeordnet an den weltweit drittgrößten Verbundstandort, nach dem Start nun werden es deutlich weniger. Neben alldem ist Zhanjiang auch ein (sub-)tropisches Touristenziel, das mit die längsten Strände Chinas aufweist, Shrimps und Austern als Spezialitäten darbietet.

E-Ladestation in Zhanjiang.
E-Ladestation in Zhanjiang.

Traurige und stumme Zeugen der Baukrise

Viele halb fertig stehengelassene Bauruinen stören die Optik massiv als traurige, stumme Zeugen von Chinas hartnäckiger Baukrise. Auch die BASF setzt darauf, dass viele Chinesen nach dem ersten Auto oder dem ersten Flachbildfernseher streben – dann wächst trotz Baukrise der Chemiemarkt weiter kräftig; denn dafür braucht es Produkte etwa aus dem Hause BASF.

Eindrücke aus der Altstadt von Zhanjiang.
Eindrücke aus der Altstadt von Zhanjiang.

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