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BASF-Betriebsrat über Digital-Solutions-Stellen: Umgang mit Mitarbeitern „respektlos“
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat vorige Woche bekanntgegeben, dass das Unternehmen in den kommenden Wochen einen Digital Hub in Hyderabad in Indien eröffnen will. Von dort aus sollen standardisierte digitale Services in großem Umfang an die BASF-Geschäfte weltweit geliefert werden – zum Beispiel SAP- und KI-Anwendungen für alle Geschäftsbereiche des Chemiekonzerns.
Geplante Standardisierungen wie im Falle des neuen Hubs dienen den Konzernangaben zufolge dem Ziel des BASF-Bereichs Global Digital Services, seine Service-Belegschaft bis 2030 weltweit deutlich zu reduzieren. „Dies betrifft auch Stellen in Ludwigshafen“, teilte die BASF mit. Alle Schritte würden, so das Unternehmen, „sozialverträglich und unter Einhaltung der bestehenden Mitbestimmungsrechte umgesetzt“.
Nicht Teil bisheriger Sparprogramme
Konkrete Zahlen nannte die BASF auch auf Nachfrage nicht. Nach RHEINPFALZ-Informationen wird mit der Streichung von weltweit rund 1000 Stellen im digitalen Service bis zum Jahr 2030 gerechnet, ein großer Teil davon könnte dabei in Ludwigshafen wegfallen. Sie sind nicht Teil der schon zuvor verkündeten Sparprogramme.
Rund 100 Beschäftigte der BASF-Gruppengesellschaft BASF Digital Solutions GmbH könnten allein schon von einer Schließung der Digital-Solutions-Standorte Schwarzheide und Lemförde betroffen sein.
BASF-Betriebsrat: „Klare Perspektiven“ nötig
„Die Art und Weise, wie hier mit Kolleginnen und Kollegen bei der BASF Digital Solutions umgegangen wird, ist respektlos“, sagte Sinischa Horvat, der Vorsitzende des BASF-Konzernbetriebsrats, auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Wir erwarten, dass den Menschen klare Perspektiven für ihre berufliche Zukunft aufgezeigt werden. Aus gutem Grund hat die BASF Digital Solutions Expertise gebündelt und aufgebaut, die wir für die Transformation dringend benötigen.“ Digitalisierung, sagte Horvat, „ist eine wesentliche Säule der Transformation – für die BASF SE, für Deutschland, für Europa. Wenn wir hier Know-how abbauen und einfach über Bord werfen, gefährdet das nicht nur die Perspektiven für die Menschen, sondern auch für unser Unternehmen.“
Insgesamt beschäftigt die BASF Digital Solutions GmbH rund 1785 Mitarbeiter (BASF-Angaben Stand Mai 2025). Davon arbeiten 1630 Beschäftigte am GmbH-Hauptsitz in Ludwigshafen. Am Dienstag bestätigte die BASF ihre Angaben von Juni 2025: Rund 300 Mitarbeiter der Kerngesellschaft BASF SE aus dem Bereich Digitalisierung sollen spätestens zum 1. Juni 2026 zur Tochtergesellschaft BASF Digital Solutions GmbH wechseln. Das, so die BASF damals, solle die Organisationsstruktur vereinfachen und Mehraufwand reduzieren. Ein Abbau von Personal sei damit nicht verbunden, hieß es im Juni von der BASF. Mitarbeiter, die den Wechsel nicht wollten, hätten die Möglichkeit, sich auf andere freiwerdende Stellen im Unternehmen zu bewerben.
BASF: Kosten senken
Mit dem Hub in Indien möchte der Chemiekonzern sein Netzwerk solcher Hubs in Europa (Ludwigshafen und Madrid) und im asiatisch-pazifischen Raum (Kuala Lumpur) stärken. Der Digital Hub in Hyderabad bündele Kompetenzen an einem kostengünstigen Standort, so die BASF, und ermögliche es, Services „schneller und effizienter“ bereitzustellen. Mit „den Maßnahmen reduzieren wir die operativen Kosten für die Bereitstellung von IT-Services“, betonte die BASF vorige Woche, davon profitierten die BASF-Gruppe und die SE. „Die strategische Weiterentwicklung des BASF-Bereichs Global Digital Services ist jedoch kein reines Kostensenkungsprogramm“, betonte eine Sprecherin. „Ziel ist es, einen Standardisierungsansatz voranzutreiben, um sowohl die Komplexität als auch die Kosten in der bestehenden Applikationslandschaft zu reduzieren und digitale Lösungen anzubieten, die einen erheblichen Mehrwert für die Geschäftsbereiche weltweit bieten.“
Defizitäres BASF-Stammwerk in Ludwigshafen
Wie die gesamte Chemiebranche sieht sich die BASF unter wirtschaftlichem Druck und leidet vor allem in Deutschland und Europa seit Jahren unter Überkapazitäten. Daher hat die BASF bereits in den vergangenen Jahren größere Sparprogramme aufgelegt und ist dabei, tausende Stellen abzubauen – gerade am seit Jahren defizitären Stammwerk in Ludwigshafen. Dabei kommt dem Konzern auch die natürliche Fluktuation zupass. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Ruhestand – das ist aktuell bei jährlich rund 1000 BASF-Beschäftigten in Ludwigshafen der Fall.