Meinung Bahnverkehr: Früherer Pionier lässt nach

Als deutschlandweit erste Bahnstrecke wurde 1994 der Abschnitt von Grünstadt nach Eisenberg reaktiviert .
Als deutschlandweit erste Bahnstrecke wurde 1994 der Abschnitt von Grünstadt nach Eisenberg reaktiviert .

Rheinland-Pfalz ist in der Bahnpolitik kein Vorreiter mehr. Ob die Bilanz der Ampelkoalition dennoch präsentabel ist, hängt von der Wieslauterbahn ab.

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz waren in den Jahren nach der Bahnreform von 1993/94 Pioniere bei der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken. Dabei gab es deutliche Unterschiede. Die Reaktivierungen in Rheinland-Pfalz erfolgten zeitweise verblüffend schnell auf Strecken, bei denen dies mit geringem Aufwand möglich war und in eher ländlichen Regionen wie dem Donnersbergkreis und dem nördlichen Kreis Bad Dürkheim. Baden-Württemberg brauchte etwas länger, war deswegen nicht der Allererste, erzielte aber mit Strecken in Verdichtungsräumen wie der Ammertalbahn und der Schönbuchbahn viel spektakulärere Fahrgastzahlen. Die Schönbuchbahn von Böblingen nach Dettenhausen ist gerade wegen des starken Verkehrsaufkommens sogar (in einem zweiten Schritt) elektrifiziert worden.

Nur bei Homburg–Zweibrücken steht Land gut da

Baden-Württemberg setzt nun nicht zuletzt dank Verkehrsminister Winfried Hermann (Die Grünen) dezidiert auf weitere Streckenreaktivierungen. Dagegen sind die Zeiten, in denen der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Rainer Brüderle (FDP) rot-grünen Landesregierungen als leuchtendes Vorbild präsentiert werden konnte, leider vorbei. Relativ gut steht die Landesregierung derzeit nur beim Projekt Homburg–Zweibrücken da. Bei den beiden anderen Pfälzer Vorhaben, die der Ampelkoalitionsvertrag von 2016 enthält, ist das Bild nicht gerade ruhmreich, obwohl es dabei lediglich um die Konsolidierung schon früher erfolgter Reaktivierungen geht. Bei der Zellertalbahn hat sich die Bewilligung der Mittel für die Sanierung der maroden Infrastruktur so lange hingezogen, dass die Strecke zwischenzeitlich gesperrt werden musste. Immerhin ist hier nun die Kuh vom Eis. Der Fall der Wieslauterbahn im Dahner Felsenland hat weniger Aufmerksamkeit erregt, weil die Strecke weiterhin befahrbar ist. Hier steht aber der Bewilligungsbescheid für die Sanierung immer noch aus. Für die bahnpolitische Bilanz der Legislaturperiode ist es von erheblicher Bedeutung, ob dieses Problem in den nächsten Wochen noch gelöst wird.