Wirtschaft Anwaltsportale enttäuschen bei Datenschutz

«Berlin». Anwaltsportale versprechen schnelle erste Hilfe bei Rechtsfragen. Doch es gibt erhebliche Mängel beim Datenschutz.
Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest. Die sieben geprüften Portale boten zwar meist raschen Rat. Alle Anbieter sammeln aber Informationen über die Nutzer und liefern sie an Google und Co. Besonders negativ sei hier das Portal Juraforum aufgefallen. „Der Datenschutz hat uns enttäuscht“, bilanziert Eugenie Zobel-Kowalski, Rechtsexpertin der Stiftung Warentest. Juraforum schnitt allerdings mit seinen 73 angeschlossenen Anwälten bei der Informationsqualität am besten ab. Auf den Seiten werde transparent und umfassend über die Juristen informiert und es gebe zahlreiche Informationen und kostenlose Foren, so die Tester. Auch kostenlose Rückfragen seien möglich und das Kleingedruckte weise nur sehr geringe Mängel auf. Wie bei anderen Anbietern kann der Kunde einen Preis per Schiebregler vorschlagen, der abhängig von Dringlichkeit und Detailtiefe bei Juraforum zwischen 39 und 79 Euro liegt. Im Test zeigte sich allerdings, dass bei Juraforum der Server angreifbar war. „Hacker hätten hier leicht Daten abgreifen können“, so die Stiftung Warentest. Nach deren Hinweisen sei das Leck geschlossen worden. Dennoch schneidet das Portal ähnlich wie alle anderen Anbieter nicht gut beim Datenschutz ab. Die Nutzerdaten werden demnach bei Juraforum von zusammen 14 Unternehmen erfasst, darunter Facebook, Google und Twitter. Kein anderes der sieben Portale erlaubt so vielen Datensammlern den Zugriff. Alle untersuchten Portale benutzen der Stiftung zufolge Tracking-Dienste wie Google Analytics. Schon wenn der Nutzer eine Seite aufruft, erfassten mindestens Google und meist auch andere Anbieter Daten zu seinem Besuch auf der Seite. Das ermögliche gezielte Werbung und besondere Angebote. Besonders bedenklich sei, dass bei einigen Anwaltsportalen soziale Netzwerke wie Facebook schon beim Aufruf der Seite den Namen des Rechtsberatungskandidaten erführen. Das passiere dann, wenn Nutzer sich vom selben Gerät aus bei ihrem Netzwerk angemeldet und nicht wieder ausgeloggt hätten. Internetnutzer finden bei den Rechtsportalen nach Einschätzung der Experten meist schnellen individuellen Rechtsrat. Die Fragen werden an einen der vielen Anwälte weitergeleitet, die den Netzwerken angeschlossen sind. Für die Klärung des Sachverhalts wird dann ein Honorar fällig. Die Testkunden der Stiftung stellten auf den sieben Anwaltsportalen mit den meisten Nutzern in Deutschland jeweils fünf rechtliche Fragen. Dabei ging es um Arbeitsrecht, Kaufrecht, Mietrecht, Telekommunikationsrecht und Verkehrsrecht. In vier von fünf Testfällen gab es „überwiegend richtigen und brauchbaren Rat“, bilanzieren die Verbraucherschützer. Bei einem Fall aus dem Verkehrsrecht lag der Stiftung zufolge nur ein Anwalt ganz richtig. Der Umfang der Rechtshilfe war im Test unterschiedlich groß. Bei einigen Juristen gab es zusätzlich nützliche Hinweise, zum Beispiel auf einen Musterbrief der Verbraucherzentralen. Auch die Kosten unterscheiden sich erheblich. Einige Portale schicken den Testern zufolge erst nach erfolgter Anfrage ein Preisangebot. Bei anderen können Nutzer den Preis selbst festlegen, es gebe jedoch ein Mindesthonorar zwischen 24 und 44 Euro. Hinzu komme in einigen Fällen noch eine „Nutzungsgebühr“ von 2 Euro. Geprüft wurden neben der Qualität des Rechtsrats auch die Nutzerfreundlichkeit, die allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Datenschutzerklärungen und die Datensicherheit. Am übersichtlichsten sei die Nutzung bei Advocado und Deutsche Anwaltshotline. Im Test waren neben den genannten Portalen noch Anwalt.de, Frag-einen-Anwalt.de, Justanswer und Yourxpert.