KI-Unternehmen RHEINPFALZ Plus Artikel Aleph Alpha baut Stellen ab

Jonas Andrulis wollte mit seinem KI-System technologische Souveränität für Europa sichern.
Jonas Andrulis wollte mit seinem KI-System technologische Souveränität für Europa sichern.

Aleph Alpha galt zeitweise als große deutsche KI-Hoffnung. Inzwischen gibt sich das Heidelberger Start-up bescheidener.

An den Standorten Heidelberg und Berlin müssen rund 50 Beschäftigte hauptsächlich aus der Produktentwicklung gehen, wie das Unternehmen mitteilte. Man wolle sich „auf die Kernkompetenz von Aleph Alpha konzentrieren und die Bereiche mit dem höchsten Wachstumspotenzial bündeln“. Nun arbeiten demnach 270 Personen bei dem Start-up.

Hintergrund ist den Angaben zufolge ein im zweiten Halbjahr 2025 eingeleiteter Strategieprozess. Dem Gründer Jonas Andrulis, bis dahin auch alleiniger Geschäftsführer, wurde bereits im Sommer zunächst Reto Spörri als Co-Chef an die Seite gestellt. Der Schweizer kam von der Schwarz-Gruppe (Lidl), die an Aleph Alpha beteiligt ist. Im Oktober dann zog sich Andrulis komplett aus dem operativen Geschäft zurück. Der 45-Jährige werde das Unternehmen aber weiterhin unterstützen, er sollte als Vorsitzender in den Beirat wechseln, hieß es damals. Das hat sich nun erledigt: Wie ein Sprecher von Aleph Alpha auf Anfrage der RHEINPFALZ bestätigte, wird Andrulis diese Aufgabe „auf eigenen Wunsch“ nicht übernehmen. Er bleibt aber größter Anteilseigener. Selbst hat er sich öffentlich nicht zu diesem Schritt geäußert.

Wettrennen mit OpenAI

Schon ist Herbst geplant war, dass Ilhan Scheer zum 1. Januar Co-CEO neben Spörri werden sollte. Scheer war im Sommer als Chief Growth Officer nach Heidelberg gekommen. Er hat sein erstes Unternehmen Fable+ in Mannheim gegründet und war zuletzt Managing Director bei der Beratungsfirma Accenture.

Andrulis gründete Aleph Alpha 2019. Sein auf künstlicher Intelligenz (KI) beruhendes Sprachmodell „Luminous“ galt als in der Leistung gleichauf mit den weltweit führenden Modellen wie damals noch GPT-3 von OpenAI, das Ende 2022 mit ChatGPT den KI-Hype auslöste. Aus diesem mangels finanzieller Mittel nicht zu gewinnenden Wettrennen mit den Platzhirschen aus den USA oder China zogen sich die Heidelberger aber bald zurück. Man wollte sich auf maßgeschneiderte KI-Anwendungen für Unternehmen und Verwaltungen konzentrieren. Über die künftige Strategie äußert sich das Unternehmen noch nicht öffentlich.

Unter anderem SAP und Bosch haben in Aleph Alpha investiert. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem von der Schwarz-Stiftung vorangetriebenen KI-Forschungszentrum Ipai in Heidelberg. Die Anzahl der Mitarbeiter von Aleph Alpha stieg 2024 erheblich, nachdem Teile des Berliner Start-ups Lengoo übernommen wurden, eines Unternehmens für Übersetzungssoftware.

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