Stromversorgung Afrika, der dunkle Kontinent

Solar-Taschenlampen hängen in einem Stand in Äthiopien.
Solar-Taschenlampen hängen in einem Stand in Äthiopien.

In vielen Teilen Afrikas haben die Menschen keinen Strom, um auch nur eine Lampe anzumachen. Es gibt Lösungen, um Solarstrom zu nutzen – die Elektrifizierung des Kontinents ist dennoch schwierig.

Wenn in Afrika die Sonne untergeht, sind viele Flecken des Kontinents in Dunkelheit gehüllt – zu jeder Jahreszeit. Trotz genug Sonne und Wind, aus denen Strom erzeugt werden könnte, haben viele Menschen noch immer keinen Zugang zu Elektrizität. Trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahren haben der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge noch immer rund 580 Millionen Menschen in Afrika keinen Strom – bei einer Bevölkerung von etwa 1,3 Milliarden Afrikanern. Denn viele der Bewohner des Kontinents leben in entlegenen, dünn besiedelten Gebieten, wo sich der Ausbau zentraler Stromnetze aus wirtschaftlicher Sicht nicht lohnt.

„Den ländlichen Raum ausschließlich über zentrale Kraftwerke mit weit verzweigten Übertragungs- und Verteilnetzen zu elektrifizieren, erscheint für Subsahara-Afrika nicht zielführend“, sagt Daniel Busche, der Leiter des Programms für Energiezugang bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Dafür sind dezentrale Ansätze besser geeignet.“ Damit sind Systeme gemeint, die keinen Anschluss an das zentrale Stromnetz benötigen und ihren Strom meist aus erneuerbaren Energien beziehen. Denn während Zugang zu Elektrizität etwa von einem Kohle- oder Gaskraftwerk eine direkte Leitung benötigt, ist von der Sonne erzeugter Strom theoretisch für jeden und überall zugänglich. Doch da ist Afrika noch nicht weit: „Der Kontinent mit den reichsten Solar-Ressourcen der Welt hat nur fünf Gigawatt an Solaranlagen installiert, weniger als 1 Prozent der weltweiten Leistung“, schreibt die IEA.

Mini-Grids sind teuer, der Nutzen ist überschaubar

Eine der vielversprechendsten Lösungen sind sogenannte Mini-Grids, also Mininetze. Diese Anlagen, die Strom aus Solarmodulen erzeugen, können je nach Größe einige Häuser bis hin zu zahlreichen Dörfern mit Elektrizität versorgen. Doch die Investitionskosten seien hoch und die Profitabilität sei häufig gering, erläutert Busche. Zudem gebe es noch immer wenige Betreiber, die bereit seien, solche Anlagen 15 oder 20 Jahre lang am Laufen zu halten. „Der Markt entwickelt sich langsam.“

Ein weiteres großes Problem sei die Auswahl geeigneter Dörfer für Mini-Grids, sagt Nabin Gaihre vom Münchner Unternehmen TFE Energy. Entwicklern fehle wichtiges Wissen: Wo liegen diese Dörfer? Wie groß sind sie? Wie viel Strom brauchen sie, und können die Bewohner dafür zahlen? Das Unternehmen hat ein Werkzeug entwickelt, das anhand von Satellitenbildern viele dieser nötigen Informationen liefert. Die Firma arbeitet nach eigenen Angaben beispielsweise mit der Weltbank, der Regierung von Nigeria und mehreren Energieunternehmen zusammen.

Kapazität von Heimsystemen ist begrenzt

Während Mini-Grids einen langen Atem benötigen, liefern Heimsysteme schneller und einfacher Solarstrom. Sie bestehen aus kleinen Solarmodulen, die etwa auf einem Dach installiert werden und die je nach Größe ein Handy aufladen, einen Fernseher betreiben oder ein Haus erhellen können. Die deutsche Firma Mobisol, die vom französischen Energiekonzern Engie gekauft wurde, bietet dies in Tansania, Kenia und Ruanda an. Mit diesen kleinen Anlagen, die 50 bis 200 Watt erzeugen, könnten Kunden auch ihre Geschäfte betreiben, erläutert Mobisol: von Handyauflade-Stationen bis zu Friseursalons und Lebensmittelgeschäften. Solare Heimsysteme haben aber ihre Grenzen. Sie seien „wichtig, aber ihre Kapazität ist bei wachsendem Energiebedarf begrenzt“, sagt Busche.

Selbst für die abgelegensten und ärmsten Gemeinden gibt es Angebote. Das Berliner Sozialunternehmen Little Sun etwa, das von dem dänisch-isländischen Künstler Olafur Eliasson mitgegründet wurde, verkauft Solar-Lampen und Solar-Aufladegeräte vergünstigt in Ländern wie Äthiopien und Nigeria. Sie können zwei der wohl fundamentalsten Bedürfnisse vieler Menschen in Afrika decken: Licht, und Energie für das Aufladen des Handys. Das habe sich während der Corona-Pandemie gezeigt, sagt Felix Hallwachs, Leiter der Little Sun Foundation. Das Unternehmen versorgte Mitarbeiter im Gesundheitswesen mit Solar-Ladegeräten.