Spritpreise
12-Uhr-Tankregelung: Was der Blick nach Österreich zeigt
Mehr Transparenz, weniger Preissprünge: Mit diesem Ziel hat die Bundesregierung im April die 12-Uhr-Tankregelung eingeführt. Doch viele Autofahrer erleben derzeit etwas anderes. Ein Blick nach Österreich zeigt, warum die Maßnahme anders wirkt als erhofft.
Seit dem 1. April gilt in Deutschland die sogenannte 12-Uhr-Tankregelung: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – mittags um 12. Senkungen sind jederzeit möglich. Die Hoffnung: mehr Übersicht für Autofahrer, im besten Fall auch sinkende Preise. Doch viele erleben derzeit vor allem eines – deutliche Aufschläge zur Mittagszeit.
„Keine Maßnahme, um Preise zu senken“
Dass die Enttäuschung groß ist, überrascht Martin Grasslober nicht. Der Leiter Verkehrswirtschaft beim österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Club (ÖAMTC), dem Pendant zum ADAC, sieht vor allem ein Problem: falsche Erwartungen. „Diese Regelung ist aus unserer Sicht keine Maßnahme, um die Preise zu senken“, sagt er. Sie solle vor allem helfen, Preise besser vergleichen zu können.
Österreich hat das Modell bereits 2011 eingeführt. Hintergrund war ein regelrechtes Preischaos: Tankstellen änderten ihre Preise – wie bis vor Kurzem auch in Deutschland – mehrfach täglich, nach oben wie nach unten. Für Verbraucher war kaum nachvollziehbar, wann Tanken günstig ist. „Es hat sich um ein Preiswirrwarr gehandelt“, sagt Grasslober. Genau hier setzte die Regel an und sorgte für mehr Übersicht.
Ähnlicher Effekt in Deutschland
Allerdings zeigt die Erfahrung auch die Grenzen. In Österreich steigen die Preise ebenfalls regelmäßig um die Mittagszeit, um danach zu sinken. „Dieses Phänomen sehen wir auch bei uns“, sagt Grasslober. Die Anbieter nutzten die einmalige Möglichkeit zur Erhöhung gezielt aus. Für viele Autofahrer hat sich daraus ein neues, berechenbares Muster entwickelt – aber kein niedrigeres Preisniveau.
Ein ähnlicher Effekt ist nun in Deutschland zu beobachten. Anbieter schlagen mittags kräftig auf und senken die Preise später wieder. Gerade kleinere Tankstellen könnten dabei vorsichtiger kalkulieren und höhere Preise ansetzen, um Risiken abzufedern. „Dann setze ich einmal einen höheren Preis an“, beschreibt Grasslober diese Logik.
Bewegung im Markt
Hinzu kommt: In Deutschland hatte sich zuvor ein klarer Tagesrhythmus etabliert, mit meist günstigeren Preisen am Abend. Die neue Regel durchbricht dieses Muster – und sorgt aktuell für Verunsicherung.
Für Grasslober bleibt entscheidend, wie Verbraucher reagieren. Die Regel könne nur wirken, wenn Autofahrer Preisunterschiede gezielt nutzten. Wer vergleiche und gezielt günstige Anbieter ansteuere, erhöhe den Druck auf teurere Tankstellen – und sorge so für Bewegung im Markt.