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Mittwoch, 12. September 2018 Drucken

Wirtschaft

Zwei Handels-Dinos fusionieren

Die Konkurrenten Kaufhof und Karstadt schließen sich zusammen – Kartellamt kündigt harte Prüfung an

Kaufhof-Filialen gibt es in der Pfalz in Speyer und Landau sowie in der Rhein-Neckar-Region in Mannheim und Heidelberg. Karstadt ist in der Pfalz nicht mehr vertreten, betreibt aber Häuser im Rhein-Neckar-Center (Viernheim), in Karlsruhe, Saarbrücken, Mainz und Trier. In Trier gibt es auch einen Kaufhof (Bild).

Kaufhof-Filialen gibt es in der Pfalz in Speyer und Landau sowie in der Rhein-Neckar-Region in Mannheim und Heidelberg. Karstadt ist in der Pfalz nicht mehr vertreten, betreibt aber Häuser im Rhein-Neckar-Center (Viernheim), in Karlsruhe, Saarbrücken, Mainz und Trier. In Trier gibt es auch einen Kaufhof (Bild). ( Foto: dpa)

«Essen/Köln.»Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof soll den beiden zuletzt schwächelnden Warenhaus-Riesen im Wettbewerb mit Onlinehändlern und Einkaufszentren mehr Durchsetzungskraft verleihen. Die Kartellwächter haben aber auch noch ein Wort mitzureden.

Offiziell ist von einer „Fusion unter Gleichen“ die Rede. Doch wird Karstadt-Chef Stephan Fanderl die Leitung des Warenhaus-Konzerns übernehmen. Und auch die Mehrheit der Anteile am neuen Unternehmen (50,01 Prozent) liegt bei der Signa-Holding des Karstadt-Eigentümers René Benko. Signa erwirbt zudem 50 Prozent des milliardenschweren europäischen Immobilienbestands von HBC. Dazu gehören künftig 39 Immobilien aus einem bestehenden Joint Venture von HBC in Europa sowie 18 weitere Immobilien, die sich bislang im Eigentum von Galeria Kaufhof befinden. Der Kaufhof-Standort in Köln und das Carsch-Haus in Düsseldorf übernimmt die Signa Prime Selection AG. Die daraus erzielten Erlöse sollen ins operative Geschäft investiert und zum Schuldenabbau verwendet werden, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Signa und HBC. Die Konzerne äußern sich in der Mitteilung nicht über die Zukunft der Markennamen. Nach Insider-Informationen sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof zunächst als Marken bestehen bleiben.

Unter dem Dach der neuen Holding werden nun nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die Hudson`s-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Online-Handelsplattformen, die zu Kaufhof oder Karstadt gehören.

Vom Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition. Ihnen macht seit Jahren der Siegeszug von Billiganbietern wie Primark und Online-Händlern wie Amazon oder Zalando zu schaffen, aber auch die Konkurrenz der großen Einkaufszentren.

Besonders kritisch ist die Situation bei Kaufhof. Die Kölner kämpfen seit der Übernahme durch HBC Ende 2015 mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Karstadt hat nach einer harten Sanierung unter der Führung Fanderls gerade erst die Rückkehr in die schwarzen Zahlen geschafft.

Die künftig größere Einkaufsmacht dürfte es Kaufhof und Karstadt ermöglichen, bessere Konditionen von den Lieferanten zu erhalten. Zudem könnten nach Einschätzung von Experten in der Verwaltung, Datenverarbeitung und Logistik große Summen gespart werden. Offen ließen HBC und Signa zunächst, ob mit der Fusion auch Filialschließungen geplant sind. Auch zu einem möglichen Stellenabbau gab es keine Angaben.

Das Bundeskartellamt will die Pläne genau unter die Lupe zu nehmen: „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden.

Die Gewerkschaft Verdi hatte schon beim Bekanntwerden der Fusionsgespräche betont, dass für sie im Fall eines Zusammenschlusses drei Themen im Vordergrund stünden: „die Tarifbindung, die Beschäftigungssicherung und die Standortsicherung“.

Karstadt-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jürgen Ettl hat gestern den Erhalt aller 32.000 Arbeitsplätze und aller Standorte beim Zusammenschluss gefordert. „Die Fusion darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen“, sagte der Arbeitnehmervertreter. Ziel müsse Wachstum statt Restrukturierung sein und Arbeitsplatzerhalt statt Arbeitsplatzvernichtung. Ettl verwies darauf, dass gerade die Beschäftigten von Karstadt Sicherheiten und eine positive Perspektive verdient hätten. Seit vielen Jahren verzichteten sie für den Erhalt von Karstadt auf Teile ihres Tarifgehalts. |dpa/rtr

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