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Sonntag, 14. Juli 2019 Drucken

Wirtschaft

Unnützer Chip?

Was der elektronische Personalausweis bringt – Bei Anschaffung des Lesegeräts besser nicht sparen

Der elektronische Personalausweis steckt heute in vielen Geldbeuteln, doch kaum einer nutzt ihn. Hier ein Überblick, was er kann und woran es hapert.

Wer einen neuen Personalausweis beantragt, erhält damit Zusatzfunktionen. Seit 2017 ist bei jedem Ausweis die eID-Funktion aktiviert. Das ist ein eingebauter Chip, mit dem sich Nutzer auch im Internet ausweisen können.

Das Bundesinnenministerium schätzt, dass derzeit bei gut 25 Millionen Personalausweisen der Chip aktiv ist. Wer einen Personalausweis im Scheckkartenformat hat und bei der Bestellung den Chip nicht aktivieren ließ, kann das auch noch nachträglich gegen eine Gebühr tun. Wie viele Menschen den Online-Ausweis tatsächlich nutzen, weiß das Ministerium allerdings nicht.

Eigentlich hat der elektronische Personalausweis zwei Funktionen: Aus der Ferne lässt sich theoretisch eine rechtsverbindliche Unterschrift leisten. Mit der eID lässt sich im Internet oder an speziellen Bürger-Automaten in Behörden zweifelsfrei die Identität beweisen.

Um sich am heimischen Computer auszuweisen, benötigt man neben der persönlichen Pin-Nummer ein spezielles Lesegerät oder eine App. Das Smartphone oder das Lesegerät kann dann den Chip im Ausweis auslesen und die Daten übertragen.

Freiwilliger Fingerabdruck

Auf dem Chip gespeichert sind Name, Anschrift, Geburtstag und gegebenenfalls Künstler- oder Ordensname und akademischer Titel. Der Anbieter erhält nur die Daten, die er für den Vorgang benötigt. Das Foto, die Seriennummer und der Fingerabdruck, der bislang noch freiwillig gespeichert werden kann, werden dagegen nicht gesendet. Ab 2021 ist der Fingerabdruck auch beim Personalausweis Pflicht.

Tim Griese vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): „Nur wer im Besitz des Personalausweises ist und die persönliche Geheimnummer kennt, kann die Online-Ausweisfunktion nutzen. Diese sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung ist sicherer als die verbreitete Ein-Faktor-Authentifizierung mit Nutzernamen und Passwörtern.“

Elektronisch ausweisen können sich Besitzer einer eID bisher bei 101 Diensten. 70 Prozent davon sind laut Bundesinnenministerium Behörden, der Rest Unternehmen, die sich für das Verfahren zertifizieren mussten.

„Nicht einmal die Behörden bieten sinnvolle Nutzungsmöglichkeiten für die eID flächendeckend an“, kritisiert Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Bundesweit können Bürger unter anderem Kindergeld online beantragen, bei der Rentenversicherung das eigene Konto einsehen oder ein Führungszeugnis anfordern.

Vergleichsweise umständlich

„Digitale Technologien ermöglichen viele neue Dienste, deren Nutzung eine sichere Identifikation voraussetzt, wie etwa Carsharing“, sagt Antonia Schmidt vom Digital-Branchenverband Bitkom. „Weil der Bedarf groß ist, nutzen Unternehmen mittlerweile auch andere digitale Identifizierungssysteme, zum Beispiel das Video-Ident-Verfahren.“ Diese Lösungen sind bequem zu nutzen, bestätigt Constanze Kurz. Der Online-Ausweis sei dagegen vergleichsweise umständlich.

Dort, wo die eID angeboten wird, spricht daher nichts dagegen, die Funktion zu nutzen, findet Kurz. Denn der elektronische Personalausweis gilt als relativ sicher.

„Wer die eID nutzen möchte, sollte sich keinesfalls ein billiges Lesegerät für den Chip kaufen.“ Und Kurz empfiehlt, nach der Nutzung immer das Gerät vom Computer abzuziehen. dpa

|dpa

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