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Mittwoch, 06. Juni 2018 Drucken

Wirtschaft

Nußdorfer Weingut Uebel verändert sich

Von Eva Klag-Ritz

Jochen Uebel in James-Bond-Manier: Mit seinem Konterfei wirbt er für die Weine, die zur Marke werden sollen.

Jochen Uebel in James-Bond-Manier: Mit seinem Konterfei wirbt er für die Weine, die zur Marke werden sollen. ( Foto: BJI)

«Landau.»Reif müssen seine Weine sein. Nicht fett und schwer, lieber saftig, wie der Winzer sagt. Auch mal schlank oder stoffig. Modern eben. Jochen Uebel, leidenschaftlicher Riesling-Weinmacher, hat das elterliche Weingut im Landauer Stadtteil Nußdorf umgekrempelt. Weine werden immer öfter in der Flasche statt im Fass vermarktet. Das Privatkunden-Geschäft floriert.

14 Hektar Rebfläche auf den Höhen Landaus bewirtschaftet die Familie. Noch bis vor zehn Jahren diktierte vor allem das Fassweingeschäft den Alltag. Darüber hinaus hatten sich die Uebels auch als Lohnunternehmer einen Namen gemacht. Heute spielt diese Sparte nur noch eine untergeordnete Rolle.

Jochen Uebel ist Techniker in Weinbau und Oenologie, hat seine Ausbildung in so renommierten Weingütern wie Bürklin-Wolf absolviert. Nach seiner Rückkehr in den Betrieb als Weinbautechniker und Oenologe ließen ihm die Eltern freie Hand. Seit Jahren ist der Junior inzwischen federführend verantwortlich für den Weinausbau, während sich der Seniorchef Karl Uebel vor allem auf den Außenbetrieb konzentriert. Er hat immer alle Weinberge im Blick und koordiniert die anstehenden Arbeiten. „Mit viel Passion kümmert er sich um Traktor & Co“, berichtet sein Sohn. Dessen Lebensgefährtin Sandrina, sie stammt vom Kaiserstuhl, ist ebenfalls vom Fach und unterstützt engagiert den Nußdorfer Betrieb. Gemeinsam mit Karin Uebel, Mutter des Chefs, kümmern sich die beiden Damen des Hauses vor allem um den Verkauf und die Organisation von Veranstaltungen, bei denen sich das Weingut präsentiert.

Etwa zwei Drittel der Jahresproduktion sind Weißweine, wobei der Riesling immer mehr an Bedeutung gewinnt – auch wenn aktuell im Direktverkauf der Sauvignon blanc besonders gefragt sei, gibt Jochen Uebel zu bedenken. Pro Hektar werden unter seiner Regie durchschnittlich 7000 Liter erzeugt. Die Weine mit der Goldkapsel, das sind die aus den großen Lagen, die vornehmlich im Holzfass reifen, bringen es allerdings höchstens auf einen Ertrag von 2000 bis 3000 Liter.

90 Prozent der Flaschenweine gehen an Privatkunden, eine bescheidene Menge auch an die Gastronomie. Mit viel Einsatz hat sich Uebel einen Kundenstamm aufgebaut und dabei auch die über soziale Netzwerke entstandenen Kontakte intensiv gepflegt. Häufig ist er auf verschiedenen Weinmessen im ganzen Land unterwegs. Marketing und Werbedesign sind im Hause Uebel nun einmal „Chefsache“. Er ist überzeugt, „dass wir draußen in der Wertschätzung gestiegen sind“. Jedes Jahr werde, wie er sagt, „noch eine Schippe darauf gepackt“. Gleichwohl ist ihm bewusst: Da ist noch viel Potenzial.

Großen Wert legt der Oenologe auf akribische Arbeit im Weinberg. Überschüssige Triebe werden weggeschnitten, Trauben ausgedünnt, um den Ertrag zu reduzieren und damit die Qualität zu steigern. „Jeder Handgriff im Weinberg erspart Arbeit im Keller.“ Dort setzt der 35-jährige Winzer auf modernste Technik. Sämtliche Fässer sind mit einer Gärsteuerung ausgestattet, um die Temperatur während des gesamten Gärprozesses im Griff zu haben. Jochen Uebel ist sicher, vor allem seinen Weißweinen mit der Silberkapsel, die meist im Stahltank reifen, zu noch mehr Fruchtaromen zu verhelfen.

Anders bei den Rotweinen. Die Beeren werden traditionell auf der Maische vergoren, ehe ihnen im Holz Zeit bleibt, um sich zu entwickeln. Sie werden komplexer und gewinnen durch den Sauerstoffkontakt an Stabilität. „Ab einer gewissen Qualität hilft Holz bei der Entwicklung“, versichert Uebel, der auch Rebsorten wie Dornrino oder Tempranillo anbaut.

50 Prozent der Jahresmenge werden in Flaschen gefüllt und vermarktet, die andere Hälfte wird nach wie vor als Fasswein vor allem an bekannte pfälzische Weingüter verkauft.

Uebel will alles daran setzen, den Fassweinanteil weiter zurückzufahren und so auch seinen Umsatz, den er aktuell mit rund 400.000 Euro pro Jahr beziffert, weiter steigern. Sein Ziel: In zehn Jahren will er die Flaschenmenge von heute rund 30.000 Flaschen mehr als verdreifachen.

So sehr er die biologische Arbeitsweise im Weinbau als richtigen Weg empfindet: „Bio ist draußen kein Verkaufsargument.“

Der Sauvignon blanc, Jahrgang 2017, kostet 8,90 Euro.

Pfalz-Ticker