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Dienstag, 12. September 2017 Drucken

Wirtschaft

Noch keine Investoren in Sicht

Management-Buy-out-Pläne für GE-Standort Mannheim vom Tisch – Dritte Transfergesellschaft startet 2018

Von Klaus Hofter

Das Werk in Mannheim baute um 1900 das Schweizer Unternehmen Brown Boveri & Cie (BBC). Nach der Fusion mit Asea (Schweden) gehörte der Standort zu ABB. 2000 wurde das Werk an Alstom und 2016 an GE verkauft

Das Werk in Mannheim baute um 1900 das Schweizer Unternehmen Brown Boveri & Cie (BBC). Nach der Fusion mit Asea (Schweden) gehörte der Standort zu ABB. 2000 wurde das Werk an Alstom und 2016 an GE verkauft ( Foto: KUNZ)

«Mannheim.» Um Investoren für den GE-Kraftwerksstandort Mannheim zu finden, will die IG Metall weiter alle Hebel in Bewegung setzen. Nach der Absage eines Konsortiums Ende 2016 hat sich bislang kein weiterer Interessent gefunden. Den Arbeitnehmervertretern läuft aber die Zeit davon. Ende Dezember soll die Produktion in Mannheim auslaufen.

Die einst dort Beschäftigten haben dann die Chance, in eine weitere Transfergesellschaft zu wechseln, um sich dort weiter zu qualifizieren und einen neuen Arbeitsplatz zu erhalten. Wegen der bislang erfolglosen Suche nach einem Investor hätten sich bereits viele Mitarbeiter entschieden, in eine Transfergesellschaft zu wechseln, teilte Klaus Stein, Chef der IG Metall in Mannheim, auf Anfrage mit. Alle drei Transfergesellschaften betreut Mypegasus in Mannheim, eine nach eigenen Angaben führende Gesellschaft für Personalentwicklung und Qualifizierung.

Einen Teil der 600 Beschäftigten hatte GE zum 1. April freigestellt. Für sie ist eine Transfergesellschaft mit einer Laufzeit von 18 Monaten eingerichtet worden. 107 Mitarbeiter haben sich dafür entschieden. Ebenfalls 18 Monate beträgt die Laufzeit einer zweiten Transfergesellschaft, die zum 1. Juli gestartet ist und in die 60 Mitarbeiter gewechselt haben. Die dritte Transfergesellschaft, die am 1. Januar startet, hat eine Laufzeit von zwölf Monaten. Diese wird speziell für die Beschäftigten in der Produktion an den Standorten Mannheim und Bexbach eingerichtet. Nach Angaben des Betriebsrats haben sich bereits 225 Mitarbeiter entschieden, das Angebot dieser Transfergesellschaft anzunehmen. Positiv: Schon jetzt haben einige Mitarbeiter durch die Transfergesellschaft einen neuen Arbeitsplatz gefunden, sagte Stein.

Bestand im Frühjahr noch die vage Hoffnung auf ein Management-Buy-out für einen Teil des Produktionsbetriebs – für die Heißgasteile-Fertigung mit etwa 50 bis 60 Beschäftigten, so hat sich dies inzwischen zerschlagen, sagte Stein. Auch für die Großmechanik mit 60 bis 70 Mitarbeitern gebe es keine Chance mehr, ergänzte ein Sprecher von GE. Es gebe derzeit keine Interessenten für die Übernahme von Aktivitäten am Standort Mannheim. Weiterhin offen sei auch die Zukunft des großen Produktionsareals im Stadtteil Käfertal. Ob General Electric den Standort oder Teile davon verkauft oder verpachtet – dazu sei noch keine Entscheidung getroffen worden, so der Sprecher von GE. Damit ist auch die Zukunft der verbleibenden 600 Mitarbeiter in Mannheim offen, die nicht in der Fertigung tätig waren. Eine Standort-Garantie wolle der Konzern nach wie vor nicht geben, sagte Klaus Stein von der IG Metall.

Trotz der bislang ergebnislosen Suche nach einem Investor, der an dem Standort eine Produktion ermöglichen könnte, will die IG Metall in ihrem Bemühen nicht nachlassen: „Wir werden weiter alle Hebel in Bewegung setzen“, sagte Klaus Stein. Was allerdings gegen die Bemühungen spreche, sei die verbleibende Zeit bis zum Jahresende. Dann wollte GE die Produktion ganz einstellen. Allerdings habe der Konzern inzwischen so viele Aufträge, dass Beschäftigte bereits gebeten worden seien, länger als bislang geplant im Unternehmen zu arbeiten. Stein beschreibt die Situation bei GE weiterhin als nicht gut. Immer noch versuche der Konzern, die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats zu missachten. Schon in der Vergangenheit hat es mehrfach Versuche des Konzerns gegeben, den Betriebsrat zu blockieren.

Wie mehrfach berichtet, hatte General Electric im Januar 2016 – kurz nach dem Kauf der Kraftwerkssparte des französischen Industriekonzerns Alstom angekündigt, europaweit 6500 Stellen im Kraftwerksbereich streichen zu wollen, darunter 1700 an den 15 deutschen Standorten. Am stärksten davon betroffen ist Mannheim, wo 1066 Stellen gestrichen wurden und die Produktion geschlossen wird. Betroffen vom Stellenabbau sind letztlich 600 Beschäftigte, viele GE-Mitarbeiter waren durch Kündigung oder Vorruhestandsregelungen schon ausgeschieden: zum Zeitpunkt der Vereinbarung im Februar waren es noch 1400 von einst 1800 Mitarbeitern. Ebenfalls geschlossen wird die Produktion in Bexbach. Auf Interessensausgleich, Sozialplan und die Einrichtung von drei Transfergesellschaften unter dem Dach des Personalentwicklers Mypegasus GmbH in Mannheim hatten sich Arbeitnehmervertreter und GE-Management im Februar geeinigt. Alle Verhandlungen über eine Reduzierung des Stellenabbaus waren zuvor gescheitert. Kommentar

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