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Dienstag, 04. September 2018 Drucken

Wirtschaft

Müssen Sie das unbedingt googeln?

Von Juni Huber

Die Zentrale des Google-Mutterkonzerns Alphabet im kalifornischen Mountain View mit dem Namen des bekanntestens Produkts an der Fassade. (Foto: DPA)

Der Konzern ist zum digitalen Universal-Orakel geworden. Das ist unheimlich, aber es gibt Gegenmittel.

Wie schwer ist der Himalaya? Wie viele Täler dort sind tiefer als 154 Meter? Gibt es dort wirklich ein Kloster, in dem die Mönche nach dem Echo des Urknalls lauschen? Und was ist mit dem Yeti, wohnt der nicht auch dort? Wie lautet seine Adresse, was ist seine Schuhgröße? Wie viel mal passt das Saarland hinein (in den Himalaya, nicht in den Yeti)?

 

20 Jahre, eine Universalantwort: Frag mal Google.

 

Die Firma, die die Suchmaschine entwickelt und heute Alphabet heißt, wurde am 4. September 1998 angemeldet. Nicht lange danach begann der Regelbetrieb der Suchmaschine selbst. Es folgte die Meisterprüfung, mit Bravour bestanden, beim Ansturm auf Internet-Nachrichtenquellen wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001. Dann der Börsengang 2004, als das Unternehmen bereits 23 Milliarden Dollar schwer war.

 

2008 stellte Google sein "Android"-Betriebssystem für Mobilgeräte vor, seitdem ist es mit einem Marktanteil von weit über 80 Prozent der wichtigste Anbieter in diesem Segment geworden - sehr weit vor Apple mit seinen Iphones. Über sein "AdSense"-System ist Google zudem einer der größten Vermittler von Werbeanzeigen im Internet; wo und wie diese Anzeigen platziert werden, wird wiederum auch über die Suchanfragen gesteuert. Zu Google gehört heute außerdem die größte Video-Streaming-Plattform des Netzes, Youtube; der Kartendienst Google Maps; der Google Play Store, über den nicht nur Apps für Handys und Tablets, sondern auch Filme, Musik und E-Books vertrieben werden. Und noch einiges mehr.

Von Fragen und Aussagen

 

Google weiß eigentlich gar nichts. Aber es erfährt (fast) alles, und es macht Annahmen. Eine Frage enthält immer auch eine Aussage. Und die Suchmaschine Google wird fast alles gefragt. Wie werde ich nur meine Hämorrhoiden los? Wo finde ich diese Enthauptungs-Videos? Wo waren nochmal meine Lieblingspornos? Und wie sieht der neue Freund dieser einen berühmten Sängerin denn nun aus? Vielleicht hat sie ja in Wirklichkeit gar keinen Neuen. Aber wenn genügend Leute nach dem neuen Freund der berühmten Sängerin suchen, wird Google die Suche bei der Eingabe des Namens der Sängerin von selbst vorschlagen. Und schon ist die Aussage in der Welt.

Das digitale Unterbewusstsein der Menschheit

 

Google weiß nichts, aber es sammelt Daten. Es verschlingt praktisch alles, was seine Milliarden Nutzer ihm liefern. Nicht nur die Suchanfragen, auch jene Daten, die es beispielsweise aus der Nutzung von Mobilgeräten unter dem Google-Betriebssystem Android gewinnt. Und daraus wiederum zieht Google Schlüsse. Weniger über einzelne Menschen als vielmehr über praktisch alles. Der Konzern nähert sich so dem unheimlichen Punkt, das digitale Unterbewusstsein der Menschheit zu sein. Das Unterbewusstsein - nicht das Gewissen.

 

Schiere Ironie, dass es nur einen größeren Teil der Welt gibt, der sich dem entzieht, nur um einen noch weit erschreckenderen Kontrollmechanismus über das dort erreichbare Netz zu legen: Dieser Teil der Welt heißt China. In China gibt es kein Google. In China gibt es aber auch für die allermeisten Menschen kein Internet, das man so nennen könnte.

Die Welt, wie sie sich selbst durch Google sieht

 

Google hat heute schon eine Macht, die nie zuvor eine privatrechtliche Firma hatte. Ähnlich wie Facebook hat es Google in der Hand, zu steuern, was Menschen über die Welt erfahren, was sie über die Welt wissen. Die größere Gefahr liegt allerdings eher darin, dass die Algorithmen von Google ihr Bild der Welt verselbständigt so zeichnen, wie es sich ihnen über die Datenströme, die ihnen zufließen, nun einmal darstellt. Und diese Algorithmen können nicht unterscheiden zwischen Sinn und Unsinn, zwischen Lüge und Wahrheit. Google behauptet, dass seine Algorithmen die "besten" Suchergebnisse nach oben schwemmen. Nachprüfbar ist das nicht. Das scheitert am Betriebsgeheimnis des Konzerns.

Das Gerät, das System und die Mechanismen kennen lernen

 

Ein vollständiges Entkommen vor Google gibt es kaum für Menschen, die in irgendeiner Weise am digitalen Lebensstil der Gegenwart teilnehmen wollen. Aber selbst auf Handys und Tablets mit dem Google-Betriebssystem Android können Nutzer den Datenstrom an Google eindämmen. Was dem Konzern am meisten hilft, ist Bequemlichkeit. Denn die Voreinstellungen führen natürlich alle zu Google, und komfortabel sind viele dieser Funktionen schon. Auf diese Bequemlichkeit zu verzichten und ein gutes Stück Datenschutz gewinnen, ist eine bewusste Entscheidung dafür, auch noch etwas dazuzulernen über das Gerät, sein System und die Mechanismen, die es steuern. Das ist ein Wissen, das man heute immer brauchen kann.

 


Anhang

Die Alternativen: Suchen, Karten, Browser

 

Das erste: Nicht mehr mit Google googeln. Es gibt noch andere Suchmaschinen. Immer wieder wird Duckduckgo genannt, eine Alternative zur Alternative wäre zum Besipiel Qwant. Google-Spracheingabe: Ausschalten. Standortermittung: Ausschalten; diese wird nur für die Navigation gebraucht und kann dafür dann wieder in Betrieb genommen werden. A propos Navigation: Google Maps kann durch den freien Dienst OpenStreetMap (OSM) ersetzt werden, der unter Android von Apps wie Maps.me genutzt wird; in manchen Gegenden gelten die OSM-Karten ohnehin als genauer und aktueller als die Google-Karten.

 

Ersetzt werden kann auch der auf Android-Geräten normalerweise vorinstallierte Google-Chrome-Browser. Es gibt einen regelrechten Zoo an Alternativen; interessant ist zum Beispiel Ghostery, ein Browser, der besonders die Datensammelei durch Webseiten eingrenzen soll. Der Platzhirsch neben Chrome ist hingegen Firefox, für den es besonders viele Erweiterungen - auch wiederum für den Datenschutz - gibt. Desweiteren existiert noch Opera, der wie Firefox schon auf eine bemerkenswert lange Entwicklungszeit zurückblickt. 

 

Zuletzt: Die Geräte bieten einem an, Sicherheitskopien der mit ihnen angefertigten Fotos und Filme beim Dienst "Google Photos" zu hinterlegen - automatisch, sobald das Gerät in ein WLAN eingebucht ist. Das bedeutet, dass die Bilder, auch sehr private, auf einem Google-Server in den USA landen, erreichbar über das persönliche Google-Konto. Wer das nicht will, sollte es über die Einstellungen ausschalten oder beim Einrichten des Geräts erst gar nicht zulassen.

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