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Dienstag, 18. Dezember 2018 Drucken

Wirtschaft

Ludwigshafen: Bahn gibt das Wochenend-Ticket auf

Fahrkarte wird nur noch bis Juni 2019 angeboten – Angebot „Quer-durchs-Land“ bietet ähnliche, aber nicht gleiche Konditionen

Von Eckhard Buddruss

Die nun auch am Wochenende im Stundentakt fahrende Regional-Express-Linie von Mannheim (Foto) nach Frankfurt ist in vielen Fällen wichtig für Reisen aus der Pfalz, bei denen sich das Schönes-Wochenende-Ticket lohnt.

Die nun auch am Wochenende im Stundentakt fahrende Regional-Express-Linie von Mannheim (Foto) nach Frankfurt ist in vielen Fällen wichtig für Reisen aus der Pfalz, bei denen sich das Schönes-Wochenende-Ticket lohnt. ( Foto: Kunz)

Die Deutsche Bahn (DB) wird im kommenden Juni die früher wohl populärste Bahn-Fahrkarte aus ihrem Angebot streichen. Das Ticket „Schönes Wochenende“, das weite Reisen in Regionalzügen durch ganz Deutschland ermöglicht, gibt es dann nicht mehr. Einen Ersatz bietet das „Quer-durchs-Land-Ticket“ – allerdings zu in manchen Fällen etwas schlechteren Konditionen.

Der DB ist das Thema derzeit erkennbar unangenehm. Sie spricht davon, das Schönes-Wochenende-Ticket werde „zum einen mangels Nachfrage und zum anderen zur Vereinfachung der Tarifstruktur“ zum Juni 2019 vom Markt genommen. Mit dem „beliebten“ Quer-durchs-Land-Ticket gebe es ein nahezu identisches bundesweites Angebot. Verkaufszahlen für die beiden Tickets will die DB aber nicht nennen.

Unterschiedlicher Geltungsbereich

In der Tat sind die Konditionen der beiden Angebote „Schönes Wochenende“ und „Quer durchs Land“ (das anfangs nur montags bis freitags galt) in Etappen angeglichen worden. Es gibt allerdings immer noch einen Unterschied. Das „Schönes Wochenende“-Ticket galt und gilt nicht nur bundesweit in Zügen, sondern auch in einem Teil der deutschen Verkehrsverbünde in städtischen Verkehrsmitteln wie U-Bahn, Straßenbahn und Bus. Dazu gehören beispielsweise der Münchner Verkehrsverbund (MVV) und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB). Wer mit einem Schönes-Wochenende-Ticket nach Berlin oder München fährt, kann dort auch mit der U-Bahn fahren, mit dem gleich teuren Quer-durchs-Land-Ticket dagegen nicht. Bisher gehörten zu den Verkehrsverbünden, in denen das Wochenend-Ticket galt, auch die für die Pfalz relevanten VRN (Verkehrsverbund Rhein-Neckar) und KVV (Karlsruher Verkehrsverbund). Seit Fahrplanwechsel am 8. Dezember ist das nicht mehr der Fall. Dadurch reduziert sich laut DB-Angaben die Anzahl der Verkehrsverbünde, in denen das Wochenend-Ticket gilt, von zuvor 21 auf nun 19 der insgesamt 61 deutschen Verkehrsverbünde. Grund für die Aufgabe des Wochenend-Tickets ist, dass die DB die Einnahmen aus dem Ticket nicht mehr mit den Verkehrsverbünden teilen will. In der Diktion der DB wird das folgendermaßen formuliert: „Zudem wirkten sich vor allem die Abgaben für die Anerkennung in den Verbundverkehren negativ auf die Erlösentwicklung und damit auch die nachhaltige Finanzierbarkeit des Schönes-Wochenende-Tickets aus. Es wäre ohne deutliche Preiserhöhung nicht mehr finanzierbar gewesen.“

Unumstritten war das Wochenend-Ticket DB-intern nie. Als es 1995 eingeführt wurde, waren die Konditionen geradezu unglaublich günstig. Fünf Personen konnten für ganze 15 DM zwei Tage lang unbegrenzt mit Nahverkehrszügen durch ganz Deutschland fahren. Wahrscheinlich hatte das Angebot damals nicht zuletzt die Funktion, die Bundesländer, die ab 1996 die Nahverkehrszüge bestellten, davon abzuhalten, am Wochenende Züge abzubestellen.

Immer mehr Züge

Dieses Ziel wurde erreicht. Anstatt, wie befürchtet, Züge abzubestellen, bestellten de meisten Bundesländer dank der im Kontext der Bahnreform eingeführten Regionalisierungsmittel immer mehr Züge. Die spektakulären Fahrgast-Zuwachsraten, die der 1994 eingeführte Rheinland-Pfalz-Takt schon im ersten Jahr gerade am Wochenende erzielte, waren nicht zuletzt auf die Kombination von attraktivem Taktverkehr und Wochenend-Ticket zurückzuführen. Der damalige rheinland-pfälzische Verkehrsminister Rainer Brüderle (FDP) engagierte sich damals auch ganz besonders gegen Pläne der DB, das Wochenend-Ticket abzuschaffen, das vor allem den Managern des DB-Fernverkehrs ein Dorn im Auge war.

Allerdings bestand auch bei den Befürwortern des Wochenend-Tickets schnell Einigkeit darüber, dass die DB mit den anfänglichen Konditionen des Guten zu viel getan hatte und die spektakulär niedrigen Preise auf manchen Strecken zu so massiv überfüllten Zügen führten, dass ein Gegensteuern angebracht war. In einem ersten Schritt wurde der Preis schnell auf 25 DM erhöht. Später folgten weitere Preiserhöhungen, außerdem wurde die Gültigkeit des Tickets von zwei auf einen Tag reduziert.

Nach der Einführung von immer mehr Ländertickets wie dem Rheinland-Pfalz-Ticket oder dem Baden-Württemberg-Ticket und fortgesetzten Preiserhöhungen wurde der Bereich, in dem sich das Schönes-Wochende-Ticket aus Kundensicht lohnt, immer kleiner. Diese Marktnische wird künftig durch das Quer-durchs-Land-Ticket abgedeckt.

 

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