Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Freitag, 14. September 2018 Drucken

Wirtschaft

Metros Armutszeugnis

Von Klaus Hofter

Der Handelskonzern Metro hat angekündigt, das SB-Warenhaus Real nun doch verkaufen zu wollen. (dpa)

Die Ankündigung des einst größten europäischen Handelskonzerns Metro, das SB-Warenhaus Real nun doch verkaufen zu wollen, ist eine Bankrotterklärung des Managements.

Vor sieben Jahren hatte die Unternehmensleitung des Essener Unternehmens schon einmal mit dem Verkauf geliebäugelt. Damals sollten das SB-Warenhaus Real verkauft, Kaufhof mit Karstadt verschmolzen und – wie die Elektroniksparte Media-Saturn – an die Börse gebracht werden. Nichts davon wurde umgesetzt.

 

Stattdessen hat der Konzern mit einer – letztlich gescheiterten – Expansion nach Osteuropa und Asien viel Geld verbrannt. Der Kurs der Aktie, die kurz vor dem Aufstieg in den Dax stand, stürzte ab und bescherte den Anlegern Verluste. Bis heute zu leiden hat darunter das Duisburger Familienunternehmen Haniel als Großaktionär. Vor wenigen Wochen hatte sich Haniel deshalb von großen Teilen seiner Metro-Papiere getrennt. Die schlechten Perspektiven bei Real gehörten zu den Hauptbeweggründen für den Schritt.

 

Radikale Sparprogramme kosten Tausende Jobs

 

Die falschen Management-Entscheidungen hatten jedoch Folgen: Die hohen Kosten versuchte die Unternehmensführung mit mehreren radikalen Sparprogrammen, vor allem bei Real, in den Griff zu bekommen. Tausende Arbeitsplätze hat dies gekostet, die Rentabilität blieb aber gering. Profitiert haben vor allem die Wettbewerber – Discounter wie Lidl und Aldi, aber auch Supermärkte wie Rewe und Edeka. Sie haben es verstanden, in die Ladenausstattung und in die Warenpräsentation zu investieren. Metro hat dies bei Real völlig verschlafen und deshalb im Wettbewerb weiter an Boden verloren. Der Skandal um neu etikettiertes, in Wahrheit aber längst jenseits der Haltbarkeitsgrenze liegendes Fleisch hat Real 2005 zudem einen Schlag versetzt, unter dem die Kette noch lange zu leiden hatte.

 

Der jüngste Versuch, Kosten zu senken, liegt in Tarifauseinandersetzungen mit der Gewerkschaft Verdi. Nach langen Monaten der Verhandlung ohne Ergebnis hat Metro deshalb den Tarifvertrag mit Verdi gekündigt und den Arbeitgeberverband verlassen. Neue Real-Mitarbeiter sollen nun deutlich geringer entlohnt werden. Doch mit dem Versuch, einen Abschluss außerhalb des Flächentarifs für die bestehende Belegschaft zu finden, ist Metro bislang gescheitert. Umso perfider mutet deshalb die Ankündigung an, Real nun verkaufen zu wollen. Motto: Wir haben es seit Jahren nicht geschafft, das Haus wettbewerbsfähig zu machen, sollen dies nun andere tun.

Zugang auswählen


Sie sind bereits Kunde?

Einloggen

Sie sind bereits Kunde?

Einloggen

Pfalz-Ticker