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Donnerstag, 13. Juni 2019 Drucken

Wirtschaft

Hohe Mieten bergen sozialen Sprengstoff

Von Olaf Lismann

Die unverschämt hohen Mieten in vielen Stadtteilen schaffen drängende wirtschaftliche Probleme und bergen sozialen Sprengstoff.

Wenn Märkte überhitzen, mehren sich die unschönen Szenen. Besonders dann, wenn ein Übermaß an Gier im Spiel ist. Das sehen wir gerade im Markt für Mietwohnungen in großen Städten und ihrem Umland. Dort steigen und steigen die Mietpreise. Sie erreichen Höhen, die in immer mehr Stadtvierteln dieses Landes inzwischen für den allergrößten Teil der Bevölkerung unerschwinglich sind. Und das oft für unauffällige Wohnungen. Es erscheint plausibel, dass hier mancher Vermieter Eigenbedarf vortäuscht, um langjährige Mieter rauszuwerfen und – etwas später dann – wesentlich erträglicher zu Wucherpreisen neu zu vermieten. Viele Mieter versuchen sich zu wehren – bis vor Gericht. Für sie geht es um sehr viel. Denn sie finden nach ihrem Rausschmiss kaum mehr eine Wohnung an ihrem Arbeits- und Lebensort, die sie sich leisten könnten.

Die immer weiter steigenden Mieten in vielen Städten entwickeln sich für mittlere und kleine Unternehmen, die keine Spitzengehälter zahlen können, zum Standortrisiko. Denn sie finden immer schwerer dringend benötigtes Personal. Das kann es sich einfach nicht mehr leisten, an dem Ort zu wohnen, an dem es Arbeit finden würde. Hier liegt der Kern des Problems: Immer mehr Menschen müssen in wirtschaftlich prosperierende Städte ziehen, um angemessene Arbeit zu finden. Doch dort finden sie keine Wohnung, die sie bezahlen können. Hier dient das freie Spiel des Marktes nicht mehr dem Allgemeinwohl. Die Diskussion um eine gesetzliche Deckelung von Mieten oder eine Enteignung renditemaximierender Vermietungskonzerne zeigt, wie drängend dieses soziale Problem geworden ist.

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