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Freitag, 09. März 2018 Drucken

Wirtschaft

Hellas bleibt bei Touristen beliebt

Reisebranche fürchtet aber negative Folgen durch steigende staatliche Abgaben

Von Gerd Höhler, Athen

Die Tourismusbranche Griechenlands – hier der Stand auf der aktuellen Reisemesse ITB – erwartet für 2018 einen weiteren Buchungsanstieg.

Die Tourismusbranche Griechenlands – hier der Stand auf der aktuellen Reisemesse ITB – erwartet für 2018 einen weiteren Buchungsanstieg. ( Foto: dpa)

Seit fünf Jahren steigen die Urlauberzahlen in Griechenland. In diesem Jahr dürfte sich der Trend fortsetzen. Aber die hellenischen Hoteliers klagen über ständige Steuererhöhungen.

Rechtzeitig zur Internationalen Tourismusbehörde (ITB), die in Berlin noch bis Sonntag geöffnet ist, meldet Griechenland einen neuen Reise-Rekord. 2017 zählte das Land 27,2 Millionen Urlauber, ein Anstieg von 9,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rechnet man die 4,6 Millionen Kreuzfahrttouristen hinzu, die in griechischen Häfen an Land gingen, wurde im vergangenen Jahr sogar erstmals die Marke von 30 Millionen Gästen übertroffen. Nicht nur die Besucherzahlen stiegen, die Gäste brachten auch mehr Geld ins Land: Die Einnahmen aus dem Tourismus erhöhten sich 2017 um 10,5 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro.

Steigende Buchungszahlen lassen erwarten, dass sich der seit fünf Jahren anhaltende Boom auch in diesem Jahr fortsetzen wird. So verzeichnete die Insel Kos im Januar bei den Buchungen ein Plus von 25 Prozent. Auch Kreta ist stark gefragt, mit einem Buchungszuwachs von rund 10 Prozent. Der auf Studienreisen spezialisierte Veranstalter Studiosus meldet sogar einen Anstieg der Buchungen um mehr als 70 Prozent.

Der Griechenland-Boom ist umso erstaunlicher, als krisengeplagte Konkurrenten wie Türkei und Ägypten vor einem Comeback stehen. Laut Touristik-Systemanbieter Traveltainment, über den Buchungen vieler Reiseportale laufen, verbuchte das ägyptische Hurghada im Januar einen Zuwachs von 61 Prozent. Die Buchungen für die türkische Touristikmetropole Antalya verdoppelten sich gegenüber dem Vorjahr.

Die griechischen Hoteliers blicken deshalb nicht unbesorgt in die Zukunft. Sie müssen wettbewerbsfähig bleiben. Aber das wird immer schwieriger. Denn Premierminister Alexis Tsipras und Finanzminister Euklid Tsakalotos haben den florierenden Tourismus als Einnahmequelle entdeckt und schröpfen die Reisebranche mit immer neuen Abgaben. Von 100 Euro, die ein Tourist in einem griechischen 4-Sterne-Hotel bezahlt, fließen 13 Euro als Mehrwertsteuer sofort an den Fiskus. Zum Vergleich: In Spanien sind es 10 Euro, in der Türkei 8 Euro. Der Mehrwertsteuersatz in Restaurants beträgt in Griechenland 24 Prozent, gegenüber 10 Prozent in Spanien und 5 Prozent auf Zypern. Nun greift Tsipras auch den Urlaubern direkt in die Tasche: Seit 1. Januar müssen sie eine Schlafsteuer zahlen. Je nach Kategorie des Hotels werden zwischen 50 Cent und 4 Euro pro Übernachtung und Zimmer fällig. „Die steigende Steuerlast kostet uns die Hälfte dessen, was wir in den Krisenjahren an Wettbewerbsfähigkeit hinzugewonnen haben“, rechnet Giannis Retsos vor, Hotelier und Präsident des Verbandes der griechischen Touristikunternehmen.

„Die Nachfrage nach Reisen in die Türkei, nach Ägypten, Marokko und Tunesien steigt stark und stetig“, stellt der griechische Hotelier Andreas Andreadis fest. Der frühere Präsident des Tourismusverbandes warnt: „Wenn die Überbesteuerung des griechischen Tourismus nicht korrigiert wird, könnte 2019 der Abstieg beginnen.“ Das wäre prekär für die griechische Wirtschaft. Denn der Tourismus hat sich zu einem starken Motor entwickelt und steuerte 2017 fast ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt bei – Tendenz: steigend.

Vorausgesetzt, die Regierung bürdet der Reisebranche nicht weitere Lasten auf. Bestes Beispiel einer kontraproduktiven Abgabe ist die neue Schlafsteuer. Eine Studie des Beratungsunternehmens Grant Thornton beziffert die jährlichen Mehreinnahmen des Fiskus aus der Abgabe auf 156 bis 160 Millionen Euro. Die Steuer wird aber laut der Studie zu einem Rückgang der Gästezahlen, niedrigeren Erträgen und geringeren Investitionen führen. Grant Thornton erwartet, dass die Schlafsteuer unterm Strich volkswirtschaftliche Einbußen von 435 Millionen Euro und den Verlust von mehr als 6000 Arbeitsplätzen verursachen wird.

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