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Montag, 12. Februar 2018 Drucken

Wirtschaft

BASF-Betrug: Fremdfirmen-Mitarbeiter kooperieren mit Beschäftigten

In den großen Fällen von Wirtschaftskriminalität bei der BASF kooperieren Fremdfirmen-Mitarbeiter und eigene Beschäftigte

Von Judith Schäfer

Der BASF in Ludwigshafen (Foto) ist zum wiederholten Mal durch betrügerische Machenschaften Schaden in Millionenhöhe entstanden.

Der BASF in Ludwigshafen (Foto) ist zum wiederholten Mal durch betrügerische Machenschaften Schaden in Millionenhöhe entstanden. ( Firmenfoto/frei)

BASF um Millionen Euro betrogen: Die Nachricht kommt einem seltsam bekannt vor. Es ist nicht das erste Mal, dass der führende Chemiekonzern mit Sitz in Ludwigshafen mit einem Betrug in Millionenhöhe konfrontiert ist. Auffällig: In den Fällen mit Millionenschäden waren regelmäßig Fremdfirmen beteiligt. Bis zu 16.000 Mitarbeiter dieser sogenannten Kontraktoren beschäftigte die BASF zuletzt zeitweise am Standort Ludwigshafen – die Stammwerk-Belegschaft ist gerade einmal gut doppelt so groß.

Allein in der jüngeren Vergangenheit, 2009 und 2010, kamen betrügerische Vergehen im Umfeld der BASF in gigantischem Ausmaß ans Licht. Jahrelang beschäftigten sie Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte. Nach jedem der Skandale wurden die Sicherheitsmechanismen des Unternehmens auf den Prüfstand gestellt und verfeinert. Nicht jedes Mal bekam es dafür den Beifall seiner Geschäftspartner. Und jetzt wieder: Betrug mit Schaden in Millionenhöhe, der die vorangegangenen Fälle in der Summe nach RHEINPFALZ-Recherchen wahrscheinlich um ein Vielfaches übersteigt. Offenbar schützt kein noch so ausgeklügeltes Sicherheitskonzept gegen geballte kriminelle Energie.

Sechs Mitarbeitern fristlos gekündigt

 

Die Kontrollen bei Auftragsvergaben und Rechnungsfreigaben seien weiterentwickelt worden – das ließ der Chemieriese beispielsweise 2012 verlauten: Nachdem in einem langwierigen Ermittlungsverfahren ein BASF-Mitarbeiter sowie acht weitere Personen zu Geld- und Haftstrafen im Zusammenhang mit Betrug um Gerüstmontagen und Leitungsbau verurteilt worden waren. Ermittelt worden war zuvor gegen weitaus mehr Verdächtige, darunter mindestens zehn, die bei dem Chemieunternehmen auf der Gehaltsliste standen, sowie ebenso viele bei der beteiligten Fremdfirma. Sechs Mitarbeitern kündigte die BASF fristlos. Zwischen einer Million und 1,5 Millionen Euro Schaden entstand zwischen 2005 und 2009, weil Fremdarbeiten doppelt abgerechnet worden waren.

Dem war das Unternehmen 2009 durch interne Kontrollen auf die Spur gekommen – ähnlich wie jetzt wieder. Nur dass dieses Mal Arbeitsleistungen von Dienstleistern abgerechnet wurden, die nie erbracht worden sind. Das Ausmaß des Schadens, das dem größten Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz dadurch entstand, ist im aktuellen Fall nach RHEINPFALZ-Informationen mit mindestens 17 Millionen Euro ungleich höher als bei allen anderen Betrügereien zuvor. Jahrelang lief das illegale Rechnungssystem, bis ein internes Audit die Vorgänge enthüllte – erschreckend spät.

BASF-Zahlungsverzögerungen brachten manche Firma um Liquidität

 

Was dem Konzern, der in Ludwigshafen das größte Chemieareal der Welt betreibt, im Gerüstbaufall unausweichlich erschien, um weiteren Straftaten vorzubeugen, schlug pikanterweise 2011 bei den Kontraktoren hohe Wellen. Sie suchten die Öffentlichkeit und wandten sich an die RHEINPFALZ, weil sie länger auf ihr Geld warten mussten als gewohnt, teils monatelang. Die Dauer einer internen Rechnungsprüfung und -freigabe sei unterschiedlich, hieß es dazu lapidar. Das „Mehraugen-Prinzip“ war ausgedehnt worden, jede Rechnung wurde mindestens doppelt geprüft. Das führte zu Zahlungsverzögerungen, die manche Firma um ihre Liquidität und damit den Geschäftsbetrieb bangen ließ. In dem Zusammenhang wurden auch Klagen über massiven Preisdruck gegen den Konzern erhoben: Dieser trage zu den betrügerischen Machenschaften bei, weil die Bezahlung der Leistungen für die Partnerfirmen nicht auskömmlich sei. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück und formulierte einen Kodex zur Beschaffung von technischen Gütern und Leistungen. Dennoch gab es immer wieder Beschwerden über Preisdrückerei, nicht zuletzt seitens der IG Metall.

Mehr als 300.000 Paletten gestohlen

 

Auch der Diebstahl von Europaletten im riesigen Stil hatte das Zeug zum Skandal. 2010 wurde bekannt, dass der BASF über Jahre mehr als 300.000 Paletten gestohlen worden waren. Die Beteiligten, darunter Mitarbeiter eine Spedition, hatten täglich heimlich über 400 Paletten aus dem Werk gebracht und an gutgläubige Käufer weiterverkauft. Schaden für das Unternehmen: rund zwei Millionen Euro. Die Nutznießer sollen etwa 1,1 Millionen Euro verdient haben. Ein BASF-Mitarbeiter und mindestens sechs externe Beschäftigte wurden verurteilt. Es sei ihnen „erschreckend einfach gemacht“ worden, die Straftaten zu begehen, bemerkte das Gericht in dem 2016 beendeten Prozess.

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