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Donnerstag, 28. März 2019 Drucken

Wirtschaft Regional

Aus Speyer läuft der Absatz

Von Stefan Keller

Nicht mehr viel davon im Keller: Pinuaga Rosé 2017 (Tempranillo und Grenache) sowie Pinuaga La Senda 2017 (Tempranillo und Merlot).

Nicht mehr viel davon im Keller: Pinuaga Rosé 2017 (Tempranillo und Grenache) sowie Pinuaga La Senda 2017 (Tempranillo und Merlot). ( Foto: ell)

Die Weinmacher aus Toledo (von links) vor dem Weingut: Javier Alario, Valentin Pinuaga, Esther Pinuaga, Angel Orete.

Die Weinmacher aus Toledo (von links) vor dem Weingut: Javier Alario, Valentin Pinuaga, Esther Pinuaga, Angel Orete. ( Foto: Pinuaga/Frei)

„Nach Speyer zu gehen, war die richtige Entscheidung.“ Das steht für die spanische Winzerin Esther Pinuaga fest. Zwei Jahre lang hat sie mit ihrer Familie hier gelebt, um Exportstrukturen für ihren Wein aufzubauen. Sie ist wieder auf der iberischen Halbinsel. Die Domstadt bleibt dennoch die Geschäftsbasis.

Das Ehepaar Esther Pinuaga Orrasco und Javier Alario Sanchez-Valladares aus Toledo vom 1960 gegründeten Bio-Weingut Pinuaga hat sein Geschäft mit dem vielfach prämierten Wein zwei Jahre lang mit Wohnsitz in der Domstadt betrieben. Das habe sich für sie ausgezahlt. Sie seien in der Vermarktung deutlich vorangekommen. „Wein zu verkaufen ist nämlich ein schwieriges Geschäft“, sagt die 49-Jährige im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Sie macht auf dem Rückweg von der Fachmesse „Prowein“ vom 15. bis 17. März in Düsseldorf Station in ihrer Verkaufsbasis Speyer. Dort hat sie alle wichtigen Vermarkter und Kollegen getroffen. „Düsseldorf hat meines Erachtens Bordeaux in Frankreich als Weinhandelszentrum überholt“, sagt Pinuaga. Es ist inzwischen ein absoluter Pflichttermin für die Branche.

Keineswegs überholt ist die „alte“ Weinhandelsstadt Speyer. Zwar ist die Familie inzwischen wieder nach Spanien zurückgekehrt. „Wegen der Kinder und der Schule“, sagt die Mama. Sie selbst ist jedoch mindestens alle zwei Monate in Speyer. Die alte Weinhandelsstadt in relativer Nähe zu Frankfurt hat sich – wie erwartet – für sie zur idealen Drehscheibe für den Export in Europa, aber auch in die USA und nach Kanada entwickelt. In Brasilien ist der Wein ebenfalls zu haben. Das Weingut Pinuaga setzt voll auf Export. Ein Grund: Im Heimatland sinkt der Pro-Kopf-Verbrauch an Rebensaft weiter. Von 50 Liter pro Kopf und Jahr in den 1980er Jahren sei der auf 15 Liter zurückgegangen, klagt die Winzerin, die für das Weingut den Export verantwortet. Viele Landsleute bevorzugten heute Gin Tonic.

Pfalz und International

Gut 80 Prozent der Gesamtproduktion von rund 120.000 Flaschen im Jahr werden inzwischen außerhalb Spaniens verkauft. „Deutschland ist nach den USA unser zweitgrößter Absatzmarkt“, stellt Esther Pinuaga im Gespräch mit der RHEINPFALZ fest. Rund 30.000 Flaschen gehen derzeit in den deutschen Markt. Auch die starken Märkte Skandinavien, Großbritannien, Polen, Tschechien, Slowakei und die Schweiz seien ab Frankfurt per Flug gut zu erreichen. Denn vor Ort beim Kunden müsse der Produzent regelmäßig sein. Der immer interessanter werdende Markt China sei für sie derzeit noch kein Thema.

In Speyer habe sie auch starke Unterstützung in der lokalen Szene bekommen. Die „Weinwunderbar“, das Weinkontor Schwarz, das Gasthaus „Zum Anker“, aber auch der Lionsclub seien hilfreich für sie. Dass der BASF-Weinkeller in Ludwigshafen sie inzwischen liste, sei ein großer Erfolg. Alles helfe beim Aufbau der Marke.

Deutscher Geschmack ist prägend

Das Standbein Speyer hat durchaus Konsequenzen für das Portfolio: Weil die Deutschen weniger gern im Holz ausgebauten Wein im Glas hätten als Spanier, hat Pinuaga mit Blick auf den deutschen Markt erstmals 2017 Weine im Edelstahltank produziert: einen Roten, eine Cuvée aus den Rebsorten Grenache (überwiegend) und Tempranillo, einen Rosé aus denselben Trauben, jedoch im umgekehrten Verhältnis der Anteile – 85 Prozent Tempranillo, 15 Prozent Grenache – und einen Sauvignon blanc (Pinuaga bianco). Die Etiketten hat Miguel Angel Munoz Zamora gefertigt. Der Künstler aus Madrid lebt und arbeitet seit Jahren in Speyer. Die Weine kommen an: Der 2017er ist so gut wie ausgetrunken, der neue Jahrgang wird in Kürze auf die Flasche gezogen.

 

Daten & Fakten

Rund 120.000 Flaschen bringt das Familienweingut im Jahr auf den Markt. Von 40 Hektar Rebfläche sind 15 Hektar mit teils 50 Jahre alten Tempranillo-Reben, zehn Hektar mit Merlot-, je fünf Hektar mit Grenache-, Macabeo- und Sauvignon-Reben bestückt. Die Anbaubedingungen in der Tierra de Castilla gelten als hervorragend. Seit 2009 ist das Weingut als Öko-Betrieb zertifiziert. Der Großvater von Esther, Valentin Pinuaga, hat den Betrieb südwestlich von Madrid in der Hauptstadt der spanischen Provinz Toledo in der autonomen Region Kastilien-La Mancha gegründet.

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