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Dienstag, 13. März 2018 Drucken

Wirtschaft

Aufbruch am Geisterairport

Investoren planen Entwicklungsprojekt auf altem Athener Flughafengelände

Von Gerd Höhler, Athen

Seit 17 Jahren ist der alte Flughafen stillgelegt – die Terminals verfallen.

Seit 17 Jahren ist der alte Flughafen stillgelegt – die Terminals verfallen. ( Foto: Ghö)

Lange machten Investoren um Griechenland einen großen Bogen. Jetzt soll ein Mega-Projekt die Wende bringen.

Seit fast 17 Jahren ist hier kein Flugzeug mehr gelandet, aber die Schilder stehen immer noch: „Domestic Arrivals“, „International Departures“. Die Terminals verfallen. Auf der Runway sprießt Unkraut durch Risse im Beton. Am Rand des Vorfelds vergammelt ein Jumbo-Jet der längst liquidierten Olympic Airways. Der frühere Athener Airport Ellinikon: Nirgendwo zeigen sich wirtschaftlicher Niedergang und politischer Stillstand Griechenlands so krass wie an diesem Geisterflughafen.

Doch jetzt bewegt sich was. Ein internationales Konsortium unter Führung des griechischen Immobilienkonzerns Lamda Development will rund 8 Milliarden Euro in die Entwicklung des Areals stecken. So könnte aus einem Symbol der Stagnation ein Signal des Aufbruchs werden. „Mit der Entwicklung von Ellinikon werden die Karten neu gemischt, das Projekt bedeutet einen Durchbruch für Griechenland“, sagt Lamda-Vorstandschef Odysseas Athanasiou. Den Baubeginn erwartet er in der zweiten Jahreshälfte. Beteiligt sind an der Gruppe auch der chinesische Mischkonzern Fosun International und der Immobilienentwickler Al Maabar aus Abu Dhabi. 915 Millionen Euro lässt sich das Konsortium Global Investment Group die auf 99 Jahre befristete Gelände-Pacht kosten.

Der Bauplatz ist ein Filetstück, wie es in Europa keine andere Metropole zu bieten hat: 620 Hektar Land, eine Fläche, drei Mal so groß wie das Fürstentum Monaco, gelegen direkt an der Küste des Saronischen Golfs. Hier sollen rund 8000 Wohnungen, mehrere Hotels, ein Einkaufs- und Kongresszentrum, Freizeit- und Sportanlagen, eine Marina und ein Spielkasino entstehen – das größte urbane Entwicklungsprojekt Europas.

Das Ellinikon-Projekt wartet mit einigen Superlativen auf: 2,6 Millionen Quadratmeter Grün, der weltweit ausgedehnteste Park am Meer, gesäumt von einem Kilometer Sandstrand. Eines der größten Aquarien Europas. Griechenlands größte Mall. Und einer der höchsten Wohntürme am Mittelmeer, 200 Meter soll er aufragen. Punkten kann Ellinikon auch mit günstigen Verkehrsanbindungen: Mit der schon fertigen U-Bahn erreicht man in weniger als 20 Minuten das Stadtzentrum. Die sechsspurige Schnellstraße, die den früheren Airport noch vom Meer trennt, soll in einem Tunnel verschwinden. Damit gelangen künftige Besucher und Bewohner durch den Park direkt ans Meer. Athanasiou erwartet, dass mit dem Projekt 75.000 Arbeitsplätze entstehen. „Unsere Studien sagen, dass Ellinikon eine Million zusätzliche Touristen pro Jahr anziehen und fast 2,5 Prozent zum griechischen Bruttoinlandsprodukt beisteuern wird“.

2011 wurde die Entwicklung des Areals ausgeschrieben. 2014 erhielt das von Lamda geführte Konsortium den Zuschlag. Aber mit dem Wahlsieg des Linksbündnisses Syriza 2015 verzögerte sich das Vorhaben. Schon als Oppositionsführer hatte Alexis Tsipras das Ellinikon-Projekt, wie alle Privatisierungen, erbittert bekämpft. Resigniert bezeichnete ein ranghoher EU-Beamter im vergangenen Oktober das Ellinikon-Projekt als „Symbol des Missmanagements und der Verzögerungen“. Damals stand das Vorhaben auf der Kippe. Erst nachdem die internationalen Kreditgeber Druck machten, gab die Regierung nach.

„Wir sind positiv überrascht“, sagt Lamda-Chef Athanasiou. Auch Premier Tsipras muss ein Interesse daran haben, dass es nun zügig losgeht. Mit der Übergabe des Geländes an den Investor, die bis zum Sommer stattfinden soll, wird die erste Rate des Kaufpreises fällig: 300 Millionen Euro, die der griechische Finanzminister im Haushalt 2018 bereits fest eingeplant hat.

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