Kultur Südpfalz Zwischen dem Alten und Neuen

Es ist schon ein Knüller, dass es der kleinen Galerie Z in Landau gelang, das Werk des schon zu Lebzeiten zur Lichtgestalt gewordenen Künstlers Otto Piene noch im Nachklang zu seinem 85. Geburtstag in der Südpfalz zu präsentieren.

Gerade erhielt der Mitbegründer der Gruppe Zero, Protagonist der Licht- und Feuerkunst und Aktionist der Sky Art in Celle den erstmals verliehenen Lichtkunstpreis. Im Jahresreigen folgen Ausstellungen im Guggenheim Museum New York, der Langen Foundation in Neuss sowie der Neuen Nationalgalerie und Deutschen Bank Kunsthalle Berlin.

„Heißes Eisen“ lautet der Titel des Werbeplakats für diese kleine, aber durchaus repräsentative und viele Unikate bietende Ausstellung im Frank Loebschen Haus. Dass sich der Titel in einer Serigrafie und einem Unikat (Feuergouache) aus dem Jahr 2013 wiederfindet ist symptomatisch für Vieles: Der schwarz-rot-goldene, sich gen Himmel aufbauschende, geflammte Farbbogen in verschiedener Ausgestaltung zeigt zuallererst, dass der betagte Künstler, dessen Leben 1928 in Laasphe/Westfalen begann und den es 1964 nach Amerika verschlug, auch heute noch produktiv und intuitiv ist. Dass er den Bogen zwischen alter und neuer Welt noch immer gedanklich schlägt, dabei politisch denkt und für seine Themen im wahrsten Sinne des Wortes Feuer fängt. Ein „heißes Eisen“ in Form eines gewagten Ausstellungsobjektes ist die Arbeit freilich genauso wenig wie die Präsentation des vielfach geehrten, hochdekorierten Künstlers selbst. Dessen Stunde Null schlug nach Kunststudien in München und Köln, einer Dozentur an der Modeschule Düsseldorf und einem Philosophiestudium exakt im Jahr 1957, als er mit Heinz Mack die Gruppe Zero gründete – mit dem Ziel, alles Düstere und Überfrachtete der braunen Nazizeit abzuschütteln und der Kunst eine klare und wahre Freifläche für Licht und Luft zu schenken. „Zero ist die unmessbare Zone, in der ein alter Zustand in einen unbekannten neuen übergeht“, hatte Piene einst gesagt. Die Reduktion auf das Wesentliche und die Auseinandersetzung mit den irdischen Elementen und himmlischen Lichtwelten, die er, der 1972 nach New York übersiedelte, als Gastprofessor, später Leiter des Massachusetts Institute of Technology (MIT) Cambridge, zu immer neuen Experimenten und himmelstürmenden Aktionen ausweitete, führte zu einer Versöhnung der Technik mit der Natur, und zu einem Lebenswerk, das bei aller energetischen Kraft und virulenten Dynamik in sich ruht.

Pienes leuchtende, farbintensive Arbeiten strömen lyrische Schönheit, glutvolle Leidenschaft und verinnerlichten Optimismus aus und verweisen sowohl in ihrer technischen Vielfalt als auch in ihrer seriellen Vervielfältigung spürbar auf eine einzige schöpferische Quelle. Wer sich Pienes Werk nähert, wird die Lichtkraft spüren. Manchmal kühl, fast steril und klar, wie bei den Porzellanwirbeln (2013), manchmal Laserstrahl-gleißend und scharf wie beim „Blue Streak“ (1980), dann wieder magisch lebendig und umfassend warm, wie im Säulensaal, umgeben von Serigrafien zu „Addis Abeba“ (1972). Auch die Feuergouachen mit der Zielscheibe ähnlichen Mitte (2001) entstanden aus einer Serigrafie, die Piene allerdings zu neuen Taten reizte. So hat er die Blätter flammend zum Konzentrat und zur Zentrifuge, zum dunklen Diskus und zum blauen Taucher transformiert und ihre Metamorphose zu Unikaten handschriftlich dokumentiert. Licht- und Schattenspiele sind das Herzstück seiner Arbeiten. Dass sie auch in Graphitzeichnungen Wirkung zeigen, ist wenig bekannt. Umso aufschlussreicher sind die großformatigen Unikate der Menschenbilder (meist Paare) aus den 1970ern, die einen Schwerpunkt der Ausstellung in der Galerie Z bilden.

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