Karlsruhe ZKM zeigt Ausstellung zum Völkermord an Jesiden

Das Foto aus der Ausstellung zeigt, wie jesidische Kinder vor dem IS auf den Berg Sinjar fliehen.
Das Foto aus der Ausstellung zeigt, wie jesidische Kinder vor dem IS auf den Berg Sinjar fliehen.
Sacharow-Preisträgerin Lamiya Aji Bashar
Sacharow-Preisträgerin Lamiya Aji Bashar

Sie ermöglicht schockierende Einblicke: Mit einer 3-D-Brille können Besucher im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) derzeit ein Massaker nacherleben. Das Gerät ist Kern einer Wanderausstellung zum Völkermord des IS an Jesiden 2014 im Nordirak.

Über die Virtual-Reality-Brille erlebt der Besucher einen Film, in dem er selbst im Zentrum steht. So sieht er den Völkermord aus drei Perspektiven: der eines IS-Kämpfers, der einer gefangenen Frau und der eines überlebenden Mannes. Die Szenen aus Tätersicht wurden aus verschiedenen Filmen, die der IS in soziale Netzwerke gestellt hatte, zu einer Sequenz zusammengeschnitten.

Die Ausstellung mit dem Titel „Nobody’s Listening“, die bis 9. Januar 2022 im ZKM zu sehen ist, will den Opfern eine Stimme geben, sagt ZKM-Chef-Kurator Philipp Ziegler. Bei dem Massaker am 3. August 2014 wurden laut den Vereinten Nationen bis zu 5000 Jesiden ermordet, zwischen 6470 und 7000 Frauen und Kinder entführt, 400.000 aus ihrer Heimat vertrieben. Etwa 3000 Jesiden werden Ziegler zufolge bis heute vermisst.

Aufarbeitung des Grauens durch Kunst

Sieben Jahre später daure der Völkermord immer noch an, mahnt die geflüchtete Hala Safil Amo, die mit ihrem Porträt der Ausstellung ein Gesicht gibt. Die jesidische Aktivistin kämpft dafür, dass das Massaker von 2014 international als Völkermord anerkannt wird und die IS-Kämpfer zur Rechenschaft gezogen werden.

Zu sehen sind im ZKM auch Fotografien, Gemälden, Liedtexte und Gedichte, in denen 19 jesidische Künstlerinnen und Künstler das Leid festgehalten haben. Zu sehen sind Frauen ohne Gesicht, gedemütigt und traumatisiert durch Vergewaltigung, Versklavung und Verkauf. Andere Bilder zeigen das friedliche Leben der jesidischen Volksgruppe vor dem Völkermord. Immer wieder suchen die Künstler einen Ausdruck für die Falle, in der die ethnisch-religiöse Minderheit beim IS-Überfall saß.

Die Kraft der Kunst schaffe eine Aufarbeitung des Genozids, sagte Vian Khalaf Darwisch von der Organisation Yazda, welche religiöse und ethnische Minderheiten, unter anderem im Irak und Syrien, unterstützt. Die Aktivistin hat die Massaker 2014 selbst miterlebt und lebt heute wieder im Irak. An der Wanderausstellung haben unter anderen Yazda, die Gesellschaft für bedrohte Völker und das Institut für transkulturelle Gesundheitsforschung der Dualen Hochschule Baden-Württemberg mitgewirkt.

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