Bad Bergzabern
Wolfgang Krebs und der Traum vom Königreich Bayern
Drei Ministerpräsidenten hat Krebs von 1993 bis heute erlebt. Und er nahm sie vor 150 Zuschauern alle auf die Schippe: den schnoddrigen Edmund Stoiber, den coolen Horst Seehofer und den ein wenig zum Größenwahn neigenden Markus Söder. Dessen Stellvertreter Hubert Aiwanger kam ebenfalls nicht ungeschoren davon.
Um sie alle unter einen Hut zu bringen, hat sich Krebs eine Art Märchen ausgedacht, in dem die Protagonisten davon träumen, Bayern wieder zu alter Stärke zurückzuführen und von einem Freistaat in ein Königreich zu verwandeln. Oberster Monarch dabei, zumindest nach seiner eigenen Auffassung, kann nur Markus Söder werden: König Markus I..
Das Tempo erforderte Aufmerksamkeit
Bei Krebs folgte ein Witz auf den anderen – das kam an. Gleichzeitig machte das Tempo es dem Publikum nicht immer leicht, alles Gehörte schnell zu verarbeiten. Besonders beim hektischen Stoiber-Gestottere war höchste Aufmerksamkeit gefordert. Die einzigen Verschnaufpausen die sich den Zuhörern boten waren die kurzen Augenblicke, in denen Krebs seine Verkleidungen wechselte. Von dem Münchener zu irgendwelchen Interaktionen animiert zu werden, das musste niemand im Saal fürchten. Das hatte er seinen Gästen schon zu Beginn versprochen.
Krebs begrüßte sein Pfälzer Publikum zunächst als Stoiber mit einer kurzen Lobrede auf die schöne Gegend in der Südpfalz. Besonders die Nähe zur tschechischen Grenze habe was für sich, sagte er und meinte natürlich die französische – Krebs ist es eben noch nicht gewohnt hier aufzutreten und spulte in dem Moment versehentlich das ab, was er von hunderten von Auftritten in seiner Heimat gewohnt ist.
Der Hang zum Populismus
Es sollte an diesem Abend sein einziger kleiner Faux Pas bleiben. Ansonsten zeigte sich der ehemalige Postbote sehr textsicher, was besonders bei gespielten Stoiber-Reden mit ihren vielen Wortspielereien nicht einfach ist. Da werden aus Steuergeldern schon mal schnell Stoibergelder. Besonders, wenn man den Länderfinanzausgleich unter die Lupe nimmt, kommen schnell mal ein paar Milliarden zusammen. Schuld an dem Schlamassel ist hauptsächlich die FDP, lässt Krebs Stoiber sagen. Kein Wunder, was soll auch schon dabei herauskommen, wenn sich eine Partei den Namen „Für Die Preußen“ gibt?
Bei Markus Söder nahm Krebs dessen Vorliebe für Populismus auf die Schippe. Dieser behaupte einfach irgendetwas in den sozialen Medien, stelle ein Bild von sich dazu, und schon werde über ihn gesprochen – was ihm natürlich außerordentlich gut tue. Als Beispiel nannte der Kabarettist einen Besuch im Tierheim: Der Kommentar zum Foto: „Ich hab dich zum fressen gern – Hot Dog“.
Versöhnlicher Schluss
Hubert Aiwanger, den „Hubsi“, ließ Krebs eine Rede zum Thema „Populismus für Anfänger“ halten. Es genüge schon zu behaupten, dass aufgrund der Steuern die in Deutschland erhoben werden, von einem vom Opa geerbten Bauernhof letztlich nur noch dessen verschissene Unterhose übrig bliebe. Dazu die Aussage „Grün muss man sich leisten können“ – und schon ist man in aller Munde.
Horst Seehofer ließ Krebs vom Treffen mit Robert Habeck erzählen. Und Habeck hatte einen Tipp zum Energiesparen: Wer zehn Steckdosen zu Hause habe und drei davon nicht benutzt, hätte schon 30 Prozent Energie gespart.
Die Vision vom Königreich Bayern scheint letztlich doch in weiter Ferne. Bei aller guter Laune, die Krebs ebenso angenehm wie professionell verbreitete, kam er zum Ende der Vorstellung noch zu einem ernsten Schluss. Wenn Menschen sich persönlich miteinander unterhalten und diskutieren, statt nur auf unbewiesene ketzerische Aussagen im Internet zu vertrauen, ließe sich manches bedeutend einfacher in den Griff kriegen und friedlicher gestalten.