Rheinpfalz Wie man dem Datenhunger entkommt

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Mit Android liefert man sich Google aus, heißt es. Nicht ganz, meinen Experten. Man kann etwas für seine Privatsphäre tun.

Mit dem Smartphone und dem Betriebssystem Android – Marktanteil in Deutschland rund 70 Prozent – wird der Nutzer Kunde von Google. Es läuft sein Programm und daran docken die Google-Dienste an: der Play-Store für die Apps, die Suchmaschine, G-Mail und so weiter. Handy-Hersteller wie Samsung, HTC, LG oder Sony setzen noch ihre Software drauf, „und wenn′s hart kommt, packt auch der Provider noch seine Dienste dazu“, erklärt Stefan Leibfarth vom Chaos Computer Club Stuttgart. Dabei wird gegen zwei Grundregeln des Datenschutzes verstoßen: auf das Sammeln und Speichern nicht benötigter Daten zu verzichten und Daten sparsam zu erheben. Um die Kunden davon abzulenken, macht man es ihnen komfortabel. Bei der Synchronisierung kann man Telefonnummern und Adressen vom alten aufs neue Handy in Windeseile übertragen. Der Nutzer braucht sich nur in sein Google-Konto einzuloggen, der Rest passiert von selbst. Ähnlich die Backup-Funktion: Einmal angeklickt, saugt Google alles vom Handy in die Cloud. Leibfarth sieht das kritisch: „Ich will aber gar nicht, dass Google mein Wlan-Password weiß.“ Was Google und andere App-Anbieter mit den Daten machen, weiß keiner. Zwar beschäftigt sich eine gar nicht so kleine Programmiererszene damit, Google vom Handy zu putzen. Da Android eine freie Software ist, gibt es etliche Varianten. Doch ist das nichts für den Normalverbraucher. „Ich rate davon ab, etwa ein Smartphone zu rooten. Im schlimmsten Fall funktioniert das Gerät nicht mehr“, warnt Leibfarth. Der Datenhunger von Google und anderen Apps lässt sich allerdings zügeln. Man solle sich die Google-Einstellungen im Smartphone genau anschauen, empfiehlt der Tübinger Sicherheitsexperte Sebastian Schreiber. Dort lässt sich über Ein-Aus-Schaltflächen festlegen, welche Daten erhoben werden und was synchronisiert wird. „Nicht verwendete Dienste, zum Beispiel Google Drive, können deaktiviert werden. Eine vollständige Deinstallation ist nicht möglich“, sagt Schreiber. Prinzipiell könne ein Gerät auch ohne Google und Play-Store betrieben werden. Doch dann fehlten viele nützliche Apps, die das Smartphone zum Alleskönner machen. Apps unbekannter Herkunft sind für beide Computerexperten tabu. Das entsprechende Kästchen in den Einstellungen sollte daher leer bleiben. Bei den Berechtigungen für die einzelnen Apps lässt Android den Nutzer allerdings im Regen stehen. Es gilt: Friss oder stirb – beim Installieren kann man nur zustimmen oder man bekommt die App nicht. Schreiber ist Purist: „Apps, die Rechte anfordern, bei denen nicht ersichtlich ist, wofür sie gebraucht werden, nicht installieren.“ Und: „Warum sollte eine Taschenlampen-App Zugriff auf das Adressbuch und das Internet haben?“ Oft kann man aber nachträglich die Rechte wieder einschränken. In der Androidversion 4.3 gab es beispielsweise einen versteckten Apps-Manager, der Zugriffsrechte steuern half. Ab Version 4.4 ist der wieder verschwunden. Doch man kann auch einfach mal das GPS ausschalten oder eine überflüssige App deaktivieren. Leibfarth empfiehlt zudem, die Apps von Google, Whatsapp oder Facebook durch Alternativen zu ersetzen – die Android-Suchmaschine und Google-Chrome durch Firefox, G-Mail durch K-9 Mail, Whatsapp durch TextSecure, Dropbox durch ownCloud. Das sind alles freie Programme. Auch den Datenhunger von Twitter und Facebook kann man zähmen, und zwar mit der App Tinfoil: Die legt sich wie ein Mäntelchen um die Originalapp. Das kostet freilich ein wenig Zeit: Freie, alternative Apps sind manchmal nicht so komfortabel wie das Original. Und Platzhirschen wie Whatsapp und Facebook kann man nicht entgehen, wenn die Freunde darauf schwören: dabei oder raus.

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