Kultur Südpfalz Wenn Schönheit und Ausdruck sich verbinden

Mit einer eindrucksvollen und zwingenden Wiedergabe des Deutschen Requiems von Johannes Brahms gastierte Palatina-Klassik in der Landauer Marienkirche. Leo Kraemer dirigierte Chor und Orchester des Konservatoriums aus Kasan in Russland sowie das Palatina-Klassik-Vokalensemble und den Philharmonischen Chor an der Saar.

Erst vor weniger Wochen war sein Nachfolger im Amt des Domkapellmeisters mit einem anderen großen Werk der protestantischen Musik des 19. Jahrhunderts, Mendelssohns „Elias“, im zweitgrößten Gotteshaus des Bistums Speyer zu Gast gewesen. Nun also Brahms in der frisch renovierten Marienkirche, die natürlich einen sehr stimmungsvollen Rahmen bot. Schon der Beginn des ersten Teil in sehr ruhigem Zeitmaß machte spürbar, mit wie viel Aura und innerer Bewegung hier Brahms’ Musik erklingen würde. Ein Erlebnis war gleich darauf der Choreinsatz, bei dem zunächst nur der Chor aus Kasan sang: schwerelos und licht, aber dennoch warm und schön im Klang tönte das „Selig“. Bald auch im Tutti aller Stimmen war das eine große Tugend der Aufführung: die gelungene Verbindung von Transparenz und Fülle im Chorklang, von ebenmäßiger Stimmführung und Wohllaut. In der Artikulation war Leo Kraemer sehr auf eine sprechende und differenzierte Ausarbeitung der Gesangs- und Instrumentalstimmen bedacht, was der Wiedergabe klare Konturen und rhetorische Überzeugungskraft vermittelte. Zudem wusste der Dirigent alle Höhepunkte und wesentlichen Schnittstellen der Partitur hochintensiv und optimal auszuformen und damit zu nachhaltiger Wirkung zu bringen. Leo Kraemers Vertrautheit mit dem Werk und seine Gestaltungskunst trugen ebenso reife Früchte wie seine Begeisterungsfähigkeit, die seine gestandenen Ensembles und die jungen Musiker aus Russland zu einem in jedem Takt von packendem Ausdruck erfüllten Singen und Spielen motivierten. Erstaunlich war die große Flexibilität und Biegsamkeit der Chor- und Instrumentalgemeinschaft in vielen feinen dynamischen und agogischen Details. Auch das war faszinierend: Leo Kraemers Deutung hatte trotz einiger getragener Passagen einen stringenten Zug, war völlig unsentimental, aber in vielen Momenten sehr beweglich und geschmeidig. Versierte Solisten waren Talia Or mit ausdrucksvoll modellierten Gesangslinien und Vinzenz Haab mit markanter und sinnfälliger Diktion Das Konzert stand unter dem Patronat der Landauer Mäzenin Resel Frühmesser, die nicht zuletzt junge Musiker aus Russland engagiert gefördert hat. Ovationen im Stehen in der gut besuchten Kirche waren der Dank des Publikums an alle Ausführenden des großartigen Konzerts.

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