Kultur Südpfalz Wahrer Nonsens

Comedian Johann König, fernsehbekannt als depressiver Weltverbesserer aus Köln, langweilte sich am Freitagabend zweieinhalb Stunden lang auf der Festhallenbühne. Er gähnte, lümmelte auf′m Kuschelsitz rum, versuchte mit seinen Stolper-stammel-haspel-Sätzen Zeit rauszuschinden und wollte sein Publikum im beinahe knallvollen Saal auch nicht über Gebühr beanspruchen.
Deshalb hatte der Comedian ein feines, kleines Apparätchen mitgebracht, auf dem er „Appläuse“ in unterschiedlichen Lautstärken programmiert hatte. Hätte ja sein können, dass die Landauer Schnarchnasen seine trägen Witztiraden nicht verstehen würden. So war es aber nicht! Die Zuschauer passten gut auf, lachten und klatschten an den richtigen Stellen und zeigten sich höchst begeistert von dem lahmen Temperament Königs, dessen Programm den Titel „Feuer im Haus ist teuer, geh raus“ trägt. So ein Comedian ist doch eigentlich fein raus. Er darf sagen, was ihm gerade so in den Sinn kommt, selbst wenn es Unsinn ist. Komischerweise liebt ihn das Publikum dafür umso mehr. So war es auch in der Festhalle. Der Entertainer – blaues Hemd, hellbraune Cordhose – berichtete von seinem gemütlichen Alltag zu Hause. Dort, war zu hören, sitzt er schon morgens am Fenster und freut sich diebisch über die Deppen, die zur Arbeit hasten. Manchmal halte er dann ein Pappschild mit einer Botschaft aus dem Fenster: „Eure Arbeit die macht Sinn, ich leg mich gleich wieder hin.“ Treibt es den König hin und wieder aus dem Haus, dann meistens in den Biosupermarkt, wo er explizit auf fair gehandelte Lebensmittelprodukte achtet. Anhand eines krummen Beispiels erklärt der Kabarettist seinen Zuhörern, weltwirtschaftliche Zusammenhänge. Bananen etwa, die König kauft, benötigen „eine vom Kapitän des Frachtschiffes unterzeichnete und vom Smutje beglaubigte Bescheinigung, dass die Kinder auf den Plantagen ordentlich bezahlt werden“. Und „im Gegenzug erhält der Plantagenaufseher ein Gewehr, um die Kinder in Schach zu halten“. So etwas hören zu müssen, ist natürlich ganz furchtbar, aber als der Herr König die Anekdote erzählte, lachte sich das Publikum schlapp. Es wieherte auch, als der Comedian von dem Kind erzählte, das von einem Mann gefragt wurde: „Sag mal, bist du nicht der Sohn vom Ziegenhirt?“ und der Kleine meckerte: „Nähähähähähä.“ Meine Güte Landau, staunte König, „wen das euer Humor ist, dann muss ich das ganze Programm umschreiben.“ Total witzige Unterhaltung bot der Mann, der von sich behauptete, „ich schwinge die perfekte Pointenpeitsche“, als er von seinem Hobby erzählte, Kinderkassetten aus den 80er-Jahren anzuhören und den damaligen Zeitgeist zu analysieren, der sich in der Sprache verberge. Als Beweise spielte er Sequenzen aus verschiedenen Folgen von TKKG und Fünf Freunde vor. „Wenn Sie Widerstand leisten, hau ich Ihnen eine rein“, war beispielsweise die unmissverständliche Ansage von Tarzan aus TKKG, „dem Anführer einer gewaltbereiten Jugendbande“. Oder: „Das haut den stärksten Neger aus der Weltraumkapsel.“ Wenn man weiß, dass Vorurteile stimmen, resümierte König, „dann regt man sich nicht mehr auf“. Was hat er noch gemacht am Freitagabend in der Festhalle? Getanzt, gesungen, Keyboard gespielt, sein Publikum bei Laune gehalten, das ihn begeistert beklatschte. (ovi)