Rheinpfalz Tierknochen, Tonscherben und eine neue Theorie
«Hassloch.» Die Lehrgrabung der Universität Heidelberg hinter der Kindertagesstätte „Kleine Freunde“ in Haßloch ist vorbei. Ein spektakulärer Fund wie das Skelett vor zwei Jahren ist ausgeblieben. Aber eine neue Theorie hinzugekommen.
Grabungsleiter Carsten Casselmann von der Universität Heidelberg blickt zufrieden in den bewölkten Himmel. „Es ist ideales Grabungswetter“, stellt er an einem der letzten Arbeitstage in Haßloch zufrieden fest. „Wenn es jetzt wieder viele Wochen trocken gewesen wäre, dann hätten wir mit schwerem Gerät wie Spitzhacken arbeiten müssen. Dass es vor Kurzem geregnet hat, erleichtert die Arbeit.“ Casselmann hat eine etwa 20 auf 20 Meter große Fläche rund einen halben Meter tief ausheben lassen. Daneben sind auf einem Ständer die Karten der bekannten Fundorte der bisherigen Pfosten sowie die vermutete Lage zweier Häuser verzeichnet. Sie stammen aus der bandkeramischen Kultur, die vor rund 7000 Jahren das hiesige Gebiet, aber auch andere Orte in der Vorderpfalz bewohnt hat. „Wir wissen eigentlich recht wenig über diese Menschen“, sagt Casselmann. Immerhin habe es sich um die ersten Europäer gehandelt: „Ihre Ansiedlungen sind in Mittel- und Osteuropa gefunden worden. Sie sind das erste Volk, das wir flächendeckend nachweisen können.“. Eine Fläche von zehn auf zehn Meter, der in vier gleichgroße quadratische Flächen unterteilt wurde, hat es den jungen Archäologen besonders angetan. „Wir haben ja nur fünf Wochen für die Lehrgrabung. Da können wir leider nicht alles unter die Lupe nehmen“, erklärt Casselmann weiter. In einem Bereich haben seine Studenten bereits ein kleines Loch ausgehoben. Gut zu sehen sind hier verschiedene dunkle Stellen. Hier standen einst die Holzpfosten, die dem Holzhaus aus der Steinzeit seinen Halt verliehen. Das Holz ist inzwischen längst verrottet, aber der zurückgebliebene Kohlenstoff verleiht dem Boden die typische dunkle Einfärbung. Zehn Studenten, drei Grabungshelfer und Casselmann sind seit fünf Wochen dabei, das Areal zu untersuchen. Ihre Ausbeute sind neben einigen „angekauten“ Tierknochen vor allem viele Tonscherben, die jene Linien und Muster aufweisen, die der bandkeramischen Kultur den Namen gegeben haben. Auf die Frage, ob er einen spektakulären Fund erwarte wie vor zwei Jahren, als seine Studenten ein menschliches Skelett fanden, muss Casselmann lachen: „Ich hoffe nicht.“ Dem verwunderten Blick der Zuhörer folgt gleich die Erklärung: „Wir sind jetzt in der letzten Woche. Da hätten wir gar keine Zeit, um uns der sorgfältigen Ausgrabung zu widmen.“ Dennoch ist der Grabungsleiter zufrieden. „Die Studenten haben hier viel gelernt. Beispielsweise, wie schwierig es in diesem Boden ist, die Funde zu erkennen.“ Das sei an anderen Grabungsstätten viel einfacher. Aber eine neue Theorie nehmen die Forscher mit nach Heidelberg. Denn in der kleinen Grube haben sie mehrere Spuren der ehemaligen Holzpfosten gefunden. Und diese befinden sich teils in verschiedenen Höhen und sind viel zahlreicher als erwartet. „Bisher sind wir davon ausgegangen, dass zwei Häuser in zeitlicher Abfolge an diesem Ort gestanden haben könnten“, verweist Casselmann auf die Skizzen der bisherigen Ausgrabungen. Und dann wagt er sich ein wenig aus der wissenschaftlichen Deckung: „Es könnte sein, dass an dieser Stelle drei Häuser gestanden haben“, lautet seine Theorie. Aber die könne nur von weiteren Ausgrabungen untermauert werden. Möglicherweise in zwei Jahren, wenn die Heidelberger Archäologen wieder ins Großdorf kommen.