Wörth Tiefgründiges und Explosives beim Kunstverein Wörth
Erst seit vergangenem Jahr gehört Christina Rasimus aus Bellheim dem Kunstverein an. Sie fotografiert seit 2017 intensiv, wie sie im Vorfeld der Ausstellung der RHEINPFALZ erzählt: „Ich stamme aus einer Künstlerfamilie und würde mich als Autodidaktin bezeichnen.“ Mit ihrer Kamera fängt sie Motive aus der Natur ein, wie eine „Wasserspiegelung“ oder „Treibholz“. Ihr Blick verharrt dabei jedoch nicht auf dem großen Ganzen, sondern geht tiefer, schält die Feinheiten, die Details, das Besondere heraus. Mit dem Ziel, beim Betrachter den Sinn für die Realität zu schärfen, für die wahre Welt außerhalb der digitalen Blase.
Fantasie wird angeregt
Zu einem rätselhaften, dreidimensionalen Erlebnis verhilft die Bildhauerin Petra Roquette aus Maximiliansau dem Betrachter. „Meduse“ nennt sie ihr Holz-Objekt, das in seinem ersten Leben die Wurzel eines Apfelbaums in Nachbars Garten war. „Ich habe die Wurzel, als der Baum gefällt wurde, ausgegraben und danach in meinem Atelier hauptsächlich mit ,Eisen’, also mit Feilen, bearbeitet“, teilt Roquette mit. Die „Äste“ im Herzen der Wurzel schwärzte die Künstlerin, der äußere Kranz wurde ganz leicht weißlich gefärbt, was den Eindruck, ein Fantasiewesen zu sehen, noch verstärkt.
Überwiegend abstrakte Malerei zeigen mehrere Künstlerinnen aus der Südpfalz bei der Ausstellung. Dazu gehört Christel Baldes aus Wörth mit ihrer im kühlen Nebel angedeuteten „Stadt im Eis“ oder ihrem „Marschland“. „Eiszeit“ nennt Christa Klöfer (Wörth) ihre wunderbar harmonischen Farbkompositionen, mit warmen, explosiven Farben empfindet Elke Blankart-Laub (Kandel) die Stimmung eines „Sommerlichen Gewitters“ nach.
Klasse Zeichner und Ex-Streetart-Künstler
Andreas Hella, der künstlerisch in ganz unterschiedlichen Techniken bewandert ist, wie etwa in der Malerei und in der Street-Art oder Graffiti-Kunst, zeigt sich in Wörth von seiner eher leiseren Seite. Gezeichnete Porträts mit dem Titel „Verwurzelte Gedanken“ und sein Akt „Begehren verboten“ zeigen seine Klasse als Zeichner. Thomas Kempf (Wörth) und Alexander Weber (Maximiliansau) kommen von der Straßenkunst und haben sich mittlerweile auch mit der Leinwand und dem „kleinen“ Format angefreundet. Airbrush-Marker, Acryltinte und die Spraydose sind nach wie vor ihr Werkzeug, um Gedanken und Ideen in sichtbare Motive umzusetzen. Gutes Beispiel dafür ist „Roter Kristall“ von Weber oder „Ein Tag am Pier“ von Kempf.
Als zweiter Bildhauer neben Roquette sind von Emil Mile Raum-greifende „Windflüsterer“ in rostigem Stahl zu bestaunen. Außerdem stellen aus: Anke Sommer, Ludmilla Nunnenmann, Monika Linard, Michael Knoll, Oszkar Vendel Pinter, Dennis Stansfield, Pia Pfirrmann, Renata Rychter und Michael Melchers.
Info
Vernissage am Freitag, 15. März, 20 Uhr; Finissage am Sonntag, 14. April, 15 Uhr; Öffnungszeiten: donnerstags 16 bis 18 Uhr, sonntags 14 bis 18 Uhr; Wörth, Ludwigstraße 1, städtische Galerie „Altes Rathaus“