Rheinpfalz Stelldichein der Bürgerwehr abgesagt

LUDWIGSHAFEN/FRANKENTHAL (häm). Die Vorderpfälzer Internet-Bürgerwehren haben auf die Berichterstattung der RHEINPFALZ reagiert: Die Frankenthaler Gruppe hat sich bei Facebook jetzt abgeschottet, die Ludwigshafener ihr erstes Treffen abgesagt. Deren Stelldichein hätte laut Einladung heute im Bistro der Katzenberger-Mutter Iris Klein stattfinden sollen. Die Wirtin selbst kann sich das nach eigenen Angaben nicht erklären.

Nüchtern solle bitteschön sein, wer zum ersten Kennenlern-Treffen der Bürgerwehr für Ludwigshafen und Mannheim geht. So lasen es mehr als 1500 Menschen, die sich innerhalb weniger Wochen der Facebook-Gruppe „Lu/Ma passt auf“ angeschlossen hatten. Etwa 50 von ihnen hatten sich für das Stelldichein auch schon angekündigt, heute um 17 Uhr sollten sie laut Einladung ins Oggersheimer Bistro „Friends“ kommen. Dessen Wirtin Iris Klein hat sich längst nicht nur als Mutter der Ludwigshafener Kult-Blondine Daniela Katzenberger einen Namen gemacht. Die 48-Jährige hat vor laufenden Kameras schon Schlager gesungen, im Dschungel gecampt und sich einer Schönheitsoperation unterzogen. Als „Bürgerwehr-Wirtin“ allerdings will sie nicht abstempeln lassen: Ihr Anwalt werde jeden verklagen, der damit „meinen Namen in den Dreck zieht“, sagt sie auf Anfrage. Immerhin hat die Facebook-Gruppe altbekannte NPD-Kader angezogen. Außerdem tummeln sich dort auffällig viele Menschen, die schon in T-Shirts der Hooligan-Gruppe „Berserker Pforzheim“ gesehen wurden. Wieso sich solche Menschen ausgerechnet in ihrer Gaststätte treffen wollten, kann sich Klein nach eigenen Angaben nicht erklären: Eine entsprechende Reservierung habe es nie gegeben. Mittlerweile allerdings hat ein Ludwigshafener in der Bürgerwehr-Facebook-Gruppe ohnehin verkündet, dass das Treffen leider ausfallen müsse. Ein nicht näher benannter „Betreiber“ habe es abgesagt, weil die Polizei auf der Suche nach dem Veranstaltungsort sei und nun seine „öffentliche Hinrichtung durch unsere Mediengesellschaft“ drohe. Zuvor hatte die RHEINPFALZ erstmals über die Gruppe und ihre internen Debatten berichtet, was einige ihrer Mitglieder ebenso überraschte wie empörte. „Findet den Verräter“, forderte einer der Administratoren. Verstört reagierten auf die Berichterstattung auch Mitglieder der Frankenthaler Bürgerwehr-Gruppe. Sie allerdings hatten ihren Internet-Austausch ohnehin öffentlich geführt. Allgemein einsehbar war auch die Meldung über einen ersten Kontrollgang mit etwa zwölf Personen am vergangen Sonntag. Die Frankenthaler Polizei wertet diesen Aufmarsch als geplante, aber nicht angemeldete Veranstaltung. Deshalb hat sie den Organisator angezeigt und ihn außerdem für eine „Gefährderansprache“ aufgesucht. Der Mann hat daraufhin die Leitung seiner Facebook-Gruppe abgegeben. Einer seiner Mitstreiterinnen droht ebenfalls juristischer Ärger: Die Bobenheim-Roxheimerin hatte einen vulgär formulierten Diskussionsbeitrag veröffentlicht, in dem sie Flüchtlingen eine Vorliebe für Geschlechtsverkehr mit Lasttieren unterstellte. Mittlerweile können bei den Frankenthalern nur noch Gruppenmitglieder mitlesen. Und die Gruppe für Ludwigshafen und Mannheim hat sich weiter abgeschottet: Sie ist für Außenstehende gar nicht mehr sichtbar, finden können sie nur noch ihre Mitglieder. Zu denen gehörte zeitweise auch eine Person, die sich unter Iris Kleins Namen und mit ihrem Foto empörte: Die „dummen Deutschen“ müssten „immer schön das Maul halten“. Als Frau müsse man sich vergewaltigen lassen und dabei lächeln, sonst gelte man „als Nazi“. Über ein Iris-Klein-Profil wurden bei der Bürgerwehr auch neue Mitglieder angemeldet. Doch selbst das beweise keine Verbindung zwischen ihr und der Facebook-Gruppe, beteuert die 48-Jährige. „Tagtäglich werde ich 50 Gruppen zugefügt“, sagt sie. „Um mein Profil kümmere ich mich auch gar nicht selbst, das macht eine Freundin.“ Und: Heute hätte sie gar keinen Platz für 50 Mann gehabt. Denn statt bitteschön nüchtern angetretener Bürgerwehr-Anhänger treffe sich bei ihr heute Abend der Cocktail-Schlürferinnen-Stammtisch.

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