Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtmitte Kaiserslautern: Am Donnerstagabend rollt es wieder

Die letzten Markierungsarbeiten, hier in der Martin-Luther-Straße.
Die letzten Markierungsarbeiten, hier in der Martin-Luther-Straße.

Endspurt auf der Baustelle Stadtmitte: Am Donnerstagabend wird die Straße für den Verkehr freigegeben. Ein besonderes Bonbon hat die Stadt zwischen Burgstraße und Rathaus.

Es herrscht eine gespannte Vorfreude, fast eine fiebrige Stimmung zwischen Fruchthalle, Rathaus und Altstadt: So viele Arbeiter wie bisher selten sind auf der Baustelle dabei, die Stadtmitte, das Großprojekt Kaiserslautern, nach fast vier Jahren endlich fertigzustellen. „20 bis 25 Personen arbeiten jetzt teils hier, oft zehn Stunden pro Tag, von Montag bis Samstag“, erzählt Sebastian Staab, Leiter des Tiefbaureferats. Und Projektleiter Jörg Riedinger ergänzt: „Das Telefon steht nicht still, die Mails prasseln unaufhörlich rein ...“

Ständig von allen Seiten gerufen wird auch Polier Frank Neumayer, seit Anfang an bei dem Großprojekt dabei. „Seine Uhr zeigt einen Puls von 172. Der ist so richtig im Stress. Und hat immer noch ein Lächeln im Gesicht“, meint Riedinger bewundernd. Kaum ausgesprochen, steht Neumayer neben dem Grüppchen. „206 Überstunden habe ich in den letzten drei Wochen gemacht“, berichtet er. Auf seine Laufleistung angesprochen zückt er das Handy und zeigt seine Schrittzahl dieser Tage: Die 20.000 wurden immer wieder geknackt. Also rund 15 Kilometer täglich.

Auf der Fläche zwischen Theaterwiese und Kaiserpfalz, an der Straße Willy-Brand-Platz, wird eine Beachfläche angelegt.
Auf der Fläche zwischen Theaterwiese und Kaiserpfalz, an der Straße Willy-Brand-Platz, wird eine Beachfläche angelegt.
Noch ganz frisch: Die Radspur in der Burgstaße wurde rot markiert.
Noch ganz frisch: Die Radspur in der Burgstaße wurde rot markiert.
Nach Entfernen des überschüssigen Materials wird die Radspur freigegeben.
Nach Entfernen des überschüssigen Materials wird die Radspur freigegeben.
Polier Frank Neumayer legt ordentlich Strecke zurück auf der Baustelle, gut 20.000 Schritte – rund 15 Kilometer – pro Tag.
Polier Frank Neumayer legt ordentlich Strecke zurück auf der Baustelle, gut 20.000 Schritte – rund 15 Kilometer – pro Tag.
Blick von der Burgstraße zur Spittelstraße.
Blick von der Burgstraße zur Spittelstraße.
Bunte Blumenkübel verschönern die Straße neben der neuen Beachfläche.
Bunte Blumenkübel verschönern die Straße neben der neuen Beachfläche.
Die Treppe zur Fußgängerüberführung am Pfalztheater wurde neu gemacht, für rund 200.000 Euro.
Die Treppe zur Fußgängerüberführung am Pfalztheater wurde neu gemacht, für rund 200.000 Euro.
Die alten Haltestellenschilder werden umgenutzt: als Aufhängung für das Beachvolleyballnetz.
Die alten Haltestellenschilder werden umgenutzt: als Aufhängung für das Beachvolleyballnetz.

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„So ein Projekt geht nur im Team“, fasst Baudezernent Manuel Steinbrenner zusammen und lobt, dass „Stadt, die Baufirma Horn, Anwohner, Gewerbetreibende, Stadtwerke an einem Strang gezogen“ haben. Das Verständnis für die Beeinträchtigungen durch die Bauarbeiten sei recht groß gewesen. „Ich dachte, es gebe mehr Beschwerden“, an solch einem zentralen Knotenpunkt mit sehr viel Verkehr, meint Riedinger. Schließlich „ist das eine OP am offenen Herzen“, betitelt Staab das Zehn-Millionen-Euro-Projekt. „Und der Patient lebt!“, freut sich Steinbrenner.

Ab Donnerstagabend rollt der Verkehr wieder

„Pünktlich zum Kultursommer“, betont er denn auch, werde die Straße freigegeben: Ab Donnerstagabend rollt der Verkehr wieder durch die Martin-Luther- und Spittelstraße. Damit am Samstag zur Kultursommereröffnung rund um die Fruchthalle flaniert werden kann, werde die Burgstraße für diesen einen Tag noch mal gesperrt, die Achse Martin-Luther-/Spittelstraße bleibe aber befahrbar, bekräftigt Riedinger. Ab Sonntag, 3. Mai, gilt dann der neue Busfahrplan der SWK-Verkehrsbetriebe.

Hochbetrieb anderer Art herrscht an diesem sonnigen Mittwoch: Weiße Markierungsstreifen werden über die frisch planierte Fahrbahn gezogen, Absperrungen umgeräumt, Baumaterial hin- und weggetragen, Fahrzeuge bewegt, letzte Ecken verfüllt. Die Fahrradspur in der Burgstraße hat gerade frische rote Farbe bekommen; sie ist teilweise noch abgesperrt und wartet darauf, dass das überschüssige Material weggefegt wird.

„Zaubern können wir nicht“, wendet Riedinger ein. Denn „Pflasterarbeiten auf den Gehwegen stehen noch aus.“ Dafür müsse noch mal teils halbseitig gesperrt werden, aber der Verkehr werde immer rollen. „Im Mai werden wir alles fertig haben“, verspricht Staab. Quasi im Windschatten wurde zudem die Treppe der Fußgängerbrücke am Pfalztheater über die Ludwigstraße neu gemacht, innerhalb von vier Wochen.

Tippelnder Hund auf heißem Asphalt

Auch wenn das Verständnis für die Bauarbeiten insgesamt recht groß gewesen sei, gebe es immer wieder unbelehrbare Passanten. Wurde für die Baufahrzeuge gerade eine Absperrung zur Seite geräumt, finden sich dort schnell Unbefugte. Riedinger beobachtete, wie „ein Porsche auf den noch warmen Asphalt gefahren ist“. Zum Glück sei nichts passiert. Und Neumayer erzählt von dem Mann, der auf dem heißen Asphalt mit seinem Hund stand, „der schon anfing zu tippeln“.

Auf den 9000 Quadratmetern des letzten Bauabschnitts Burgstraße und Martin-Luther-Straße wurde einiges bewegt: 5000 Tonnen Asphalt wurden aufgebrochen, 4000 Tonnen Boden ausgehoben und ebenso viel Schotter eingebaut, 3000 Tonnen Asphalt und bis zum Abschluss 2500 Quadratmeter Betonpflaster verbaut. Für die Busse wurden 400 Quadratmeter Betonfahrbahn hergestellt, die wesentlich robuster als Asphalt ist. Riedinger und Staab betonen, dass „mehr Bäume hinzu- als weggekommen“ sind: „Fünf wurden in der gesamten Stadtmitte gefällt, 14 bereits neu gepflanzt und vier kommen noch“, präzisiert Riedinger. 1400 Quadratmeter Grünfläche entstand auf dem letzten Bauabschnitt.

Beachvolleyball und Secco oberhalb der Burgstraße

Zwar nicht grün, aber sicher zur Freude der Bewohner wird die Fläche zwischen Theaterwiese und Kaiserpfalz neben der Straße zum Rathaus gestaltet: Ein Bagger schüttet gerade Quarzsand auf den geebneten oberen Teil der Fläche: Ein Baumstamm schwebt darüber, von Arbeitern am Rand platziert, um einen terrassenförmigen Abschluss zu formen. „Unser Beach“, zeigen die Fachleute stolz darauf. „Dies hier oben wird ein Beachvolleyballfeld, daneben entsteht eine Boulebahn, und auf den unteren Teil zur Burgstraße kommt ein Imbiss.“ Dort wird der Untergrund laut Riedinger mit Rindenmulch abgedeckt.

Auch Citymanager Constantin Weidlich, der ebenso geschäftig wie der Rest des Baustellentrupps unterwegs ist, strahlt bei dem Anblick vor Vorfreude. Die für Autos gesperrte Straße ist bereits mit riesigen bunten Blumenkübeln geschmückt. Wie trotzdem gespart werde, betont Riedinger: „Wir nutzen alte Haltestellenschilder, um das Netz daran aufzuhängen.“ Auch wenn dies am Wochenende noch nicht gespannt sei, könne die Beach-Fläche schon genutzt werden.

Auf jeden Fall diesen Sommer über können die Bürger sich dort sportlich oder relaxed tummeln, „aber wahrscheinlich lassen wir die Fläche so bis zur Umgestaltung der Theaterwiese mit Lauterfreilegung“, blickt Steinbrenner voraus.

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