Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Stadt Landau will weitere Klassikstars in die Festhalle holen

Soll im Januar kommen: Collegium Vocale Gent.
Soll im Januar kommen: Collegium Vocale Gent.

Die Stadt Landau will sich weiter mit Klassik-Events vom Kaliber eines Igor Levit etablieren. Der Stadtrat hat Sonderausgaben von 152.500 Euro für zwei Konzerte zugestimmt.

Das Gastspiel des Pianisten Igor Levit zum Stadtjubiläum 2024 soll Schule machen. Die Karten waren seinerzeit trotz des für Landauer Verhältnisse ungewöhnlich hohen Preises von 100 Euro schnell weg. Der Verkauf von 939 Tickets brachte der Stadt sogar einen Gewinn von 8400 Euro. Wenn das bei den jetzt beschlossenen Sonderkonzerten auch so läuft, ist das Unterfangen ohne Risiko.

Der Stadtrat hat die Verwaltung jetzt ermächtigt, die Verträge zu unterzeichnen: für ein Gastspiel des belgischen Ausnahmechors Collegium Vocale Gent unter der Leitung von Philippe Herreweghe, einem Flaggschiff der historischen Aufführungspraxis, mit Bachs ikonischer h-Moll-Messe am 27. Januar 2027 und für ein Klavierrecital der französischen Pianistin Hélène Grimaud am 29. April 2028, die oft mit den Berliner und den Wiener Philharmonikern spielt. Die Künstler treten sonst in Häusern wie der Elbphilharmonie, dem Festspielhaus Baden-Baden oder dem Concertgebouw Amsterdam zu erleben.

Dass die Landauer Festhalle überhaupt als Gastspielort in Erwägung gezogen werde, liege an der „vertrauensvollen Zusammenarbeit des Kulturbüros mit der Agentur Classic Concerts Management“, heißt es in der Sitzungsvorlage. „Es ist keineswegs selbstverständlich, dass international gefragte Musikgrößen in einer Stadt der Größenordnung Landaus gastieren.“ Doch die Festhalle mit ihrem Jugendstilflair habe sich als attraktiver Aufführungsort etabliert. Die Stadt verspricht sich von solchen „Leuchttürmen“, Landaus Image als anspruchsvoller Kulturstandort zu stärken. Die Karten sollen für Preise zwischen 41 und 104 Euro verkauft werden. Die Verwaltung rechnet mit einer so guten Auslastung, dass die Konzerte das investierte Geld wieder einspielen.

„Kulturpolitik nach Gutsherrenart“

Eine Mehrheit votierte für die überplanmäßige Sonderausgaben zusätzlich zum bereits verabschiedeten Kulturetat. Doch die Entscheidung, die angesichts kurzfristig zu unterzeichnender Verträge drängte, trifft auch auf Kritik. Als „Kulturpolitik nach Gutsherrenart“ bezeichnet sie Sven Kaemper (Bündnis 90/Die Grünen), der als Vertreter der Bürgerschaft dem Kulturausschuss angehört, in einer Stellungnahme.

Kaemper: „Echte Begeisterung will im Stadtrat nicht so recht aufkommen, doch man möchte auch nicht als Kulturverhinderer dastehen, und so wird nach kurzer Diskussion mehrheitlich zugestimmt. Wer nicht gefragt wurde: Der für solche Angelegenheiten zuständige städtische Kulturausschuss.“ Auch bemängelt er, dass nicht einmal dargelegt werde, wie dieses kulturelle Profil der Stadt, das hier gebildet werden soll, überhaupt aussieht. Er fragt: „Was haben wir als Stadt davon, außer einer für einen Abend gut gefüllte Festhalle? Muss Landau in Sachen Kultur ernsthaft in Konkurrenz zu Mannheim, Heidelberg oder Karlsruhe treten?“ Und er fragt, was mit den erwarteten Überschüssen passieren wird.

x