Speyer Speyerer Kantorei: Besonderes Konzert an Palmsonntag

Die Speyerer Kantorei unter Robert Sattelberger bei einem ihrer Konzerte in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer.
Die Speyerer Kantorei unter Robert Sattelberger bei einem ihrer Konzerte in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer.

Ein Oratorium für Passion und Ostern – von Bach: Die Speyerer Kantorei unter Robert Sattelberger singt drei Kantaten am Palmsonntag.

Am Abend des Palmsonntags, 13. April, 18 Uhr, gibt es in der Speyerer Dreifaltigkeitskirche mit der Speyerer Kantorei unter Robert Sattelberger ein besonderes Konzert mit Musik von Johann Sebastian Bach: Keine der beiden überlieferten Passionen des Thomaskantors, sondern drei frühe Kantaten, die den Bogen von der Passion zu Ostern spannen.

Die Kantaten stammen aus dem Jahre 1714, dem Beginn von Bachs Weimarer Zeit. Sie sind für dortige, nicht erhaltene Schlosskapelle in Weimar, die sogenannte Himmelsburg, komponiert. Entsprechend singt die Speyerer Kantorei in ausgedünnter Besetzung mit knapp 40 Vokalisten.

Der junge Konzertmeister Bach, das war er in Weimar, zeigt sich kammermusikalisch und experimentierfreudig. So konzertieren beispielsweise in der Kantate „Himmelskönig, sei willkommen“ BWV 182 eine Solo-Blockflöte mit einer Solo-Violine und eben auch mit dem Chor, eine charmante Besetzung.

„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“

In der legendären Kantate Nr. 12 „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ wird eine Oboe sowie eine Cantus-firmus-Trompete benötigt, die Chor-Passacaglia am Eingang verwendet Bach als Crucifixus in der großen h-moll-Messe wieder (als deren älteste Musik) und inspirierte Franz Liszt später zu seiner legendären Fantasie über „Weinen, Klagen, Sorgen Zagen“. Das Collegium Musicum Speyer spielt auf historischen Instrumenten, Sonja Radzun erfüllt dabei einen Doppelpart, sie spielt Blockflöte, als auch Trompete, was in der Barockzeit nicht unüblich war.

Zur Hinwendung des Programmes nach Ostern spielen die Streicher in der Mitte des Programmes Bach bekanntes E-Dur-Violinkonzert BWV 1042 aus Bachs Köthener Zeit um 1720. Solistin ist die renommierte Violinistin Barbara Mauch-Heinke, Konzertmeisterin des Neumeyer-Ensembles. Das Konzert schließt mit der fast urwüchsigen Kantate „Christ lag in Todesbanden“ BWV 4 (auf einen Choral von Martin Luther) vermutlich aus dem Jahre 1708, wo Bach Organist in Mühlhausen war.

Eigenständiges Oratorium für Passion und Ostern

Dirigent Robert Sattelberger versucht mit dem Programm ein eigenständiges Oratorium für Passion und Ostern zu kreieren. Er macht aus Musikstücken von Bach kein neues Stück, auch das gibt es, sondern stellt die drei Werke in einen musiko-theologischen Sinnzusammenhang.

In Leipzig schwieg in der Passionszeit die Figuralmusik, deshalb gibt es keine Passionskantaten. „Himmelskönig, sei willkommen“ ist, wie gesagt, aus Weimar und für den Palmsonntag komponiert. Kantate 12 war für den Sonntag Jubilate nach Ostern vorgesehen, Kantate 4 für den ersten Osterfeiertag. Doch es gibt hier keinen Trompetenjubel, sondern strenge, insistierende Sätze auf den bildgewaltigen Luthertext, in dem es unter anderem heißt: „Es war ein wunderlicher Krieg,/Da Tod und Leben rungen,/Das Leben behielt den Sieg,/Es hat den Tod verschlungen./Die Schrift hat verkündigt das,/Wie ein Tod den andern fraß,/Ein Spott aus dem Tod ist worden./Halleluja!

Nachklang an Karfreitag

Für die ausdrucksstarken Arien der Kantaten konnten junge Vokalsolisten verpflichtet werden: Julia Obert, Sopran, Dalila Djenic, Alt, Thomas Dorn, Tenor, und Florian Sauer, Bass.

Im Nachgang zu diesem Projekt spielt Robert Sattelberger am Karfreitag, 18. April, um 18 Uhr ein Orgelkonzert mit großen Bach-Werken, Cesar Francks Choral h-moll, sowie eben Franz Liszts „Weinen, Klagen“. Der Eintritt dazu ist frei.

Info

Karten für das Kantatenkonzert gibt es an der Abendkasse, sowie der Tourist-Info und dem Capella-Verlag, sowie über reservix.de.

Das Bach-Denkmal vor der Thomaskirche in Leipzig.
Das Bach-Denkmal vor der Thomaskirche in Leipzig.
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