Eisenberg „Sparen den Eintritt ins Fitnessstudio“
Wenn derzeit in den Wäldern des Donnersbergkreises die Motorsägen kreischen, dann sind zumeist sogenannte Selbstwerber bei der Arbeit (siehe „Zur Sache“). Doch der private Brennholzerwerb vom Förster hat offensichtlich einen Wendepunkt erreicht.
Während der Verkauf von Polterholz im Gebiet des Forstamts Donnersberg in den vergangenen drei Jahren relativ stabil blieb, ging der Absatz von Flächenlosen an Selbstwerber im gleichen Zeitraum auffallend zurück. Das liegt einerseits daran, dass im Staatsforst seit dem Winter 2013/14 Flächenlose nur noch in Ausnahmefällen angeboten werden dürfen. Zum Ausgleich verweisen die Forstämter deshalb verstärkt auf das Polterholz. In Kommunal- und Privatwäldern hingegen sind Flächenlose nach wie vor zu haben. Dieter Gass, Leiter des Forstreviers Sippersfeld, nennt als weitere Ursachen für den Rückgang auch die milden Winter der letzten Jahre sowie den derzeit niedrigen Heizölpreis. Daneben gebe es immer weniger Landwirte, die mit ihren Fuhrwerken das Holz aus dem Wald abtransportieren können. Ohnehin würden die typischen Holzmacher immer älter und damit naturgemäß weniger. Offensichtlich hätten die Selbstwerber ein Nachwuchsproblem. Gass sieht dies auch an den rückläufigen Zahlen der Teilnehmer an Kettensägekursen. 2007, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, seien beim Forstamt 625 Basisführerscheine erworben worden, im vergangenen Jahr nur noch 72. Aber auch jüngere Leute greifen zu Kettensäge und Axt. Zu ihnen gehört der 38-jährige BASF-Chemikant Michael Denonville aus Winnweiler. Mit Ehefrau Nadine und Freund Stefan Iselborn, ebenfalls aus Winnweiler, nutzt er den arbeitsfreien Samstag zum Holzmachen. Im Wald am Katharinenhang des Hofgutes Neumühle bei Münchweiler hat ihm Gass ein Flächenlos zugeteilt: Zehn Ster Kronenholz, überwiegend Eiche, dazwischen wenige Buchen und Kiefern, sieben bis 25 Zentimeter dicke, zumeist krumm gewachsene Äste liegen auf dem Boden und warten darauf, in Meterstücke gesägt zu werden. Für die Selbstwerber sind Kettensägeführerschein, Schnittschutzhose, Sicherheitsschuhe, Helm mit Gehörschutz und Visier sowie Spezialhandschuhe mit Noppen Pflicht. Aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit und die Umwelt wird der Motor der Kettensäge mit Sonderkraftstoff auf Alkylatbasis betrieben und die Sägekette mit Bio-Kettenöl geschmiert. Gass lässt da nichts durchgehen. Größten Wert legt er auch darauf, dass die Selbstwerber nie allein im Wald arbeiten und den nächsten Rettungspunkt kennen. Knatternd und kreischend fressen sich die Zähne der Kettensäge durch das Holz, Sägespäne wirbeln auf, der Motor jault ohrenbetäubend, aber für den echten Selbstwerber klingt das wie Musik. Nebenan liegen Handsäge, Axt, Vorschlaghammer, Keile und „Sappie“ (Rückehaken). Auf dem Waldweg stehen ein Kleinbus und ein Pkw mit Anhänger für den Abtransport der handlich zerlegten Kronenteile bereit. Denonville und seine beiden Helfer sind ein eingespieltes Team – und es mache Spaß, wie die drei einhellig bekunden. Auf das Verbrennen des Holzes in der guten Stube freut sich Nadine Denonville ganz besonders, denn ihr 9-kW-Kaminofen, der im Küchen-/Essbereich der Wohnung steht und derzeit täglich befeuert wird, verbreitet eine wohlige Wärme. Die Gas-Zentralheizung ist zwar weiterhin in Betrieb, allerdings auf niedriger Stufe. Bei den Iselborns wird ausschließlich mit Holz geheizt. Aufgrund der offenen Bauweise ihres Hauses wärmt der Kaminofen auch das Dachgeschoss. Auch am Petzenberg im Breunigweilerer Gemeindewald knattern Motorsägen und hallen Axtschläge durch die Winterlandschaft. Ein Trupp von fünf Selbstwerbern, der jüngste 51, der älteste 64 Jahre alt, arbeitet die hier im Hang liegenden schwachen Eichen- und Hainbuchenstämme auf, die bei Durchforstungs- und Sicherungsmaßnahmen gefällt wurden. Torsten Schmitt, Werner Armbrüster und Gisbert Kolb aus Sippersfeld sowie Karl-Heinz Wolf und Peter Pflüger aus Breunigweiler haben den Vorteil der Teamarbeit beim Holzmachen erkannt. „Jeder von uns schafft hier für zwei“, frotzelt Armbrüster, der schon seit 30 Jahren gemeinsam mit Wolf sein Brennholz selbst schlägt. Alle fünf heizen ganz oder teilweise mit diesem „nachwachsenden Brennmaterial“, wie Schmidt betont. Dabei ginge es weniger ums Geldsparen, denn wenn man die Arbeit berechne, wäre Heizen mit Holz nicht billiger als mit Öl oder Gas. „Sparen können wir allenfalls den Eintritt für das Fitnessstudio“, legt er grinsend nach. Kontakt Fragen zum Thema Brennholz beantwortet das Forstamt Donnersberg, Dr.-Carl-Glaser-Str. 2, 67292 Kirchheimbolanden, Telefon: 06352/401040 , Fax: 06352/ 401060