Rheinpfalz „So sieht Zukunft des Busverkehrs aus“

Mannheim. Vergangenheit und Zukunft des Öffentlichen Personennahverkehrs sind am Samstag auf dem Mannheimer Betriebshof der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) vereint gewesen. Rund 8000 Besucher haben beim Tag der offenen Tür in der Möhlstraße hinter die Kulissen geschaut.
Empfangen wurden die Gäste zunächst einmal von einer langen Schlange – gleich hinter dem Eingang war die Anmeldung für das Straßenbahndiplom, der kleinen Fahrstunde in der Bahn, die mit dem Motiv der Mannheimer Eishockeyadler ohnehin ein Hingucker auf den Schienen des Verkehrsverbundes ist. „Mit der linken Hand greifen wir an den Hebel, wenn wir nach vorne gehen beschleunigt die Bahn, wenn wir nach hinten gehen bremst sie ab.“ Nach der Kurzeinweisung von Fahrlehrer Jürgen Meyer konnten Jung und Alt schon im Cockpit der Adler-Bahn Platz nehmen. „Normalerweise dauert der Weg zum Straßenbahnführerschein zwölf Wochen“, erklärte Meyer. Immerhin verriet der Fahrlehrer seinen Schülern noch eine zweite Funktion: „Mit dem Daumen der rechten Hand können wir die Klingel bedienen.“ Das taten sie auf dem Rundkurs auf dem Betriebsgelände denn auch ausgiebig, wenn die Besucher denn tatsächlich einen der begehrten „Fahrscheine“ zum Diplom ergattert hatten. Denn schon eine halbe Stunde nach Öffnung der Türen waren die ersten 100 Plätze vergeben, füllten die RNV-Mitarbeiterinnen die Wartelisten auf. Wilhelm Kiesekamp war nicht nur wegen der Klingel zur RNV gekommen. Immerhin befördert er in seinem Arbeitsleben die Kunden der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) auf den Schienen rund um den Dom in der Millionenmetropole. „Aber ich wollte mir auch einmal ansehen, was man hier in Mannheim anders macht.“ Den größten Unterschied wusste der Experte („Ich habe mich schon im Alter von sechs Jahren für Straßenbahnen interessiert“), der auch im Kölner Straßenbahnmuseum tätig ist dabei schon: „Hier ist man auf einer Meter-Spur unterwegs. In Köln fahren wir mit 1435 Zentimetern Breite.“ Sein Herz schlug ganz sicher beim Blick in die Vergangenheit höher. Da hatte Klaus Rögner von der Interessengemeinschaft Nahverkehr (IGN) gleich drei historische Fahrzeuge mitgebracht, die vor bis zu 770 Jahren auf den Schienen der Region unterwegs waren. Die Diesellok 02 aus dem Jahr 1958 der OEG war dabei einer der Stars. Davon wurden nur drei gebaut und die sind alle noch im Einsatz“, berichtete Rögner. So habe die ehemalige Güterzuglok beim Eisregen vor einem Jahr die liegengebliebenen Züge im Streckennetz von den Schienen geschleppt. „Die anderen beiden Loks stehen in Bad Dürkheim und als Bergwerkbahn in Essen.“ Die Moderne hatte es hingegen Mannheims Bürgermeister Christian Specht ganz besonders angetan. „Bald rollen die ersten Primove-Elektrobusse auf einer Teststrecke in unserem Netz.“ Die sehen von außen wie ein normaler Linienbus aus, haben aber am Boden ein Ladegerät, mit dem die Fahrzeuge an den besonders ausgerüsteten Haltestellen über der im Boden verborgenen Aufladestelle wieder „volltanken“ können. „Bis so etwas dann auch bis zu uns kommt, ,wird das wohl noch eine Weile dauern“, bedauerten die beiden Vertreter des Ludwigshafener Stadtrates, Gabriele Albrecht und Udo Scheuermann, die beide aus Oppau nach Mannheim gekommen waren. Begeistert waren sie von der neuen Technik trotzdem: „Das ist leise und CO2-frei. So sieht die Zukunft des Busverkehrs aus.“ In der Gegenwart gab es aber zwischen den Depots noch jede Menge zu entdecken. Die Sonderfahrzeuge zur Schienenreinigung ebenso wie die Zentralwerkstätten oder die Betriebszentrale. Und bei den Kinder waren natürlich die Mitmach- und Erlebnisstationen von den Kettcars der Jugendverkehrsschule oder dem Kinder- und Jugendzirkus Paletti beliebt.