Ludwigshafen
So lief das Donaldisten-Treffen in Ludwigshafen
Aus ganz Deutschland und Österreich reisten Fans von Donald Duck an, um im Kulturzentrum „Das Haus“ in der Innenstadt wissenschaftliche Erklärungen für die gezeichneten Phänomene aus den Taschenbüchern zu teilen. Ein Spaß, der bereits seit fast 50 Jahren anhält. Nur mit einem anderen Donald mit großem Schnabel haben die selbsternannten Donaldisten so ihre Probleme.
Der „Ent-husiasmus“ ist sofort spürbar. Statt zu applaudieren, rufen die rund 180 Teilnehmer „Klatsch. Klatsch. Klatsch.“ Buttons mit den Helden aus Entenhausen tragen die überwiegend männlichen Besucher wie Orden an ihren Anzügen. Auf Krawatten oder T-Shirts lugen die Gelbschnäbel hervor. Bereits seit 1977 existiert die Deutsche Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des Lauteren Donaldismus. Die Mitglieder erkennen sich untereinander schon daran, dass sie „Duck“ mit „u“ aussprechen. So wie es Erika Fuchs im Sinn hatte, die genau vor 120 Jahren geboren wurde und Generationen mit ihren deutschen Übersetzungen von Carl Barks geschaffenen Cartoon-Universum begeisterte.
Vor der Grundschule gelesen
Auch Alexander Herges ist mit den Taschenbüchern von Donald Duck aufgewachsen und hat sie sogar schon vor der Grundschule gelesen. Zum Entenforscher, zum Donaldisten, wurde der in Ludwigshafen lebende Saarländer ab den 1990er-Jahren, mit seinen 53 Jahren gehört er fast zu den jüngeren Entenforschern. „Es ist eine Lebenseinstellung und macht einfach riesigen Spaß. Man lernt über das Hobby so viel über Physik oder Chemie. Aber nicht auf die trockene Art, es gibt viele Aha-Momente“, sagt er über den Reiz des Kongresses, den der städtische Mitarbeiter erstmalig nach Ludwigshafen holen konnte – und dafür extra ein Plakat von Lokalmatador und Cartoon-Zeichner Steffen Boiselle anfertigen ließ. Mit BASF, Dubbeglas und Pfälzer Dialekt.
Einst vom Klimaforscher Hans von Storch ins Leben gerufen, setzt sich der D.O.N.A.L.D.-Kongress vor allem aus Professoren zusammen. „Warum fliegt ein Teppich?“ lautet zum Beispiel ein Vortrag von Ralph Hössel. „Viele Dinge, die in Entenhausen nach Magie aussehen, haben eine naturwissenschaftliche Erklärung“, beginnt er. Eingewobene Metallfäden, die mit radioaktivem Wasser benetzt wurden, könnten seiner Theorie nach der Grund für das Flugerlebnis der Duck-Familie in Band 39 sein. Wie eine Doktorarbeit muss er seine in sich schlüssigen Gedanken im Anschluss verteidigen.
Auch die „Präsid-ente“, so wird der Vorsitzende genannt, ist Archäologe. Diesmal hat Karsten Bracker über Tee als wiederkehrendes Lebenselixier in Entenhausen „teeorisiert“. Es ist ein Schauspiel aus Wortspielen und Humor, verknüpft mit wissenschaftlichem Ernst. Auch Christina Langknecht, die eigentlich nur als Helferin vor Ort ist, lauscht gespannt: „Es ist total lustig, bunt gemischte Menschen, die für eine Sache gemeinsam brennen. Es ist ansteckend und spannend, was man alles sieht, wenn man Donaldist ist“, sagt sie.
Verein mit den meisten Akademikern
„Wir sind kein strenger, in sich geschlossener Zirkel, sondern miteinander per Du. Und wir sind deutschlandweit wohl der Verein mit den meisten Akademikern“, so Bracker. Warum aber bietet sich gerade Donald Duck für derlei wissenschaftliche Ausschweifungen an? Und nicht etwa Asterix? „Der Duck-Kosmos mit 6500 Seiten ist in sich sehr konsistent, es finden sich viele Zusammenhänge. Carl Barks war einfach ein Good Artist. Und natürlich führt es die Teilnehmer auch zurück in die eigene Kindheit“, verrät er.
Nach Tick, Trick und Track, nach Nachwuchs hält man beim Kongress vergebens Ausschau. Mit 34 Jahren ist Bracker fast das jüngste Mitglied. „Im Durchschnitt sind wir im Renteneintrittsalter, es gibt auch Studenten im Verein, oder auch Zweijährige, die von ihren Eltern angemeldet werden. Ich habe die Hoffnung, dass es uns in 20, 30 Jahren auch noch gibt“, betont er. Schließlich gibt es gehaltvolle Rituale. Als „Präsid-ente“ muss der Schleswig-Holsteiner zur Eröffnung des 47. Kongresses eine schwarze Suppe aus Bohnen zur Begrüßung essen, so wie Donald Duck sie bei seinem Tauchtrip im Ägäischen Meer von den Spartanern kredenzt bekam.
„Zum Abschluss erhält er noch einen Pastinakenbrei, der schmeckt nicht immer lecker“, sagt Herges über die „liebenswerten Skurrilitäten“, wie der lautmalerische Beifall zu Beginn. „Das gesprochene Klatsch-Klatsch-Klatsch als Donaldist hat den Vorteil, dass man auch mit Regenschirm in der Hand applaudieren kann“, witzelt er.
Distanz zu Trump
Doch zuletzt hatten die Entenhausen-Nerds nicht nur etwas zu lachen, der Name „Donald“ ist schließlich in Ungnade gefallen. Durch einen anderen Vertreter aus der „Traumfabrik Amerika“, nämlich US-Präsident Donald Trump. „In den letzten Jahren bekommen wir häufiger Anfragen dazu, natürlich distanzieren wir uns klar von ihm“, sagt Bracker.
Tatsächlich würde „Donald“ im Gälischen „Weltherrscher“ bedeuten. „Wir wüssten selbst zu gerne, warum Trumps Mutter ihn so genannt hat. Unser Donald Duck aber verkörpert etwas ganz anderes. Er ist ein Stehaufmännchen und Pechvogel, ein Charakter, der im Grunde alle menschlichen Schwächen in sich vereint. Aber auf eine liebenswerte Art, mit der sich mit etwas Selbstironie einfach jeder identifizieren kann. Außer Narzissten“ sagt Bracker über den US-Präsidenten namens Donald.