Schwetzingen Signum-Quartett spielt Leos Janacek

Das Signum-Quartett spielte Janacek.
Das Signum-Quartett spielte Janacek.

Bei den Schwetzinger Festspielen widmet sich das Signum-Quartett den Streichquartetten von Leos Janacek.

Kamila Stösslova, Muse der späten Jahre des Komponisten Leos Janacek widmet das Signum Quartett bei den Schwetzinger Festspielen ein packendes Konzert. Neben den beiden Streichquartetten, das zweite wurde von der unerwiderten Liebe des Komponisten zu Stösslova inspiriert, präsentierten die Vier eine hochkarätige Ausgrabung: Das 1935 entstandene Streichquartett der früh verstorbenen tschechischen Komponistin Vitezslava Kaprálová.

Die 1920er-Jahre waren für Leos Janacek von später Anerkennung als Komponist einerseits, anderseits von höchster Schaffenskraft geprägt, bis zu seinem Tod 1928 schuf er bedeutende Musiktheaterwerke wie „Katja Kabanowa“, „Das schlaue Füchslein“, „Die Sache Makropulus“ und „Aus einem Totenhaus“, weiterhin die „Glagolitische Messe“. Zudem seine beiden Streichquartette – ein früherer Versuch ist verschollen – die zu den bedeutendsten Beiträgen dieser Gattung im 20. Jahrhundert gehören. Das Signum Quartett, Residenzensemble der SWR Festspiele, präsentiert im längst nicht ausverkauften Mozartsaal ein sehr beziehungsreich zusammengestelltes Programm um die beiden Quartette mit manchen Raritäten. Zu ihnen gehört auch das Streichquartett op. 8 der mit 26 Jahren verstorbenen Komponistin und Dirigentin Vitezslava Kaprálová, die aus Brünn stammte, wo Janacek lange wirkte. Ihr Vater, der Komponist Vaclav Kápral, gehörte zu seinen Schülern. Wobei das Streichquartett wenig direkte Einflüsse des Komponisten zeigt, Überschneidung gibt es höchstens durch volksmusikalischen Anklänge. Diese verbinden sich bei Kaprálovás Opus 8 mit Erfahrungen aus ihrer Studienzeit in Paris. Primarius Florian Donderer und Annette Walther (Violine), der Bratschist Xandi van Dijk und Thomas Schmitz (Cello) musizieren dieses sehr plastisch-durchhörbar, mit viel Engagement für das entdeckenswerte Quartett.

„Die Kreutzersonate“

Passend zum ersten Streichquartett Janaceks, das von Leo Tolstois Erzählung „Die Kreutzersonate“ inspiriert wurde, erklingt ein etwas sentimentaler Walzer des Dichters, der von dem Komponisten Sergei Tanejew aufgezeichnet wurde. Aber auch Lieder und Fragmente, alle von Xndi van Dijk für Streichquartett bearbeitet, aus der Sammlung Mährische Volkspoesie und aus dem Album für Kamila Stösslova geben einen Einblick in das klangliche Umfeld der beiden Streichquartette und das Beziehungsgeflecht zu der Muse des Komponisten.

Bei der Ehetragödie, die „Die Kreutzersonate“ literarisch thematisiert, bezieht Janacek musikalisch deutlich wie in vielen seiner Opern Position für die leidende Frau. Das Signum Quartett spielt das programmatische Werk mit äußerster Klarheit, beeindruckender Sicherheit im Zusammenspiel und brennender, schier überbordender Intensität. Das Expressiv-Grelle wird bis zum Geräuschhaften gesteigert, besonders die Geigerin und der Bratscher spielen sich fast in einen Rausch. Wobei die Kontraste des Werkes, die Farbigkeit lyrischer Passagen eher in den Hintergrund gedrängt wird, die emotional Wucht, fast Brutalität dominiert das Geschehen.

„Intime Briefe“

Das zweite Quartett, im Todesjahr Janaceks 1928 entstanden, ist auch programmatisch geprägt: In den „Intimen Briefen“ wird die platonische Beziehung zur 37 Jahre jüngeren Kamila Stösslova als Ausgangspunkt genutzt. Die Briefgeständnisse richten sich an seine Muse, das Geständnis der späten Liebe wird zur Grundlage einer faszinierenden Komposition. Formal ist „Intime Briefe“ viel geschlossener als „Die Kreuzersonate“. Das Signum Quartett nähert sich auch hier Janacek mit großer Spannkraft und nie nachlassender Genauigkeit, wobei die brachiale Attacke einer klangfarblich stärkeren Differenzierung weicht.

Info

Die Aufzeichnung wird morgen, Sonntag, 20.03 Uhr, in SWR Kultur gesendet.

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