Kultur Südpfalz Seit 38 Jahren Freude am Singen

Auf Flügeln des Gesanges bewegten sich die Sängerinnen des Frauenchors Landau, und sie bewegten all die zahlreich erschienenen Zuhörer in der Villa Wieser. Unter der Leitung von Chordirektor Wolfgang Sieber stellte der renommierte Chor in Herxheim Chorsätze und Liedgut aus vier Jahrhunderten vor, allerdings mit dem Schwerpunkt des romantischen Liedes.
Wolfgang Sieber schrieb als erfahrener Chorleiter etliche Kunstlieder von Mozart, Schumann und Mendelssohn Bartholdy für den Frauenchor um, daneben gab es historische a-cappella-Sätze und moderne Sätze aus Europas Breiten. Bei den Frühlingsliedern von Rudolf Lerich, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy bewegte sich der Chor souverän auf vertrautem Terrain. Stilsicher, mit deutlicher Artikulation und dynamischer Ausgewogenheit kamen die Frühlingsweisen gut zur Geltung. Gleich vom ersten Ton an zeigte der Frauenchor Präsenz, bei den Frühlingsliedern von Mendelssohn mit Klavierbegleitung strahlte der Chorklang Frische und Leichtigkeit aus. Dass der Frauenchor Landau nach 38 Jahren Konzert- und Wettbewerbserfahrung noch immer mit Empathie sich der Gesangskunst widmet, ist bewundernswert, zumal sich die Zusammensetzung des Ensembles nach den vielen Jahren gar nicht so sehr verändert hat. Geprägt von dem Chorgründer und Ehrendirigenten Werner Weiß, weiter begleitet von den Dirigenten Michael Hilschmann, Georg Metz und ab 2015 von Georg Sieber zeigt sich, dass die selbstbewussten Sängerinnen wohl auch ihre eigene Klangsprache gefunden haben. Bei den Liedern mit Klavierbegleitung konnte sich Wolfgang Sieber auf sein Ensemble verlassen, das ihm auch bei den bearbeiteten Klavierliedern Mozart und Schumanns flexibel folgte. Auch bei dem französischen Volkslied „La belle rose“ sang der Chor wie aus einem Guss, wobei Sieber seinen „starken“ Frauen weitgehend eher zurückhaltend Impulse gab. Es ist Auffassungssache, wie ein Dirigent seinen Chor leitet, Klangfreude und freie Entfaltung der Stimme ergeben sich eher, wenn nicht zu pedantisch jedes Detail herausgearbeitet wird. Beeindruckend war sein selbst komponiertes Lied „Die Lerche“ mit harmonisch reizvollen Momenten sowie die Volksliedbearbeitung „Es saß ein schneeweiß Vögelein“ mit der Sopranistin Susanne Bode als Solistin. Ein Höhepunkt des Liederabends war die Komposition „Northern Lights“ aus der Feder des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo. Nahezu sphärische, lichtstarke Klänge offenbarten die kraftvolle Schönheit dieses Werkes. Hiervon hätte man gern noch mehr gehört, letztlich fehlten aber hier die Männerstimmen, die vom Klavierpart übernommen wurden. Die hochsommerlichen Temperaturen und die problematische Akustik im Saal ließen die Renaissancelieder von Frescobaldi und Monteverdi nicht in der Frische erklingen, wie sie der Chor ansonsten zu gestalten vermag. Dafür halfen Mozarts Humor und Schalk bei den Liedern „Warnung“ und „Papagenos Glockenspiel“ Heiterkeit zu verbreiten. Zwei irische Weisen, „Greensleves“ und „Scarborough Fair“, rundeten einen anspruchsvollen Chorabend ab. Das Programm wurde bereichert durch Gedichte, vorgetragen von Dagmar Tischmacher und durch kurze Klavierstücke mit Wolfgang Sieber. Als Zugabe wollten die begeisterten Zuhörer unbedingt noch einmal Mozarts Lied „Warnung“ hören. Info Das letzte Villa-Konzert der Saison wird am Samstag, 29. Juni, 20 Uhr, in der Villa Wieser von Friederike Luise Arnholdt, Cello, und Sanel Redzic, Gitarre, gestaltet. Sie spielen in der Reihe Bundesauswahl Konzerte junger Künstler des Deutschen Musikrates. Der Abend gilt als Ersatz für das am 8. Juni geplante Konzert des Duos Szabo/Flowers, das aus organisatorischen Gründen abgesagt werden musste. Vorverkauf ist an der Infotheke im Rathaus Herxheim, Telefon 07276 5010, E-Mail: infotheke@herxheim.de.