Rheinpfalz Sein Herz schlägt für Harleys
HÖHEINÖD/MÜNCHWEILER. Der Münchweilerer Uwe Foth hat sich seinen Lebenstraum erfüllt: 1987 gründete er zunächst eine Ein-Mann-Firma mit dem Namen „Ghettoblasters“ in seiner Garage. Mittlerweile beschäftigt der 56-Jährige fünf Angestellte und unterhält weltweit geschäftliche Beziehungen von Höheinöd aus.
Neben der Ausbildung von Lehrlingen – auch bei der IHK – hat Foth gemeinsam mit dem Tüv im Technologiezentrum in Lambsheim eine Station für Abgasgutachten von Import-Harley-Davidson eingerichtet. Im ganzen Raum der Südwestpfalz, einschließlich Zweibrücken, führe er den einzigen Handwerks-Meisterbetrieb für Harley-Davidson-Motorräder, der bei der Handwerkskammer eingetragen ist, sagt er stolz. Das legendäre Bike, eine Harley-Davidson (kurz HD) aus Milwaukee (Wisconsin, USA), fuhr im Kino direkt in sein Herz. Als Uwe Foth 1974 im Pirmasenser Rex saß und den Kultfilm „Easy-Rider“ mit Peter Fonda sah, sprang der Funke zwischen dem als Freiheitssymbol geltenden Bike und ihm über. „Die Harley wurde für mich ein Stück Leben und Lebensqualität. Als man noch ohne Helm fahren durfte, wehten meine langen Haare im Wind, man sah die Welt auf dem Motorrad aus ganz anderen Blickwinkeln, besonders auf den Highways im weiten Amerika“, erzählt Foth mit strahlenden Augen. Die Neugier auf die Staaten wurde schon früh geweckt, denn seine Eltern waren im US-Hospital in Münchweiler beschäftigt. Als 20-Jähriger flog er nach Pennsylvania und lernte das US-amerikanische Lebensgefühl vor Ort kennen. Er knüpfte Kontakte, die bis heute bestehen – und es kam, wie es kommen musste: 1983 kaufte sich Uwe Foth seine HD-Maschine. Natürlich direkt aus den Staaten. Sie legte den Grundstein für die spätere Firma. Foths Lebensmotto „A Biker’s work ist never done“ – die Arbeit eines Motorradfahrers ist nie getan – spiegelt sich darin, dass er 1987 seine Ein-Mann-Firma gründete. Natürlich wurde die Garage schnell zu klein, es folgten immer größere Betriebsräume. Mittlerweile ist er im Gewerbegebiet in Höheinöd, in der Bitscher Straße 7, sesshaft geworden. 400 Quadratmeter Arbeitsfläche sind derzeit ausreichend. Als er vor knapp 30 Jahren von Münchweiler aus sein erstes Telefax nach USA schickte, kostete das eine Stange Geld. Heute brauchen Geschäftskontakte nur Sekunden übers Internet – und es kostet nichts. „Das bringt ungeheure Vorteile fürs Business“, sagt Foth. Die Homepage wurde aufgerüstet mit der Werbung „Wir sind ein Zweirad-Meisterbetrieb für Harley-Davidson-Motorräder und Teile-Shop“. Für den Online-Verkauf ist Marcus Matheis aus Ruppertsweiler zuständig. Im dritten Lehrjahr befindet sich Max Tiefenthaler aus Vinningen. Das Team vervollständigen Werkstattmeister Olaf Kafiz und Metallbauer Peter Wendling. Zu den wenigen Tätigkeiten, die er in der Werkstatt noch persönlich erledigt, zählen Abgastests und Software-Änderungen für Harley Davidson. Über diesen Service hat er Kunden aus ganz Europa, die amerikanische Maschinen fahren, gewonnen. Inspektionen, ob für alte oder neue HD-Modelle, Reparaturen von Motoren und Getrieben, Reifenservice, Umbauten, Programmierung von Steuergeräten (Chiptuning) Restaurierung von Oldies – das alles zählt zum Angebot der Firma. Während in den Staaten der Absatz von HD-Bikes stagniert, „weil der Mittelschicht das Geld fehlt“, kann Foth nicht klagen: „In den vergangenen fünf Jahren hatte ich Zuwachsraten im zweistelligen Bereich.“ Um die Kundenwünsche zu erfüllen, hat er noch Sammler-Harleys in Chicago, Philadelphia und Phonix Arizona „geparkt“. Sie warten auf ihre Containerverschiffung nach Deutschland. In seinem Betrieb stehen momentan zehn Maschinen in eher modernerer Ausführung. Verkaufsschlager bei den Bikes von HD ist die Variante „Streetglide“ mit Verkleidung und Koffern. Aber es sind auch ganz individuelle Maschinen zu haben: „Eine Klassikermaschine wird für den Kunden auf Wunsch bei uns zusammengestellt. Wir haben ein umfassendes Technik- und Teilelager“, sagt Foth. Seine eigene Lieblingsmaschine ist eine Rarität: eine HD Knucklehead Baujahr 1943. Weltweit gebe es davon nur 50 Stück. Diese und andere Raritäten zu warten, ist hier möglich, denn neben den Know-how stehen auch alte Nachschlagewerke griffbereit zur Verfügung. Die Firma verkauft zwischen zehn und 15 Maschinen im Jahr. Die Preisspanne liegt zwischen 15.000 und 20.000 Euro. Schwerpunktmäßig sei man aber auf Reparaturen und Restaurationen von Harleys spezialisiert. Der Betrieb ist jedoch nicht sein Vollzeitjob, denn den hat Foth seit 39 Jahren bei der Pfalzwerke AG, mittlerweile als Netzleiter. In zwei Jahren geht er in den Vorruhestand. Am 1. Januar 2017 wird die Firma „Ghettoblasters“ in eine GmbH umgewandelt. Irgendwann später will Foth sie an seine Mitarbeiter übergeben und dann den Ruhestand genießen, wofür er sich in Phoenix, Arizona, niederlassen will. Infos www.ghettoblasters.de