Edenkoben
„Sehnsucht Pompeji“: Villa Ludwigshöhe öffnet mit Ausstellung zu Wandmalereien
Die Italiensehnsucht der Deutschen ist keine moderne Erfindung. Die Schwärmerei für das Land, wo die Zitronen blühen, hat unsere Vorfahren schon früh gepackt – zumindest jene wenigen, die es sich leisten konnten. Der bayerische Kronprinz wurde gerade geboren, als Goethe 1786 zu seiner ersten Italienreise aufbrach. Mit 18 Jahren machte sich Ludwig dann selbst auf in mediterrane Gefilde. Der junge Thronfolger war begeistert von der Antike. An der Universität Göttingen hatte er Vorlesungen zur Altertumskunde gehört. Er las griechische und lateinische Klassiker im Original. Für seine erste Italienreise 1804 nahm er sich ein ganzes Jahr Zeit, besuchte Venedig, die Städte Oberitaliens, Rom, traf Künstler, verliebte sich in die Tochter des amerikanischen Diplomaten Robert R. Livingston.
Über 40 Mal kehrte Ludwig zurück, kaufte 1827 für seine Aufenthalte in Rom die Villa Malta im Gebiet der antiken Horti Lucullani. 1839 besuchte der Bayernkönig mit seinem Hofarchitekten Friedrich von Gärtner die Ruinen von Pompeji und Herculaneum im Golf von Neapel. Er soll sogar selbst gegraben haben in der Casa del Fauno, in der die berühmte Statuette des tanzenden Satyr gefunden wurde.
Aus lauter Verehrung hat Ludwig I. sogar Gedichte verfasst auf die antiken Stätten: „Leben athmend und doch von dem Leben für immer verlassen, schweigt es ewig in Dir, ewig doch sprichst du zu uns.“. Einigen Poemen kann man jetzt in der Villa Ludwigshöhe an Hörstationen lauschen – auf Hockern, die den antiken Götterthronen nachempfunden sind. Ludwigs Leidenschaft übrigens verdanken die Bayern und die Speyerer auch ihre Schreibweise mit y.
Als bayerischer Herrscher – zwischen 1825 und 1848, als er wegen der Staatsaffäre Lola Montez 1848 abdanken musste – ließ er sein Reich nach römischen und griechischen Idealmaßen umgestalten. München machte er zum „Isar-Athen“ mit Bauten von Leo von Klenze im klassizistischen Stil wie der Glyptothek für die Antikensammlung der Wittelsbacher am neuen Königsplatz.
Seinen Hofarchitekten Gärtner ließ der König neben diversen anderen Bauten zwei Villen nach römischem Vorbild entwerfen: 1840 das Pompejanum am Hochufer des Mains in Aschaffenburg und sechs Jahre später die Villa Ludwigshöhe am Haardtrand über Edenkoben. Das Pompejanum entstand – explizit um als lehrreiches Anschauungsobjekt zu dienen – nach dem Vorbild der Casa dei Dioscuri (Haus der Dioskuren), die Ludwig I. in der Ausgrabungsstätte am Vesuv gesehen hatte. Mit seinen Mosaik-Steinböden und Wandmalereien vermittelt es in der Tat ein Bild vom Aussehen und den Lebensverhältnissen in einem Stadthaus der frühen Kaiserzeit am Golf von Neapel.
Die Villa Ludwigshöhe mit ihrer doppelstöckigen Loggia war hingegen als privater Sommersitz des Monarchen geplant. Repräsentationsräume fehlen, denn ein Schloss sollte das Gebäude nie sein. Statt aus kühlem Stein sind ihre Mosaikböden aus Edelhölzern wie Nussbaum und Rosenholz gefertigt. Auch die Tapeten, die sich bei der sechsjährigen Restaurierung fanden, erzählen vom Wunsch nach bürgerlichem Wohlbehagen. Das Gelände drumherum wurde mit einem Weinberg und einem Kastanienwald nach dem Typus einer ländlichen Villa in der Toskana gestaltet.
So unterschiedlich ihr Zweck: Wer beide Villen – Pompejanum und Ludwigshöhe – besucht, wird sich dennoch verwundert die Augen reiben ob der Ähnlichkeit der Wandmalereien. Sie sind von den vier verschiedenen Freskentypen inspiriert, die Archäologen in jenen Häusern fanden, die 79 nach Christus bei einem gewaltigen Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurden. „Inspiration Pompeji“ hieß schon eine Sonderausstellung, die in Aschaffenburg bis Oktober 2025 zu sehen war. In ihr präsentierte die Bayerische Schlösserverwaltung Reproduktionen der Entwurfszeichnungen, die nun auch in der Südpfalz ausgestellt sind.
Die mit Leimfarben ausgeführten ornamentalen Deckenmalereien nach dem Vorbild der Villa des Diomedes waren bereits 1852 in der Villa Ludwigshöhe entstanden. Die üppigen Wandmalereien in Speisezimmer und Gesellschaftszimmer gab aber erst Prinzregent Luitpold 1899 in Auftrag: bei dem Aschaffenburger Maler Adalbert Hock, der schon seit fünf Jahren als Restaurator im Pompejanum gearbeitet und dabei einige verwitterte Stellen fast vollständig neu gemalt hatte. In die Südpfalz brachte er aus Unterfranken Fotos und Skizzen mit, an denen er sich orientierte.
Die Wandbemalungen sind keine Fresken nach antikem Vorbild, also Malereien auf den feuchten Putz; sie wurden mit Harzölfarben auf den mit Schellack abgesperrten Kalkputz aufgetragen. Der Speisesaal erhielt die typische Gliederung durch große Wandfelder in pompejanischem Braunrot mit schwebenden Figuren oder Landschaftsbildern im Zentrum. Die Sockel sind dunkler gehalten und zur Decke hin schließt sich in Ockertönen Scheinarchitektur mit Ornamenten und floralen Gebilden an. Im Gesellschaftszimmer dominiert das toskanische Gelb. Das kleine Zimmer vor dem Speisesaal führte der Edenkobener Maler Schmitt nach Hocks Skizzen aus.
Die Figuren waren schon im Pompejanum nach Kopien, nicht nach den italienischen Originalen gemalt worden. In der Ludwigshöhe wurden sie noch einmal nach klassizistischem Geschmack geglättet. Gut zu sehen ist das an der Schwebenden mit Blumen im Speisesaal, die jetzt als Aushängeschild der Ausstellung dient. Die nackten antiken Damen hat Hock verschämt in Tücher gehüllt, aus einem orgiastischen Tanz wurde ein elegantes Ballett. Die Ausstellung lenkt den Blick auch darauf, wie die Zeichnungen per Lochpause oder Abklatsch auf die Wand übertragen wurden. Es gibt Erklärungen zu den verschiedenen pompejanischen Stilen und den Künstlern, die an den Villa mitgearbeitet haben.
Die Bayern zeigten zusammen mit den Reproduktionen der Zeichnungen auch Originalfunde aus römischer Zeit, darunter einen pompejanischen Silberschatz aus der ehemaligen Antikensammlung des Hofs. In der Südpfalz hat Kuratorin Jessica Janacziak stattdessen einige Originale und Repliken aus dem Rheinischen Landesmuseum in Trier erhalten: einen Türklopfer, Öllampen, einen ungewöhnlichen Schlüsselring, das Fragment einer Wandmalerei mit einer kürbisartigen Frucht, Beschläge der typischen Liegen (Klinen) und ein Stück eines Oscillums, wie es die alten Römer gerne als Deko zwischen Säulen aufhängten. Das herausragende Original ist aber immer noch die frisch sanierte Villa Ludwigshöhe selbst.
Einige Mitmachstellen gibt es. An einer Magnetwand können Besucher eigene Wandmalereien zusammenpuzzlen, aus Holz- und Steinplättchen lassen sich Mosaike legen und ein Hintergrund dient für Selfies.
Die alte Slevogt-Galerie soll nicht zurückkehren
Und am Ende der kleinen Sonderausstellung steht der Besucher vor einem Banner, das ankündigt, worauf wahrlich schon viele warten: Wenigstens einige Gemälde von Max Slevogt will das Landesmuseum Mainz ab Mai mit Werken von Otto Dill und Rolf Müller-Landau endlich wieder in der Villa zeigen. Die alte Slevogt-Galerie soll aber nicht in Gänze zurückkehren, wie ein Sprecher der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) auf Anfrage bestätigt. „Der Schwerpunkt der Präsentation von Max Slevogt wird zukünftig im Landesmuseum Mainz liegen, das auch einen eigenen Forschungsbereich zu Max Slevogt hat.“ Nach einer Untersuchung der Gemälde sei es aus restauratorischer Sicht nicht empfehlenswert, diese über einen längeren Zeitraum in der Villa Ludwigshöhe zu präsentieren, auch deshalb habe man von dem Konzept der Dauerausstellung gelöst. „Es gibt keine Klimatisierung der Räume und auch die Fenster sind nach wie vor die historischen Fenster und daher nicht dicht.“
Nachdem auch der Slevogthof bei Leinsweiler nicht dauerhaft öffentlich zugänglich ist, wird es also keine Stätte mehr geben am Wohnort Max Slevogts, die das Werk des berühmtesten Pfälzer Malers feiert.
Info
Die Villa Ludwigshöhe ist bis 31. Oktober mittwochs bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen, bis 30. November dann noch bis 17 Uhr. Homepage