Rheinpfalz „Romantik? Nee, aber die Aussicht ist fantastisch“

... doch das Panorama, dass er von seiner Terrasse auf Burg Berwartstein hat, findet er fantastisch – besonders wenn es neblig i
Burgherr Reiner Klose hätte gerne mehr Komfort beim Wohnen ...
Unbequemer Zugang: Anfangs war der steile Tunnel im Sandstein der einzige Zugang zur Burg.
Keine Chance für eine Wärmedämmung: Auf Burg Berwartstein wird es im Winter bitterkalt, auch in den Fluren, die zu den Wohnungst
Keine Chance für eine Wärmedämmung: Auf Burg Berwartstein wird es im Winter bitterkalt, auch in den Fluren, die zu den Wohnungstrakten der Bewohner führen.
Für ein verlängertes Wochenende inzwischen beliebt: Die Suiten im Hauptturm der Burg.
Der Berwartstein wurde in vielen Bauetappen zu der Burg, die wir heute kennen. Der Rittersaal gehört zu den ältesten Räumen. Heu

Erlenbach.“Die Burg Berwartstein ist ein architektonisches Wunderwerk, das inzwischen auch mit zeitgemäßer Raffinesse überrascht. Zum Beispiel: Jede einzelne Ziegel des Hauptturms ist geklammert. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass Burgfamilie Wadle den mächtigsten der Türme mit Biberschwänzen neu eindecken ließ. Das war nötig, denn eine Windhose hat kreisrund alles von da oben runtergeholt. „Zum Glück konnten wir damals noch reagieren, weil der Turm von innen zugänglich war“, erzählt Reiner Klose, der einst in die Burgherrenfamilie Wadle einheiratete, von dem Abenteuer, als der Turm zur Sanierung verschalt wurde. Da blieb erst mal nicht mehr viel übrig, schmunzelt der Burgherr im Nachhinein. Spezialhandwerker seien nicht notwendig gewesen, aber allein durch die Gerüste war die Baumaßnahme sündhaft teuer. Die Dachsanierung wurde von der Mainzer und Pirmasenser Denkmalbehörde begleitet, denn Burg Berwartstein steht unter Denkmalschutz. „Ich hoffe, dass der Turm nun allen Winden standhält“, bekundet Klose, der es absurd findet, mit dem Speyerer Dom in einem Topf zu sein. Dennoch: Seine Familie habe Glück gehabt, dass der lange zuständige Mann der Denkmalpflege in Pirmasens, Peter Martini, ziemlich ähnlich ticke wie sie. Außerdem trete das Amt ja nur auf den Plan, wenn es um die Außenansicht geht. Trotzdem findet er Denkmalpflege paradox. „Es gibt wenig Geld, sie wollen aber am meisten mitreden“, findet Klose. Um die 10.000 Euro gab es für das Dach von der Behörde. Die hätten nicht mal die Kosten des Gerüstbauers gedeckt. Die Kosten der Dachsanierung beliefen sich insgesamt auf 40.000 Euro. Die davor zuletzt bezuschusste Maßnahme liege inzwischen 25 Jahre zurück, trotzdem gab es so wenig Geld. Damals sei das Dach über dem mittelalterlichen Rittersaal der Felsenburg erneuert worden, in dem die Familie heute ein Restaurant betreibt. Der älteste Teil der Burg sei wohl der ursprüngliche Aufstiegskamin an der Südostseite des Burgfelsens, meint Klose, der die Burg inzwischen wie seine Westentasche kennt. Denn schon mit 14 Jahren begann er, sich als Jugendlicher mit Führungen ein Taschengeld zu verdienen. Besagter Kamin erhebt sich teilweise sogar durch überhängende Felsen über 50 Meter in die Höhe. Diese gleichermaßen steile wie enge Naturröhre bot einst die einzige Möglichkeit, nach oben in die Burg zu gelangen. Seit 1955 gehört die Burg oberhalb von Erlenbach der Familie Wadle, die dort mit drei Generationen residiert. Wer denkt, dass sich die Familie dort schön ausbreiten kann, täuscht sich. Nur 20 Prozent der Burg sei Nutzfläche, erklärt der Burgherr der einzig bewohnten Burg im Wasgau. Die letzte Großaktion, die das Gesicht der Burg komplett veränderte, fand um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert statt. Ein Ostpreuße namens Theodor von Baginski hatte die Burg gekauft, nachdem sie 300 Jahre lang, seit Ende des 16. Jahrhunderts, leer gestanden hatte. „Der hat offenbar mehr Geld gehabt als wir und konnte sich das leisten, eine ganze Burg zu bewohnen“, kommentiert Klose den gigantischen Eingriff des damaligen Burgherrn, der sich die Burg hatte herrichten lassen, um dort zu wohnen. Viel Mauerwerk habe er damals ergänzt, weil die Burg nach einen Blitzeinschlag abgebrannt war, erzählt Klose. Aber auch der Zweite Weltkrieg war eine schmerzhafte Phase für die Burg. Beide Haupttürme seien abgeschossen worden, was beim Wiederaufbau architektonisch eine Herausforderung gewesen sei. „In dieser Zeit war der Opa von meiner Frau als Verwalter eingesetzt, der die Burg später dann kaufte“, so Klose. „Die ganzen Kriegsschäden hat die Familie Wadle gestemmt, mit viel Arbeitseinsatz und Idealismus“, sagt der 57-Jährige, dessen Frau Barbara sich hauptberuflich um die Burg kümmert. Er selbst sei „Schreibtischtäter“, wie er sagt, und nur am Wochenende Burgherr im Privaten. Heute besteht der Berwartstein aus den Wohnungen der Eigentümer – die Wohnfläche beträgt etwa 150 Quadratmeter –, einer Gaststätte und dem Museum, das sich kreuz und quer durch die gesamte Burg zieht. Seit drei Jahren gibt es auch zwei Feriensuiten im ehemaligen Wehrturm in der Mitte der Burg, unter der sich die Kapelle befindet. „Die Schlafeinheit haben wir dort hochgesetzt“, erklärt Klose den Standort, wo man herrschaftlich mit Terrasse übernachten kann und sogar einen Schlüssel zum Badeweiher der Burg bekommt, zu dem die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. Allerdings: barrierefrei ist das alles nicht. Es geht steil auf und ab, ein Aufzug steht nicht zur Verfügung. „Wir haben hier auch eine extreme Wintersituation, denn eine Wärmedämmung oder eine Zentralheizung können wir uns abschminken“, erklärt Klose, der den Komfort einer normalen Wohnung vermisst. Von wegen romantischer Wohnort: Wenn andere die Heizkörper mal ein bisschen höher drehen, weil es kalt wird, muss Familie Wadle befürchten, dass die Leitungen platzen, weil die Rohre großteils im Außenbereich der Burg liegen. Genau das sei letzten Winter wieder passiert. Die Burg wird mit Holzöfen geheizt. Zusätzlich werden elektrische Infrarotheizer eingesetzt. Die Heizplatten sind an die Decke gehängt. Trotzdem: Wenn man abends durchs kalte Treppenhaus der Burg laufen muss, seien die Temperaturverhältnisse schwer gewöhnungsbedürftig. Doch obwohl es fast täglich Hiobsbotschaften bezüglich des Bauzustands gebe, genieße er das Leben auf der Burg. Am meisten fasziniere ihn das Gebäude an sich, die schlanke Konstruktion, die sehr ansprechend sei, aber auch die fantastische Aussicht. Das beste Panorama hat man von der zweiten Terrasse, findet er. „Wenn Nebel im Tal sei, glaubte man, die Burg stehe in den Wolken und über einem der blaue Himmel“, schwärmt Klose. Von Erlenbach ist dann nichts mehr zu sehen.

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