Rheinpfalz Riechen, sehen, fühlen

Rodalben. Es riecht gut, sehr gut bei der Rodalberin Christine Lauer. In der Hauptstraße, etwas versteckt im Hinterhof unter dem Dach, findet sich ihre Seifenmanufaktur. Und wenn die 49-Jährige ihre Wohnungstür öffnet, kommt dem Besucher gleich eine ganze Sinfonie an Düften entgegen.

„Bei mir riecht es immer gut“, lacht Lauer und führt den Besucher in einen Raum mit einer Einbauküche, die nur für die Seifensiederei genutzt wird. Auf Regalen finden sich die Ingredienzien für Lauers Spezialseifen. Blütenblätter, Kaffeebohnen, Samen, Rohseide und vieles mehr bewahrt sie in Gläsern auf. Holzformen warten auf die flüssige und warme Seife, eine Waage und der Küchenherd zum Seifenkochen sind alles, was die Rodalber Seifensiederin für ihr Handwerk braucht. Ein Handwerk, das bis ins Mittelalter zurückgeht, wie Lauer betont. „Das war früher ein echtes Handwerk und auch in der Handwerkerrolle eingetragen.“ Lauer will die Tradition am Leben halten und ihren seit Juli angemeldeten Kleinbetrieb im Nebenerwerb nicht auf industrielle Maße anwachsen lassen. Vor 15 Jahren habe sie mit den ersten Seifen begonnen. Der Grund damals war reine Neugierde, aber auch der Wunsch, etwas gegen die ständigen Hautprobleme zu tun, mit denen sie sich rumplagte. „Meine Haut wurde sichtbar besser“, nennt sie die Folge. Und mit vielen weiteren Experimenten wuchs auch ihr Wissen um die Seifensiederei, die sie kreativ mit allerlei exotisch anmutenden Inhaltsstoffen ergänzte. Allerdings immer alles naturbelassen und ohne chemische Zusätze. Das ist Lauer wichtig. Seife mit Kaffee oder Seide hört sich allerdings etwas ungewöhnlich an. Die Kaffeebohnen selbst kommen bei der Kaffeeseife nicht in die Lauge und das Öl. Lauer verwendet die ätherischen Öle des Kaffees, die sie teuer einkauft. „Der Liter kostet da aktuell 240 Euro.“ Ein Vier-Kilo-Block Kaffeeseife enthält etwa 50 Gramm Kaffeeöle. Die Herkunft ihrer Rohstoffe ist Lauer wichtig. Lavendel beispielsweise dürfe nicht aus einer Monokultur stammen. Deren Qualität sei für Nase und Haut Lauers nicht ausreichend. Die Farbe in ihren Seifenstücken komme auch nicht aus der Chemie sondern rein aus der Pflanze, betont sie. Und im Gegensatz zu vielen industriell gefertigten Seifen belasse sie das Glycerin komplett in der Seife. Die müsse dann erst mal mehrere Monate ablagern, bevor sie verkauft werden kann. Dadurch könne sie eine hautfreundliche Seife mit dem neutralen pH-Wert acht anbieten. Gleich nach der Verseifung von Lauge und Pflanzenöl habe die Seife noch einen sehr sauren pH-Wert von zwölf bis 13. In der Industrie werde dann mit chemischen Mitteln versucht, den Wert gleich zu drücken. „Die haben keine Zeit, erst die Seife liegen zu lassen.“ An Ölen nimmt sie eine Mischung aus Kakaobutter, Oliven-, Raps-, Palm- oder Weizenkeimöl. Manchmal kommt auch noch ein Schuss Avocadoöl dazu. Das Öl wird mit der Lauge auf den Herd gestellt und vorsichtig erhitzt. Nach zweistündigem Rühren bekomme die Seife die Konsistenz von Pudding, dann sei sie fertig. „Ich habe mir das alles selbst beigebracht. Da ist dann auch mal viel schief gegangen. Aber jetzt sitzt es“, erzählt sie. Das erlernte Wissen gibt sie weiter in Seifensiederworkshops, die sie in Altersheimen abhält oder bei der Volkshochschule. In Schulen gehe sie auch, wenn auf dem Lehrplan die Verseifung steht. „Bei den Vorträgen mache ich dann immer als erstes Riechspiele. Das kommt immer gut an. Die Nase ist eben unser Organ, das direkt in den ältesten Teil des Gehirns geht.“ Und ihre Seife habe sogar schon museale Weihen erhalten. Ein Kölner Schokoladenmuseum habe ihre Kreation mit Mandelöl und Bitterschokolade angefordert und ausgestellt. Der Direktverkauf lasse noch zu wünschen übrig. Auch über das Internet komme noch kein echter Umsatz zustande. Preislich beginnt eine Seife aus Lauers Manufaktur bei 3,50 Euro für 100 Gramm. Lauer will langsam wachsen, ohne große Investitionen am Anfang. Ihr Traum sei, später einmal mit einem Verkaufswagen über die Märkte zu ziehen, so wie sie es in Frankreich auch öfter gesehen hat. Und dann den Kunden die Seife wunschgemäß mit dem großen Messer direkt vom Block abzuschneiden und direkt in die Hand zu geben. „Riechen, sehen, fühlen, Seife ist was Wunderbares“, schwärmt die Rodalber Seifensiederin.

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