Eisenberg Rettet den Buchs!

Fleißig am Werk: der Buchsbaumzünsler.
Fleißig am Werk: der Buchsbaumzünsler.

Bedrohung aus Fernost: Der Buchsbaumzünsler macht Hobbygärtnern derzeit wieder das Leben schwer. Oft lässt er von einem einst prächtigen Buchsbaum nur das traurige Geäst stehen. Auch betroffen: unsere Autorin Bettina Bostan. Ein Erfahrungsbericht.

Kleine Raupe Nimmersatt. Wer kennt sie nicht, die Geschichte der gefräßigen Raupe, die am Ende ihrer Fressorgie ein schöner Schmetterling wird? Ähnlich verhält es sich beim Buchsbaumzünsler, den auch ich in großer Zahl vor einigen Tagen an einem meiner Buchsbäume entdeckte. Irgendwie sah er komisch aus, mein Buchsbaum, den ich schon einige Jahre habe und der im Topf auf meiner Terrasse steht. Im Winter gut eingepackt, damit er nicht erfriert, im Sommer gut gewässert und ab und zu in Form geschnitten, damit er auch gut aussieht – so ging das über viele Jahre gut. Bis zu diesem Frühjahr. Ich bemerkte leider viel zu spät, dass die Blätter des Buchsbaums teilweise abgefressen und große Teile mit einem merkwürdigen Gespinst umgeben waren, in dem kleine hellgrüne Pünktchen – wie sich später herausstellte, Kotkügelchen – zu sehen waren. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich dann das Elend: Lauter kleine grünliche Raupen hatten sich auf meinem Buchs breitgemacht und ließen ihn sich schmecken. Alarmstufe Rot: „Das muss der Buchsbaumzünsler sein“, dachte ich. Normalerweise versprühe ich kein Gift in meinem Garten, aber hier war mir klar: Die chemische Keule muss ran. Im Pflanzenmarkt verkaufte man mir ein Mittel gegen alle möglichen Schädlinge, auch gegen Raupen. Ohne Gnade machte ich mich ans Werk und sprühte, was das Zeug hielt. Der Buchsbaum triefte am Ende – so, das habt ihr jetzt davon, dachte ich. Als am nächsten Tag die Raupen unbeeindruckt weiter auf meinem Buchsbaum herumsaßen und nicht mal einen schlechten Eindruck machten, verlor ich die Geduld, griff zur Gartenschere und schnitt in meiner Panik alle befallenen Zweige einfach ab, schließlich sollten meine anderen Buchsbäume nicht auch noch angesteckt werden. Voller Ekel – schön sehen die Raupen wirklich nicht aus – stopfte ich die abgeschnittenen Zweige in die Mülltonne und sprühte nochmals mit dem Gift darüber. Jetzt sollte aber Schluss sein. Pustekuchen. Am nächsten Morgen beim Öffnen der Mülltonne krabbelten mir doch tatsächlich einige Exemplare munter entgegen, denen ich entschlossen mit dem Gartenschuh zu Leibe rückte. Zum Glück kam am übernächsten Tag die Müllabfuhr und hat alles mitgenommen. Meinem Buchsbaum geht es inzwischen wieder gut – okay, er ist nur noch halb so groß wie vorher, aber er kann ja wieder wachsen. Das sagt die Expertin „Mein Buchs lebt noch“, freut sich die Vorsitzende des Naturschutzbundes Eisenberg/Leiningerland, Susanne Bentz. Auch ihre Buchsbäume waren vom Zünsler befallen. „Ich habe sie mit einem biologischen Pflanzenschutzmittel behandelt, das mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis arbeitet“, verrät die Gärtner-Meisterin. Die Larven werden mit dem Bacillus infiziert und sterben nach einigen Tagen ab. Das sei zumindest der Plan. „Das Problem ist das rechtzeitige Erkennen“, so Bentz. Beim Rückschnitt der Pflanzen sei darauf zu achten, das Gießverhalten der reduzierten Blattmasse anzupassen. Das Gespinst, das die Raupen bilden, sei als Schutz gegen die Vögel gedacht. Die Gartenexpertin hat noch einen Geheimtipp parat: „Wenn man den Buchs einfach locker wachsen lässt, ihn nicht mehr in Form schneidet, können die Vögel hineinfliegen und die Raupen fressen – das wäre ganz natürlich“, empfiehlt sie. Als Alternative für Buchsbäume im heimischen Garten nennt sie die Kleinblättrige Stechpalme (Ilex Crenata), das Silberblättrige Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus), das Olivenkraut (Santolina viridis) oder andere Halbsträucher. „Diese Sorten lassen sich gut in Form schneiden und werden vom Buchsbaumzünsler nicht befallen“, so die Pflanzenfachfrau, und weiter: „Die Nachtfalter, die aus den Raupen der Buchsbaumzünsler entstehen, sind Futter für Fledermäuse, also hängt viele Fledermauskästen auf.“

Unsere Autorin Bettina Bostan zeigt an, wie hoch der Buchsbaum war, ehe er vom Buchsbaumzünsler befallen wurde.
Unsere Autorin Bettina Bostan zeigt an, wie hoch der Buchsbaum war, ehe er vom Buchsbaumzünsler befallen wurde.
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