Rheinpfalz Pfundstein - Becker: 1:0

Rodalbens Verbandsbürgermeister Werner Becker (CDU) mag keine Überraschungen. Er bereitet seine Sitzungen daher akribisch vor. Aber das nutzte ihn am Mittwoch nichts. In weiten Teilen verlief die Sitzung anders als er sich das wohl gewünscht hat. Die Tagesordnung bildete lediglich ein grobes Gerüst, die FWG attackierte Becker immer wieder mit neuen Anträgen. Je später der Abend wurde, desto gereizter und dünnhäutiger reagierte der Verbandsbürgermeister. Er spürte, dass er die Sitzung nur noch schwer in den Griff bekommt. Wer sein Gesicht beobachtet hat, sah wie ihn das wurmte. Becker ist es schließlich gewohnt, dass er alles unter Kontrolle hat.

Aber Peter Pfundstein, der Meister der Detailkenntnisse, setzte gezielte Nadelstiche, denen der Verbandsbürgermeister kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Der FWG-Sprecher mag mit seiner ihm eigenen Art, den Dingen auf den Grund zu gehen, anstrengend sein, aber am Mittwoch agierte Pfundstein strategisch clever. Mehrfach musste Büroleiter Kurt Becker seinen Chef, Verbandsbürgermeister Werner Becker, und die CDU-Fraktion an geltendes Recht erinnern. Die Gemeindeordnung verhinderte, dass Pfundsteins Anliegen von der CDU/FDP-Mehrheit einfach abgebügelt werden. Pfundstein hat eindrucksvoll demonstriert, dass er nicht nur die Gemeindeordnung kennt, sondern der eigentliche Oppositionsführer ist.

Von der SPD war nur wenig zu hören. Deren Antrag zu den Vorgängen rund um die geplanten Windkraftanlagen verlief großteils im Sande. Sprecher Wolfgang Denzer argumentierte sachlich und nüchtern. Das ist seine Stärke, aber im Wahlkampf darf auch mal gepoltert werden - zumal, wenn es um einen starken Gegner wie die Rodalber CDU geht. Auf Denzers Fragen war Becker vorbereitet. Im Gegensatz zu Pfundsteins Angriffen, konnte er sie mühelos abwenden.

Die Grünen-Frau Barbara Metzger stimmte als einzige aus der Opposition gegen den FWG-Antrag, dass Becker die Kosten für den Rechtsstreit mit dem Beigeordneten Claussen tragen soll. Niemand weiß, was sie geritten hat, mit ihrer Stimme die CDU/FDP-Koalition zu unterstützen. Ihr Fraktionskollege Ralf Lehmann hat hingegen verinnerlicht, was Oppositionsarbeit bedeutet. Bisweilen scheint es, dass die beiden Grünen entweder ihr Vorgehen nicht abstimmen oder gar keine gemeinsame Strategie existiert.

In Zeiten des Wahlkampfs hat sogar FDP-Sprecher Christian Biehl gemerkt, dass er sich zu Wort melden darf. Schade, dass nichts Substanzielles dabei rüber kam. Immerhin kennen die anderen Ratsmitglieder jetzt auch mal seine Stimme.

Interessant war es, die CDU-Fraktion zu beobachten. In den Reihen der Christdemokraten hat sich etwas verändert. War die Fraktion in der vergangenen Sitzung noch mucksmäuschenstill und segnete einfach ab, was Verbandsbürgermeister Becker vortrug, ergriff ihr Sprecher Hugo Wadle diesesmal zumindest bei einigen Punkten das Wort und mischte sich in die Diskussion ein. Die Christdemokraten haben offenbar bemerkt, dass sie sich nicht nur auf ihr stärkstes Pferd im Stall, den Verbandsbürgermeister, verlassen dürfen. Wer Wahlen gewinnen will, muss seine Positionen vortragen, schlüssig argumentieren und so die Wähler überzeugen. Gut, dass die CDU das gemerkt hat. Aus der Arroganz der Macht wurde noch selten politisches Kapital geschlagen. (Fotos: ns/mar)

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