Landau / Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Medienartistin Jessica Avarello schafft es mit ihrer Kunst nach Australien

10.000 Menschen kommen täglich an „Golden Habitat“ von Jessica Avarello vorbei.
10.000 Menschen kommen täglich an »Golden Habitat« von Jessica Avarello vorbei.

Fulminanter kann man als Künstler wohl kaum rauskommen. Jessica Avarello hat es mit einem 3-D-Werk auf einen der größten LED-Screens der westlichen Hemisphäre geschafft.

Ein Jahr lang ist ihre Videoinstallation „Golden Habitat (extended)“ auf einer Fläche von über 400 Quadratmetern im Foyer der Edith Cowan University (EWU) in Perth, Australien, zu erleben.„Ich möchte den Studierenden ein Gefühl von Heimat, Zuhause und Geborgenheit geben“, erklärt Jessica Avarello die Idee ihres digitalen Kunstwerks, das nun ein Jahr lang über vier Stockwerke hinweg drei Wände des Foyers einer der modernsten Universitäten Australiens füllt. Ein ganz besonderer Ort, an dem tagtäglich mehr als 10.000 Menschen ein- und ausgehen, aufeinandertreffen, sich austauschen oder ausruhen – der Nukleus eines neuen, erst im Februar 2026 eingeweihten Gebäudes der renommierten Universität, die ihren Namen nach der ersten Frau hat, die im australischen Parlament vertreten war. Das war 1921.

Wie aber kommt die Kunst einer in Wittlich geborenen, in Lustadt aufgewachsenen und heute in Kaiserslautern lebenden 31-jährigen Medienkünstlerin auf die XXL-LED-Leinwand einer Uni am anderen Ende der Welt? „Man muss nicht in einer Metropole leben, um in der virtuellen Kunstwelt mitzumischen“, meint die sympathische Pfälzerin, die nach ihrer Schulzeit am Eduard-Spranger-Gymnasium und der Berufsbildenden Schule in Landau den Studiengang Virtual Design an der Hochschule Kaiserslautern absolvierte und sich danach mutig für eine selbstständige künstlerische Laufbahn entschied.

Jessica Avarello vor einer ihrer Arbeiten in Paris
Jessica Avarello vor einer ihrer Arbeiten in Paris

Wichtig sei vielmehr eine gute Vernetzung, und eine unverwechselbare künstlerische Handschrift, mit der man sich im Lauf der Zeit einen Namen macht. Die hat Jessica Avarello von Anfang an gepflegt – mit einer hochästhetischen Mischung aus spirituellen Elementen, Traumszenen und visualisierten Geschichten, die das Unterbewusstsein ansprechen und in einer immer hektischer und fordernder werdenden Welt Oasen der Ruhe und der Harmonie entwerfen. Deshalb üben ihre fantasievollen Werke gerade an Orten mit großen Menschenaufkommen eine magische Wirkung aus.

Schon ihr Gastbeitrag für die Fashion-Industrie der London Pride, der vor einigen Jahren als Dauerloop über einen Megascreen auf dem Piccadilly Circus lief, war ein großer Achtungserfolg. Beiträge zu Ausstellungen weltweit, darunter der „Blockchain Futurist Conference 2023“ im kanadischen Toronto, einer wichtigen Art-Messe für den virtuellen Kunstmarkt, stärkten ihr Profil und führten zur Zusammenarbeit mit einer Agentin aus Dubai, die zuerst eine fünf Monate lange Ausstellung in Moskau und nun den Auftrag der ECU in Perth an Land gezogen hat.

Kunst in XXL
Kunst in XXL

Vier volle Monate hat Avarello an ihrem bislang bedeutendsten Werk gearbeitet, bis die Mega-Datei mit 400 Gigabyte „Stoff“ auf der digitalen Autobahn zwei Tage lang von der Pfalz nach Perth unterwegs war. „Ich war sehr unter Strom, dass das alles klappt“, erinnert sich die Künstlerin auch an die großen technischen Herausforderungen. Aber die Mühe hat sich gelohnt, eine tollere Performance wäre gar nicht denkbar, und das 10-minütige, lautlose Werk, das als Loop angelegt ist und im Wechsel mit den Arbeiten anderer Künstler mehrmals täglich das Foyer bespielt, kommt bei den Studierenden so gut an, dass es oft im Internet gepostet und begeistert kommentiert wird. Kein Wunder, denn die Künstlerin will mit ihrer Arbeit gute Gefühle, Geborgenheit, Ruhe und Kontemplation vermitteln, sodass das Foyer „zu einem spirituellen Zuhause, einem Rückzugsort“ werden kann. Auch die Natur, das Werden und Vergehen, spielt dabei eine Rolle.

Die Animation, so erläutert die Medienartistin, entwickelt sich über vier surreale Räume und beginnt mit warmen Orangetönen dort, wo Leben entsteht. Hände zitieren ein Mudra als Zeichen der Meditation und Hinführung zur Konzentration. Der zweite Raum entführt in eine Unterwasserwelt, die das Unterbewusstsein betont und dazu einlädt, in sich zu kehren. Die Farbe Grün dominiert den dritten Raum, in dem viele Pflanzen wuchern und weite Wiesen dazu verleiten, den Augenblick zu genießen, „in den Zen-Modus zu schalten“, zu chillen. „Im vierten Raum wird es dann „dunkler, mystischer, surrealer und abstrakter.“ Er geht noch tiefer ins Unterbewusstsein, bevor die Sequenz wieder von vorne, mit der Geburt, beginnt und sich der Kreislauf schließt.

Mit ihrer Kunst möge das Uni-Foyer ein zu einem spirituellen Rückzugsort werde, wünscht sich Jessica Avarello.
Mit ihrer Kunst möge das Uni-Foyer ein zu einem spirituellen Rückzugsort werde, wünscht sich Jessica Avarello.

Im Spätjahr will die Künstlerin unbedingt selbst nach Perth fliegen will, um die Wirkung ihrer Arbeit an Ort und Stelle zu erleben. Bis dahin wird sie ihr neues Projekt in Angriff nehmen, für das sie unter dem Künstlernamen AVA ein Business starten und sich der virtuellen Umsetzung von Träumen und der noch intensiveren Auseinandersetzung mit dem Unterbewusstsein widmen will. Dafür wird sie auch wieder mit ihrem Partner David Mudra zusammenarbeiten, der als Sänger und Gitarrist die passenden Klangteppiche und Sounds generieren und emotionales Input aus seinem Sujet geben kann.

Info

Anschauen lässt sich die Arbeit auf Jessica Avarelos Instagram-Account: https://www.instagram.com/avarello_virtualarts/

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