Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Partnerverein aus Kroatien zu Gast in Nanzdietschweiler

Ein Besuch auf Burg Lichtenberg durfte nicht fehlen. Foto: m. hoffmann
Ein Besuch auf Burg Lichtenberg durfte nicht fehlen.

Eine seit über 30 Jahren währende Freundschaft verbindet den Musikverein Nanzdietschweiler mit einem Musikverein aus Tisno in Kroatien. Im Zweijahres-Turnus besucht man sich gegenseitig. Jetzt sind die Kroaten zu Gast am Glan.

Der Bus, der am Mittwoch an der Kurpfalzhalle vorfuhr, war gut 20 Stunden unterwegs gewesen. „Das hat es noch nie gegeben“, stellte Volker Kaufmann, der Vorsitzende des Musikvereins Nanzdietschweiler, erheitert fest, „dass die Kroaten eine halbe Stunde zu früh ankommen.“ Die Mitglieder des Musikvereins „Kulturno Umjetnicko Drustvo Hartic“ hievten unter Mithilfe der Nanzdietschweilerer ihr Gepäck aus dem Bus. Im Nebenraum der Kurpfalzhalle wurden sie nicht nur von ihren Gastgebern, sondern auch von einem reichhaltigen Buffet erwartet.

Über 40 Gäste aus Tisno, einem kleinen Ort an der Küste von Mitteldalmatien, sind derzeit in Nanzdietschweiler und in einigen umliegenden Gemeinden untergebracht. „Nicht alle unsere Vereinsmitglieder kommen direkt aus dem Ort“, sagt Ulrike Urschel im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Deshalb beherberge zum Beispiel auch Sabine Semmelmann aus Schrollbach drei kroatische Gäste. Zusätzlich hätten sich auch einige als Gastgeber angeboten, die gar nicht im Musikverein sind.

Konzert heute der Höhepunkt

„Es freut mich, dass ihr auch die Sonne mitgebracht habt“, lobte Volker Kaufmann bei der Begrüßung am Mittwoch, bevor er den Programmablauf des fünftägigen Aufenthalts vorstellte, den Krsto Baric für seine Landsleute übersetzte. Das mit dem guten Wetter hielt allerdings nur bis zum späten Nachmittag. Vom Programm wurde dennoch nicht abgewichen: Bei wolkenverhangenem Himmel gestern früh versammelten sich die Kroaten und einige Einheimische vor der Kurpfalzhalle, um erst dem Wildpark auf dem Potzberg und anschließend der Burg Lichtenberg und dem Musikantenlandmuseum einen Besuch abzustatten.

„Werdet während eures Aufenthaltes hier aber nicht zu deutsch“, sagte Kaufmann in scherzhafter Anspielung auf die verfrühte Ankunft der Kroaten. „Sonst müssen wir in den nächsten Tagen alle so früh aufstehen.“ Sowohl am Mittwoch als auch gestern traf man sich abends noch einmal zum gemütlichen Beisammensein. Ein Höhepunkt des Aufenthalts ist das heutige Konzert in der Kurpfalzhalle ab 20 Uhr. Der Hauptteil dieses Konzerts gehört den kroatischen Gästen; eröffnet wird es von der Jugendbläsergruppe aus Nanzdietschweiler, die erst kürzlich gegründet wurde.

Im Wartezimmer Freundschaft geknüpft

Die Konzerte zählen zu den festen Programmpunkten bei den gegenseitigen Besuchen, die seit 33 Jahren stattfinden. Der Ursprung der Freundschaft geht auf einen Urlaub im Jahr 1985 zurück: Holger Müller, der später Vorsitzender des Musikvereins wurde, hatte in Dalmatien wegen einer Magenverstimmung einen Arzt aufgesucht. Im Wartezimmer lernte er einen Kroaten kennen, ebenfalls Musiker in einem Verein. Aus dem Gespräch ergab sich eine private Einladung und schließlich die Idee eines ersten Besuchs. Im Mai 1986 kamen die Kroaten erstmals nach Nanzdietschweiler, im Folgejahr fand der erste Gegenbesuch statt. Man einigte sich auf einen Zweijahres-Rhythmus, der bis heute Bestand hat.

Abseits davon sind viele private Freundschaften entstanden: „Und es vergeht eigentlich kein Sommer, in dem kein Nanzdietschweilerer in Tisno ist“, sagt der Vorsitzende des örtlichen Musikvereins. Auch die Jugoslawienkriege hätten dem regelmäßigen Kontakt nichts anhaben können, die Nanzdietschweilerer führten in dieser Zeit sogar mehrere Hilfstransporte nach Kroatien durch.

Besucher zwischen zwölf und 79 Jahre alt

Die Altersspanne der Besucher in diesem Jahr erstreckt sich von zwölf bis 79 Jahre. „Bei uns sind zwei Mädchen untergebracht – eine von 15 und eine von 17 Jahren“, verrät Daniela Hix. Der 79-jährige Präsident Rajko Cuzela Papata hingegen hat bei Karl-Ernst Jung Unterschlupf gefunden: „Der Mann kann sehr gut mit dem Übersetzungsprogramm umgehen; damit überwinden wir die Sprachbarriere.“ Einige der kroatischen Gäste können aber auch Deutsch: etwa Zoran Salamun, der in Kroatien für einen Deutschen aus Solingen gearbeitet hat. Oder Neno Zuric: „Ich bin in Boppard geboren und kam erst später nach Kroatien.“

Der neunte Besuch der Kroaten in Nanzdietschweiler dauert noch bis Sonntag an. Dann machen sich die Gäste auf den Rückweg in ihr Küstendorf in Dalmatien.

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