Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Ohnsorg-Theater in der Stadthalle

Beate Kiupel als Lilli, Meike Meiners als Meta und Verena Peters als Carla (von links) in der Komödie von Lars Büchel und Ruth T
Beate Kiupel als Lilli, Meike Meiners als Meta und Verena Peters als Carla (von links) in der Komödie von Lars Büchel und Ruth Toma auf der Bühne des Ohnsorg Theaters.

„Zeit ist Geld – Jetzt oder nie“: das Ensemble des Hamburger Ohnsorg-Theaters gastierte in der Stadthalle in Germersheim.

Mit einer vergnüglichen Komödie, die ein ganzes Kaleidoskop an Themen des letzten Lebensabschnittes ausbreitete, trat das Ensemble des Ohnsorg-Theaters Hamburg in der Germersheimer Stadthalle auf. Neben viel trockenem Humor, zum Glück in einer gut verständlichen hochdeutschen Fassung gesprochen und gespielt, gab es daneben nachdenkliche, sogar traurige Momente. Und immerhin eine Art kleines Happy End für die liebenswert-schrulligen Heldinnen.Die Inszenierung von Krystyn Tuschhoff kam mit erstaunlich wenigen Requisiten auf der Tournee-Bühne aus. Neben einem Rosa-farbenen, riesigen „Sparschwein“, das sich nahtlos in Regale eines Supermarktes, in den Tresor einer Bank oder sogar in ein Segelboot verwandelte, gab es nur noch drei sehr vielseitig einsetzbare „Möbelstücke“.

Reife Räuberinnen

Den Ort, wo die schnell aufeinander folgenden Szenen spielten, sagten die sieben Schauspieler bei Bedarf einfach jeweils an. Rasch war dem Publikum klar, dass die drei älteren Freundinnen Carla (Verena Peters), Lilli (Beate Kiupel) und Meta (Meike Meiners) am Ende ihres langen Lebens mit typischen Altersproblemen zu kämpfen haben. Meta hatte es am schlimmsten getroffen, denn bei ihr wurde eine Krebs-Erkrankung im Endstadium diagnostiziert. Lilli und Meta, ein Paradebeispiel eines Hypochonders, hatten eine erschreckend geringe Rente, die kaum zum „Über“-Leben ausreichte. Ihre Kinder konnten oder wollten nicht helfen.

Trotzdem oder gerade deswegen sparten die Damen seit acht Jahren auf ihr letztes großes Ziel hin. Sie wollten mit einem Kreuzfahrtschiff reisen. Um im Alltag Geld zu sparen, gingen sie sogar so weit, als ausgebuffte Diebesbande in Läden auf Raubzug zu gehen und das Diebesgut im Seniorenheim, wo Bekannte von ihnen lebten, meistbietend zu versteigern.

Keine Zeit mehr, das Leben zu verplempern

Just beim Einzahlen des Bargeldes aus dem Sparschwein auf der Bank gab es jedoch einen Überfall, bei dem auch das komplette Reisebudget von fast 11.000 Euro geraubt wurde.

Jetzt war guter Rat teuer, denn, wie Meta erklärte: „Wir haben keine Zeit mehr, das Leben zu verplempern“, das Geld müsse zurückgeholt werden, ebenfalls durch einen Banküberfall. Beim ersten Versuch war die Ausbeute viel zu gering, nach einem entsprechenden Tipp des Bankmitarbeiters Meier (Robert Eder als schrecklich in Lilli verliebter Senior) wurde der zweite Versuch gestartet. Ausgerechnet in dem Moment, als die unfähige Kripo den ersten Überfall vor Ort mithilfe der Videoaufzeichnungen nachstellen wollte. Dieser Moment, als die Akteure in der Bank je nach Abspielgeschwindigkeit einmal rasend schnell, dann in Zeitlupe und am Ende sogar rückwärts den ersten Überfall „nachspielten“, war der absolute Knüller. Die Zuschauer hatten Lachtränen ob der hektischen oder gähnend langsamen Aktionen, die schließlich direkt und ansatzlos in den tatsächlich „live“ ablaufenden Raubversuch übergingen.

Das Schicksal nimmt seinen Lauf

Das Schicksal nahm seinen Lauf, die drei Bankräuberinnen wurden gefangen und kamen ins Gefängnis, die Beute blieb jedoch erst einmal verschwunden. „Immerhin ist es hier warm, trocken und die Wäsche wird gewaschen“, erklärte Lilli mit Galgenhumor und in Sträflingskleidung.

Carla, die spürte, dass sie in der Zelle sterben würde, erklärte sich zur Drahtzieherin der Überfälle und starb. Als nach einigen Monaten ihre Freundinnen dank ihrer Aussage frühzeitig entlassen wurden, ging es mit einem eigenen Segelboot, gekauft von der Beute, doch noch aufs Wasser. Carla reiste als Asche in der Urne mit, begleitet von einem wehmütigen, live gesungenen Lied.

Alle Schauspieler zeigten großes Können auf der Bühne und brachten durch einen hanseatischen Zungenschlag norddeutsches Lokalkolorit mit ein. In mehreren Rollen schlüpften Kristina Bremer, Robert Eder, Oskar Ketelhut und Marco Reimers, die zusammen mit den drei Hauptdarstellerinnen eine tolle Leistung boten und kurzweilig unterhielten.

Mehr zum Thema
x