Kultur Südpfalz „Nicht nur ausstellen, sondern auch vermitteln“
Die prächtige Fassade des Hauses Waldstraße 3 im Karlsruher Stadtzentrum, nicht weit entfernt von der Staatlichen Kunsthalle, ist nicht zu übersehen. Seit 1900 hat in dem damals an der Stelle des abgerissenen Kadettenhauses eigens für ihn errichteten Gebäude der Badische Kunstverein seinen Sitz. Der wiederum wurde am 1. Mai 1818 gegründet und zählt damit zu den ältesten Kunstvereinen in Deutschland. Klar, dass das 200-jährige Bestehen ein Grund zum Feiern ist.
„Wir haben ja dieses repräsentative Haus, wir sind da ein Sonderfall“, ist sich auch die 2007 aus Berlin nach Karlsruhe gekommene Geschäftsführerin Anja Casser dieses besonderen Rahmens durchaus bewusst. Bis zur Eröffnung in der Waldstraße war der Verein in verschiedenen Domizilen untergebracht gewesen, darunter auch mal in der Kunsthalle. Hinter der historischen Fassade findet allerdings keine historische Nabelschau statt. Vielmehr werden auf rund 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche jährlich etwa acht Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt, oft neueste Positionen, wobei auf die gleichberechtigte Berücksichtigung von Künstlerinnen besonderer Wert gelegt wird. Auch sind Gruppenausstellungen keine klassischen Themenschauen, sondern der Versuch, verschiedene künstlerische Positionen in einen Diskurs zueinander zu setzen. Man habe da einen pädagogischen Ansatz, so Casser, die in Freiburg und München Kunstgeschichte studiert hat: „Wir wollen nicht nur ausstellen, sondern auch vermitteln.“ Da habe auch Streitbares, völlig Neues und Vielschichtiges seinen Platz. Der Schwierigkeit vieler, sich mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen, sei man sich bewusst. So gibt es denn auf der Besucherseite noch Luft nach oben, international sei der Kunstverein hingegen sehr bekannt. Immerhin zählt er trotz generationenbedingter Fluktuation über 1000 Mitglieder. „Wir konnten diese Zahl auch halten und haben eine erfreuliche Zahl an Jungen.“ Letzteres auch dank der Kooperationen mit der Akademie oder der Hochschule für Gestaltung. Auf Rosen gebettet ist man dennoch nicht. Fünf fest angestellte Mitarbeiter einschließlich Direktorin (zwei in Vollzeit) bewältigen das Programm, unterstützt von projektbezogenen freien Kräften. Zum Jubiläum wurde – bei vorübergehender Schließung – einiges umgebaut und aufgefrischt. Das Foyer wurde als Aufenthaltsort für Besucher und Mitglieder neu gestaltet. Der Lichthof wurde zum temporären „Festraum Club 2.00“, der große Waldstraßensaal wurde renoviert und der Bar-Raum von Studierenden der Akademie unter Leitung von Franz Ackermann neu ausgestaltet. Bis 21. Juli sind unter dem Sammeltitel „Allianzen I“ Ausstellungen zur Architekturgeschichte des Vereins (im nahen Architekturschaufenster), zum Thema „200 Jahre Kataloge, Ephemere und Anekdoten“ und zum Webseite-Projekt Archiv zu sehen, außerdem gibt es im Lichthof ein Hörspiel zur Vereinsgeschichte (Text und Regie Felicitas Wetzel und Volker Zander). Von heute bis 1. Juli ist als Beitrag zu den Europäischen Kulturtagen eine Ausstellung des polnischen Künstlerduos KwieKulik zu sehen, ab 20. Juli schließt sich eine Ausstellung „Kunst in Karlsruhe“ an, und unter „Allianzen II“ ist vom 14. September bis 1. Dezember ein umfangreiches und breit gefächertes Programm mit Kooperationspartnerinnen aus den Hochschulen vorgesehen. Eine Ausstellung Kathy Acker & Friends (5. Oktober bis 2. Dezember) schließt ein Symposium in Kooperation mit dem Englischen Seminar der Universität Köln ein, und zum Jahresende wird ab 18. Dezember die traditionelle Mitgliederausstellung eröffnet. Abgerundet wird das Jubiläumsprogramm durch Führungen, Konzerte, Bar-Abende und so weiter. Geschäftsführerin Anja Casser, zu deren Vorgängern so renommierte Experten wie Klaus Gallwitz oder Andreas Vowinckel – in seiner Zeit war übrigens die viel diskutierte „Wehrmachtsausstellung“ von Hannes Heer in der ersten Version im Kunstverein zu sehen gewesen – gehörten, hat zum Jubiläum das Ziel einer weiteren Öffnung des Badischen Kunstvereins ausgegeben. Da sollte sich dann niemand von den schweren alten Türen und der „herrschaftlichen“ Treppe abschrecken lassen. Info www.badischer-kunstverein.de