Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Neustadt: Starwinzer Fritz Keller empfiehlt, nicht jeden Trend mitzumachen

Zum Wohl: Starwinzer Fritz Keller vor seinem Vortrag im Saalbau.  Foto: Linzmeier-Mehn
Zum Wohl: Starwinzer Fritz Keller vor seinem Vortrag im Saalbau.

Es sind die großen Namen, die seit neun Jahren am Tag vor der Fachmesse „Veritable“ in St. Martin zu Vorträgen zum Thema Wein in den Saalbau kommen. Diesmal war es Fritz Keller, Star-Winzer vom Kaiserstuhl. Er erklärte, warum der zweite Schluck besser als der erste schmecken sollte.

Er habe sich „schon ein wenig gebauchpinselt gefühlt“, als er gefragt wurde, ob er im Vorfeld der „Veritable“ in Neustadt „etwas erzählen“ wolle, sagt Keller und lobt den „Ruf wie Donnerhall“, den die Messe im Aloisiushof in der Weinbranche genieße. Seit neun Jahren ist die Veranstaltung ein gefragter Anziehungspunkt für Fachleute, regelmäßig strömen über 500 Journalisten, Gastronomen und Sommeliers nach St. Martin, um das „Who is who“ des internationalen Weinbaus zu treffen und Weine der Spitzenklasse zu verkosten.

Weil auch die 9. Veritable selbst am Montag wieder dem Fachpublikum vorbehalten war, hatte Organisator Warnecke vor einigen Jahren die Idee, jeweils einen der besonders prominenten Protagonisten am Vortag zu einem Fachvortrag in den Saalbau einzuladen. Weinlegenden wie Angelo Gaja, Dierk van der Niepoort, Graf von Neipperg, Alois Lageder und Ernst „Erni“ Loosen sind auf diese Weise bereits nach Neustadt gekommen. Sie alle hatten interessante und spannende Themen zum Thema Wein im Gepäck.

„Das machen, was uns am besten schmeckt“

Jetzt also Fritz Keller, der seit 1990 die Geschicke des Weinguts Franz Keller in der dritten Generation lenkt und sich überdies als Gastronom, Hotelier und Fußballfunktionär einen Namen gemacht hat. Er erklärt den Besuchern unter anderem, warum er die Meinung vertritt, nicht jedem Trend hinterher hecheln zu müssen: „Wir wollen nicht everybody’s darling sein, sondern das machen, was uns selbst am besten schmeckt.“

Im Ergebnis solle darum der zweite Schluck Wein besser als der erste schmecken – und eben auch die zweite Flasche besser als die erste. Kellers Philosophie scheint anzukommen beim Publikum, gelten seine Weine doch längst nicht mehr als Geheimtipp: Die Produktion aus den 38 Hektar eigener Anlagen und der von 15 Hektar von Vertragswinzern ist regelmäßig schnell ausverkauft.

Mit „Patchwork“-Produkt bei Aldi

Seit zwölf Jahren vertreibt er mit der „Edition Fritz Keller“ zudem Weine bei Aldi, die von 450 badischen Winzerfamilien als „Patchwork“-Produkt unter seiner Federführung produziert werden und zu günstigen Preisen zu haben sind. Ziel dieses Kooperationsprojekts sei es, auch weniger begüterten Weinfreunden Trinkfreude zu ermöglichen und die kleinteilig parzellierte Kulturlandschaft rund um den Kaiserstuhl zu erhalten, erklärt Keller.

Bereits sein Vater hatte sich einst gegen großflächige Flurbereinigungen engagiert und sich damit abseits des Mainstreams bewegt. Er war es auch, der sich eine Anzeige eingehandelt hatte – weil er einen Ruländer entgegen des einstigen Massengeschmacks durchgegoren ausgebaut und als Grauburgunder etikettiert in den Verkauf gebracht hatte. Außerdem nahm er auch den Unmut seiner badischen Winzerkollegen in Kauf, weil er früh Weine aus dem benachbarten Frankreich importierte, was heute noch ein wirtschaftliches Standbein des Weinguts ist. Man muss halt nicht alles mitmachen ...

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