Rheinpfalz Nach elf Jahren wieder in einem grünen Haus

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Mit ihrem Amtsantritt am 18. Mai war es schnell um die Internet-Anonymität von Christiane Rohleder (Grüne) geschehen. Die Staatssekretärin im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz genoss es bis dahin, dass Google fast nur Hinweise auf eine gleichnamige Soziologieprofessorin in Nordrhein-Westfalen ausgespuckt hat.

MAINZ. Es ist bemerkenswert, wie sich die 47-jährige Juristin, die in St. Ingbert im Saarland aufgewachsen ist, lange dem weltweiten Netz weitgehend entziehen konnte. Denn ihre Arbeitsbiografie ist beachtlich. Eine Erklärung könnte sein, dass sie den digitalen Verbraucherschutz verinnerlicht hat, der zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehörte. Zuletzt hat sich Rohleder im Bundesjustizministerium von Heiko Maas (SPD) um internationale Verbraucherangelegenheiten gekümmert. Strategie und Koordinierung gehörten ebenfalls zu ihren Aufgaben – gute Voraussetzungen für das Amt als Staatssekretärin und zugleich Amtschefin im Mainzer Familienministerium. Sie bringt Verwaltungserfahrung mit, die der neuen Ministerin Anne Spiegel (Grüne) fehlt. Wenn Rohleder über die Themen des Ministeriums spricht, sprüht sie anders, aber nicht weniger energisch als Spiegel. Vom Ansatz der humanitären Flüchtlingspolitik ist sie überzeugt. In der Kinder- und Jugendpolitik will sie das im Koalitionsvertrag vereinbarte Instrument der Ombudsperson mit umsetzen. Viele Rechte hätten Kinder nach wie vor nur auf dem Papier. Der Gewaltschutz von Frauen, die Nahtstelle zwischen Frauen- und Rechtspolitik, ist ein Thema, das ihr seit ihrer Referendariatszeit nahe ist. Damals arbeitete sie im Frauennotruf Regensburg mit. Ihre Doktorarbeit schrieb Rohleder über das Sexualstrafrecht. Im Jahr 2000 wechselte sie von der wissenschaftlichen Arbeit an der Universität Regensburg als Referentin für Rechts- und Innenpolitik in die Bundestagsfraktion der Grünen. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 steckte sie mitten in dem Spannungsfeld der Sicherheitsgesetze. „Es ging darum, die Rechtsstaatlichkeit zu wahren und Sicherheit zu schaffen.“ Dies war die Zeit, in der Rohleder in die Partei eingetreten ist. „Es war eher Zufall, dass ich nicht schon vorher Mitglied wurde“, sagt sie über ihre Parteibindung. Die bisherige Staatssekretärin Margit Gottstein, die es nach fünf Jahren wieder zurück nach Berlin gezogen hat, war damals ihre Chefin in der Bundestagsfraktion. Sie hat Rohleder nun nach Mainz empfohlen. So arbeitet die Juristin nach elf Jahren zum ersten Mal wieder in einem grün-geführten Ministerium. Damals war Renate Künast für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig, als sie von der Fraktion in das Ministerium wechselte. Nach dem Ausscheiden der Grünen aus der Bundesregierung 2005 blieb Rohleder Referentin – zunächst unter Horst Seehofer, später unter Ilse Aigner (beide CSU). Politisch sicher nicht die Wellenlänge, aber Rohleder spricht sehr positiv über Aigner. Sie habe den notwendigen Druck beim digitalen Verbraucherschutz gemacht. „Das habe ich ein wenig mitgeprägt“, sagt sie in bescheidenem Tonfall. 2014 war es der SPD-Mann Ulrich Kelber als Parlamentarischer Staatssekretär, der sie ins Justizministerium geholt hat. Von der Ampel-Koalition in Mainz verspricht sich Christiane Rohleder, die verheiratet ist und einen elfjährigen Sohn hat, einen besonderen Gestaltungswillen. Und der Wechsel in die Provinz? Mainz mag sie wegen der kurzen Wege, außerdem ist ihr schon bei der ersten Personalversammlung die Mentalität der Menschen nach den Jahren in Berlin positiv aufgefallen. Info Bisher erschienen: „Rolle gewechselt, aber nicht die Themen“ (Konrad Wolf), Ausgabe vom 9. Juni; „Das bisherige Leben umgekrempelt“ (Andy Becht), 10. Juni; „Wir sind kämpferisch“ (Anne Spiegel), 14. Juni; „Ein Déjà-vu für Herbert Mertin“, 16. Juni; „Ministerium kann ich “ (Stefanie Hubig), 20. Juni; „Er will das Geld verdienen“ (Volker Wissing), 24. Juni; „Lust machen auf Unternehmertum“ (Daniela Schmitt), 9. August.

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