Minfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Musikfreunde Wörth führen „Markuspassion“ auf

Orchester und Chor der Musikfreunde Wörth unter der Leitung von Boris Yoffe führen in der Protestantischen Kirche in Minfeld die
Orchester und Chor der Musikfreunde Wörth unter der Leitung von Boris Yoffe führen in der Protestantischen Kirche in Minfeld die Hamburger Markuspassion von Keiser auf

Die historische Kirche in Minfeld platzt aus allen Nähten, als die Musikfruende Wörth an Karfreitag die Hamburger „Markuspassion“ aufführen.

Hamburg, Weimar, Minfeld: Die 1700-Einwohner-Gemeinde reiht sich (spätestens) seit Karfreitag ein in die Liste der Orte, in denen die sogenannte Hamburger „Markuspassion“ aufgeführt wurde. Das um 1702 entstandene Werk war nachweislich erstmals 1707 in der Hansestadt zur hören. Die Komposition, die meist Reinhard Keiser oder dessen Vater Gottfried zugeschrieben wird, gelangte früh in die Hände von Johann Sebastian Bach. Er ließ die oratorische Passion erst in Weimar – wohl 1713 – und später auch in Leipzig erklingen.

Die Musikfreunde Wörth haben das Werk seit Januar unter der Leitung von Boris Yoffe einstudiert und zuvor bereits in Wörth und Rhodt aufgeführt, sagte Yoffe im Gespräch. Der 1968 in Sankt Petersburg (damals Leningrad) geborene Komponist lebt seit 1997 in Deutschland. Für die Markuspassion griff Yoffe ausschließlich auf eigene Kräfte zurück: Orchester und Chor der Musikfreunde Wörth, wobei alle Solisten einem der beiden Ensembles angehören.

Neue Figuren auf Malerei entdeckt

Stellvertretend für Anca Burg, die verhinderte Vorsitzende des Fördervereins historische Kirche, begrüßte Ortspfarrerin Anna Thees die Besucher in dem denkmalgeschützten Gotteshaus, dessen Bau im 11. Jahrhundert begonnen und um 1500 abgeschlossen wurde. Die Spenden von Konzertbesuchern – auch der Eintritt zu dieser Aufführung war frei – kommen der Restaurierung der ältesten Secco-Malereien der Pfalz zugute. Erst kürzlich seien dabei zwei neue Figuren, ein Engel und ein Prophet, zum Vorschein gekommen.

Zahlreiche Gäste spendeten für die Restaurierung der Secco-Malereien, wie ein Vereinsmitglied auf Nachfrage informierte. Weitere Benefizveranstaltungen in der Kirche sind für den weiteren Jahresverlauf geplant. Mit mehr als 100 Besucher war die historische Kirche sehr gut gefüllt. Die Kirchenbänke reichten nicht aus, weshalb Mitglieder des Fördervereins mehrere Klappbänke und etliche Stühle zusätzlich bereitstellten. Dennoch verfolgten einige Besucher die Aufführung im Stehen.

Viel Zeit in Erarbeitung gesteckt

Das Oratorium handelt von der in den Kapiteln 14 und 15 des Evangeliums nach Markus geschilderten Leidensgeschichte Jesu Christi. Die Darbietung durch die Musikfreunde Wörth war da besonders überzeugend, wo der rund 20-köpfige Chor und das etwa genauso große Kammerorchester gemeinsam agieren. Boris Yoffe dirigierte die Ensembles ausdrucksstark und präzise. Der Klang war ebenso kraftvoll wie harmonisch.

Unter den acht Gesangssolisten hatte der Tenor Hans-Joachim Weimar als Evangelist in der rund 90-minütigen Aufführung mit großem Abstand die meisten Einsätze, bei denen er meist souverän agierte. Bassist Christoph Stengel, der Vorsitzende der Musikfreunde, gab einen klaren und zugleich tief bewegten Jesus – rhythmisch wie intonatorisch tadellos. Auch die Sopranistin Lu Ji gefiel bei ihren Solo-Einsätzen.

Als Solisten traten außerdem in Erscheinung: Almut Schneider (Alt), Bruno Meier (Tenor), Pavel Khlopovskiy (Bass), Jonathan Baral (Tenor) und Gabi Körner (Sopran). Die Beiträge der Sängerinnen und Sänger waren recht unterschiedlich – insbesondere bezüglich Artikulation und Intonation. Hörbar war in jedem Fall die Arbeit, die sowohl die Solisten als auch Yoffe als Leiter in die Erarbeitung des schwierigen Werks investiert hatten.

Die Besucher spendeten nach Ende des Konzerts minutenlang Applaus im Stehen.

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