Kultur Südpfalz Moderne Momente

Die brillante Harfenistin Bridget Kibbey sowie eine ansprechende Sicht auf Schumanns „Frühlingssinfonie“ prägten das jüngste Konzerte der Badischen Staatskapelle. Diese musizierte unter Leitung von Johannes Willig erstmals in Europa das Harfenkonzert von Vivian Fung.
Avantgardistisches erwartete die Hörer beim Harfenkonzert der Kanadierin mit asiatischen Wurzeln Vivian Fung nicht. Das nun als Europäische Erstaufführung von der Badischen Staatskapelle – die Uraufführung dirigierte Karlsruhes GMD Justin Brown Februar 2014 im amerikanischen Birmingham – unter der dynamisch den Belangen der Solistin nicht immer genügend Aufmerksamkeit schenkenden Leitung des 1. Kapellmeisters Johannes Willig vorgestellte Konzert profitiert vor allem von der brillanten Kunst der Harfenistin Bridget Kibbey. Sie spielte auch die Uraufführung. Das für Streichorchester und dezent eingesetztes Schlagwerk geschriebene Konzert gibt ihr viel Gelegenheit, ihr differenziertes Spielvermögen ins beste Licht zu rücken. Fungs Harfenkonzert nutzt geschickt balinesische Gamelananklänge, eine entfernte Parallele zu Toru Takemitsus „Spirit Garden“, mit dem das Sinfoniekonzert trotz der fulminanten Soli der Flötistin Tamar Romach etwas farbarm eröffnet wurde. Fungs Harfenkonzert gibt der amerikanischen Solistin reichlich Gelegenheit, ihre höchst differenzierte Spieltechnik und ihre Klangsensibilität bei dem dreisätzigen Werk zu demonstrieren. Verbindende Momente des ersten Satzes bildet nach den Worten der Komponistin eine „Thai-Zither-Melodie“, die beim Höhepunkt des ersten Satzes wiederaufgenommen wird. Im anfänglich traditionell lyrisch gehaltenen zweiten Satz hat Kibbey in einer groß angelegten Kadenz auch aggressive Momente. Im Finale finden sich sowohl jazzartige Momente als auch ein parodistisch eingesetzter Tango, bei dem auch Konzertmeister Stephan Skiba zu einem kurzen, humoristisch geprägten Dialog mit der Solistin kommt. Neben der umjubelten Erstaufführung spielte Kibbey auch das 1927 entstandenen Concertino von Germain Tailleferre, das den Geist des Neoklassizismus mit tänzerisch geprägter Unterhaltungsmusik und entfernt impressionistischen Anklängen verbindet. Eine sehr stringente Sicht auf Schumanns „Frühlingssinfonie“ aus dem Geist der historisch informierten Aufführungspraxis boten Willig und die hier sehr konzentriert agierende Staatskapelle. In reduzierter Orchesterbesetzung und in alter deutscher Orchesteraufstellung mit den ersten und zweiten Geigen sich gegenüber sitzend ließ Willig einen ebenso transparenten wie kontrastreichen Schumann voller Bewegungsenergie musizieren. Die hervorragenden ventillosen Hörner, die ebenfalls auf alten Instrumenten musizierenden Trompeter standen ihren Kollegen in nichts nach und die mit reduziertem Vibrato musizierenden Streicher boten unter Willigs auch einen schlank-biegsamen Schumann. Im kraftvoll genommenen Scherzo und dem zwischen Überschwang und lyrischer Introspektion pendelndem Finale konnte diese Schumann-Sicht ebenfalls begeistern. (gt)